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Elterngeld: Das bringt die Transferzahlung des Staates wirklich

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Elterngeld  

Was bringt das Elterngeld: Forscher ziehen Bilanz

14.10.2013, 12:01 Uhr | dpa

Elterngeld: Das bringt die Transferzahlung des Staates wirklich. Elterngeld: Mehr als jeder vierte Vater geht inzwischen in Elternzeit - früher waren es nur vier Prozent. (Quelle: dpa)

Mehr als jeder vierte Vater geht inzwischen in Elternzeit - früher waren es nur vier Prozent. (Quelle: dpa)

Das Elterngeld hilft jungen Familien - Müttern wie Vätern. Diese Bilanz zieht eine Forschergruppe. Doch die Geburtenrate ist durch diese familienpolitische Maßnahme nur bei einer kleinen Gruppe von Frauen gestiegen.

Was das Elterngeld bringt

Mehr als jeder vierte Vater eines neugeborenen Kindes geht inzwischen in Elternzeit. Zu diesem Schluss kommen Forscher um den Politologen Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden. Sie haben die Wirkung des 2007 eingeführten Elterngeldes untersucht, das nach der Geburt eines Kindes maximal 14 Monate gezahlt wird - einschließlich zweier Vätermonate. Der Höchstbetrag liegt bei 1800 Euro. Frauen finden danach leichter den Wiedereinstieg am Arbeitsplatz, sagt Bujard (38) im Interview. Der zweifache Vater ist selbst drei Monate in Elternzeit gegangen.

Zum Einstieg der Rückblick, Herr Bujard: Was sollte das Elterngeld erreichen?

Bujard: Das Elterngeld bedeutete den Umstieg auf eine Lebenslaufpolitik. Es gab fünf Ziele, die aber nicht immer klar genannt wurden. Der Einkommensrückgang nach der Geburt von Kindern sollte aufgefangen werden. Alle Maßnahmen bis dahin hatten sich an fixen Beträgen orientiert wie das Kindergeld. Das Elterngeld hing erstmals vom Einkommen ab. Der zweite Punkt war mehr Zeit für Kinder. Drittens gab es Anreize für Väter, sich an der Fürsorge zu beteiligen. Viertens: Die Erwerbstätigkeit von Müttern sollte gesteigert werden. Fünftens: die Förderung von Geburten.

Hat das Elterngeld denn die ökonomischen Erwartungen erfüllt?

Bujard: Es lässt sich nachweisen, dass das Haushaltseinkommen für Familien mit Babys angestiegen ist. 2008, also zwei Jahre nach der Einführung, lag es pro Kopf gut 100 Euro höher. Allerdings profitieren Akademiker, Eltern ab 30 Jahren sowie Familien mit dem ersten Kind besonders stark. Bei Alleinerziehenden, jungen Eltern und auch beim zweiten Kind sind die Einkommen kaum gestiegen. Es kommt darauf an, wann im Lebenslauf jemand ein Kind bekommt.

Haben die Väter die Zeit mit kleinen Kindern angenommen?

Bujard: Bei den Vätern ist 2012 die durchschnittliche Beteiligung auf 28 Prozent gestiegen, das ist ein Erfolg. Man muss vergleichen: Früher sind nur vier Prozent der Väter in Elternzeit gegangen. Nun nehmen Männer im Durchschnitt 3,3 Monate Elternzeit. Jeder dritte Vater nimmt die Monate nach der Geburt - parallel mit der Mutter.

Ist das nicht nur ein "Wickelvolontariat"?

Bujard: Spöttische Töne sind nicht angebracht. Drei, vier Monate nicht zu arbeiten und sich mit seinem Kind zu beschäftigen ist eine intensive Zeit. Ein knappes Drittel der Väter macht Erfahrungen in der Kinderpflege, die Generationen vorher nicht kannten. In einigen Jahren wird sich zeigen, was sich dadurch kulturell verändert. Denn wer heute als Vater im Betrieb seine Elternzeit durchsetzen muss, trägt in 15 Jahren vielleicht Personalverantwortung.

Vor 2007 konnten Frauen bis zu drei Jahre Erziehungszeit nehmen. Was ist der Vorteil des Elterngeldes für sie?

Bujard: Je kürzer die Erwerbstätigkeit unterbrochen wird, desto geringer ist der langfristige Einkommensverlust. Wer nach ein, zwei Jahren zurückkommt, ist noch drin im Job und hat bessere Chancen, mehr zu verdienen. Der positive Arbeitsmarkteffekt für Frauen lässt sich belegen. 2006 haben 33 Prozent der Frauen mit Kindern im Alter von einem Jahr gearbeitet. 2011 waren es 41 Prozent. Das hängt aber vor allem mit dem allgemeinen Ausbau der Kinderbetreuung zusammen.

Und die Frage aller Fragen: Hat das Elterngeld mehr Babys gebracht?

Bujard: Die Geburtenrate wird durch Familienpolitik zwar beeinflusst, es gibt aber ein Zusammenspiel vieler Einflüsse. Veränderungen zeigen sich erst über Jahre. Unsere Studie zeigt: Es gibt es einen Effekt bei den Akademikerinnen über 35 Jahren. In dieser kleinen Gruppe ist ein Anstieg der Geburten sichtbar.

Knapp fünf Milliarden Euro gibt der Staat im Jahr für das Elterngeld aus? Ist das in ihrer Sicht gut angelegtes Geld?

Bujard: Es ist entscheidend bei der Beurteilung, dass man alle fünf Ziele im Auge hat. Der Schonraum für das schwierige erste Jahr ist erreicht, das Familieneinkommen steigt. Die Väter machen mit. Es sind mehr Frauen erwerbstätig. Das Positive am Elterngeld ist, dass es anders als Ehegattensplitting oder das Betreuungsgeld keine Zielkonflikte hat, sondern mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt.

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