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Autismus: Was das Asperger-Syndrom bedeutet

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Aufklärung bei Autismus  

Menschen mit Asperger können ein normales Leben führen

23.06.2017, 18:43 Uhr | Claudia Urban, dpa-tmn, t-online.de, az

Autismus: Was das Asperger-Syndrom bedeutet. Kleines Mädchen hockt und hält sich die Augen zu (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/puhimec)

Viele Eltern fragen sich, wie sich Autismus bei ihrem Kind bemerkbar macht: Welche Verhaltensweisen gelten schon als auffällig? (Quelle: puhimec/Thinkstock by Getty-Images)

Um das Asperger-Syndrom existieren viele Klischees. Zum einen werden damit oft Wunderkinder mit besonderer Begabung verbunden. Andererseits wird Betroffenen abgesprochen, ein selbstständiges Leben führen zu können. Doch beides stimmt nicht. 

Sie fallen oft schon in der Schule auf und gelten als Sonderlinge oder Egozentriker: Kinder mit Asperger-Syndrom. Während andere Kinder für viele neue Erfahrungen offen sind, sind ihre Interessengebiete oft stark eingeschränkt. Manche interessieren sich für ungewöhnliche Themen wie Rohrleitungssysteme oder Abflugpläne einer Airline, denen sie mit großer Akribie nachgehen. Von Mitschülern und Außenstehenden werden sie bisweilen belächelt. In Gesprächen und Alltagssituationen zeigen Kinder mit Asperger-Syndrom oft unerwartete Reaktionen. Freunde haben sie meist nicht. Ihre schulischen Leistungen sind durchaus normal, können aber auch überdurchschnittlich sein.

Definition: Was ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom ist angeboren und beeinflusst die Entwicklung. Es schränkt soziale Interaktion und die Kommunikation mit Mitmenschen ein. Vor allem die Fähigkeit, nichtsprachliche Signale, also Gestik, Mimik oder Blicke von Menschen zu erkennen und auszuwerten, ist beeinträchtigt. Daraus resultiert ein mangelndes Einfühlungsvermögen, das den Umgang mit anderen Menschen erschwert. Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob es als Krankheit oder als eine besondere Variante der menschlichen Informationsverarbeitung eingestuft werden sollte.

Eine allgemeingültige, trennscharfe Definition gibt es nicht. Die britische Psychiaterin Lorna Wing beschreibt das Asperger-Syndrom als Beeinträchtigung der sozialen Interaktion, Kommunikation und des sozialen Verständnisses. Im medizinischen Klassifikationssystem ICD ist es als F84.5 gekennzeichnet. Schätzungsweise 0,9 Prozent der Bevölkerung haben das Syndrom.

Was ein Asperger-Syndrom bedeutet

Wichtig sei es, einen Autismus früh zu erkennen, sagt Psychologin Inge Kamp-Becker vom Uniklinikum Marburg. "Sonst gibt es so einen Rattenschwanz von Missverständnissen, so viel Frust, Hänseleien und fehlende Akzeptanz in der Schule, bei der Arbeit und in den Beziehungen", fügt Prof. Ludger Tebartz van Elst von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Freiburg hinzu.

Auffälliges Verhalten bei Kindern sollten Eltern immer ernst nehmen, etwa wenn Kinder leicht Wutanfälle bekommen, sich im Miteinander auffallend ungeschickt verhalten oder am liebsten alleine spielen. Häufig sind die Kinder auch motorisch ungeschickt.

Es gibt online Tests für Kinder und Erwachsene. Allerdings unterscheiden diese nicht zwischen verschiedenen Formen von Autismus. Das Ergebnis sollte nur als eine erste Einschätzung gesehen werden. Außerdem kann es bei Resultaten von Autisten und Nicht-Autisten zu Überschneidungen kommen. Doch auch bei der Diagnose durch einen Psychiater ist eine gewisse Willkür nicht auszuschließen, was als Autismus gekennzeichnet wird und was nicht.

Wie erkenne ich das Asperger-Syndrom?

Menschen mit Asperger-Syndrom fällt es schwer, Kontakte zu anderen Menschen zu knüpfen. Sie können nicht angemessen mit anderen kommunizieren oder Kontakt aufnehmen und haben eingeschränkte Interessen. Außerdem ist ein zwanghaftes Festhalten an Wiederholungsroutinen typisch, Aktivitäten werden häufig stereotyp ausgeführt.

Eltern fragen sich, wie sie erkennen können, ob ihr Kind das Asperger-Syndrom hat. "Eltern merken zwar meist schon früh, dass ihre Kinder irgendwie anders sind", sagt Kamp-Becker. "Auffällige Verhaltensweisen werden aber im Kleinkindalter oft noch toleriert." Im Unterschied zu Kindern mit frühkindlichem Autismus sind Asperger-Autisten nicht weniger intelligent und haben keine Sprachentwicklungsstörungen.

Gerade weil sich die Sprachentwicklung nicht verzögert, werde das Asperger-Syndrom häufig erst gegen Ende der Grundschulzeit oder noch später festgestellt. Ein Asperger-Syndrome bedeute aber nicht, dass Betroffene zwangsläufig nur einen leicht ausgeprägten Autismus haben oder – wie oft behauptet – hochbegabt sind. Das Asperger-Syndrom fällt aber gelegentlich mit einer Inselbegabung zusammen.

Autisten können Mimik und Gestik nicht verstehen, Gefühlsregungen ihres Gegenübers nicht einordnen. Es fällt ihnen schwer zu erkennen, welche Absicht jemand in einem Gespräch verfolgt. "Das ist eine Fähigkeit, die sich normalerweise etwa im vierten Lebensjahr herausbildet, und die wahrscheinlich viel mit der Vernetzung verschiedener Hirnareale zu tun hat", sagt Prof. Tebartz van Elst.

Autistische Menschen entwickelten diese Fähigkeit nur eingeschränkt. In komplexen sozialen Situationen sind sie daher oft überfordert. Daraus resultiere wahrscheinlich auch das starke Bedürfnis nach Routinen und erwartungsgemäßen Abläufen oder die intensive Beschäftigung mit Details, erklärt der Mediziner.

Asperger-Autisten in der Schule

Oftmals besuchen Kinder mit dem Asperger-Syndrom normale Schulen. In der Schule fällt es Kindern mit Asperger-Syndrom jedoch häufig schwer, sich an Regeln zu halten. Hilfreich sind alternative Angebote wie Förderstunden. Der Unterricht sollte strukturiert ablaufen, sodass wiederkehrende Rituale den Kindern mit Asperger-Autismus Sicherheit bieten. Ruhepausen und Rückzugsmöglichkeiten sollten gegeben sein, ebenso wie eine reizarme Umgebung. Veränderungen jeglicher Art sollten vorher angekündigt werden.

Ursachen für Autismus

Die Ursachen für Autismus sind noch nicht abschließend geklärt. Bei manchen Formen scheinen vererbte genetische Auffälligkeiten zu bewirken, dass die Hirnentwicklung abweichend abläuft bezüglich Anatomie und Funktion. In der Folge funktioniert das Gehirn anders.

Begleiterscheinungen des Asperger-Syndroms

Das Asperger-Syndrom kann zusammen auftreten mit:

  • Depression
  • Zwangsstörung oder zwanghafte Persönlichkeitsstörung
  • ADHS
  • Tourette-Syndrom
  • Magersucht (Anorexia nervosa)

Unterstützung für Menschen mit Asperger und Angehörige

Als erstes gilt es, das Kind in seiner Besonderheit so anzunehmen, wie es ist. Sie unterstützen Menschen mit Asperger, indem sie Routinen einüben, Rückzugsmöglichkeiten schaffen und Sozialkontakte fördern.

Menschen mit Asperger-Autismus müssen sehr zeitintensiv üben, was anderen intuitiv gegeben ist: Mimik zu deuten, in Gesprächssituationen zu reagieren, veränderte Alltagssituationen oder Dinge des täglichen Lebens wie Einkäufe zu bewältigen.

Doch der Aufwand lohnt sich, und je früher gezielte psychotherapeutische Maßnahmen beginnen, umso besser lernen Asperger-Autisten mit anderen Menschen umzugehen. Auch das Ausüben eines Berufs entsprechend vorhandener Stärken und Interessen sei wichtig, sagt Tebartz van Elst.

Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter

Erwachsene mit Asperger-Syndrom leben oft zurückgezogen und haben wenige Sozialkontakte. Partnerschaften aufrecht zu erhalten, erleben sie als überfordernd. Doch es gibt auch Asperger-Autisten, denen es gelungen ist, ihre Spezialinteressen beruflich umzusetzen.

Christine Preißmann ist nicht nur eine gefragte Autismus-Expertin, die Fachartikel und Bücher schreibt. Sie ist auch selbst Autistin und ein gutes Beispiel dafür, dass Menschen mit Autismus viel erreichen können. Sie arbeitet als Allgemeinärztin und Psychotherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Dass Menschen mit Asperger-Syndrom ein Studium beginnen und auch abschließen können, komme immer häufiger vor, sagt sie. "Es gibt inzwischen Hilfen. Man kann zum Beispiel einen Studienbegleiter bekommen oder während der Schulzeit bestimmte Nachteilsausgleiche einfordern."

Um mehr Akzeptanz zu erreichen, sei es vor allem auch wichtig, ein realistisches Bild vom Autismus zu zeigen – nicht nur den Menschen mit den skurrilen Sonderbegabungen oder das Kind, das schaukelnd in der Ecke sitzt. "Man muss zeigen, dass wir trotz autistischer Störung oft ganz normale Menschen sind, die dabei sein möchten und auch dabei sein können, wenn sich alle ein bisschen Mühe geben", sagt Preißmann.

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