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Neues Leben im Wald

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40-Jähriger lebt im Tipi im Wald

19.08.2014, 11:35 Uhr | dpa

Neues Leben im Wald. Marc Freukes warf alles hin und baute sich in der Natur ein neues Leben auf. (Quelle: dpa)

Marc Freukes warf alles hin und baute sich in der Natur ein neues Leben auf. (Quelle: dpa)

Stress und Probleme lassen viele Menschen eine Flucht aus dem Alltag ersehnen. Marc Freukes hat es gewagt. Kurz vor dem Burn-out sucht er eine Welt der Harmonie und Ruhe. Jetzt ist er glücklich im Odenwald angekommen und lebt in einem Tipi.

Sein Waschbecken ist ein ausgehöhlter Baumstamm, er kocht an einer Feuerstelle, Wasser holt er sich aus dem Bach im nächsten Dorf. Marc Freukes liebt sein Zuhause, er will hier nicht mehr weg. Seit Jahresbeginn lebt der 40-Jährige in einem Tipi im Odenwald, umgeben von Fichten und Eichen. Im Innern des weißen Zeltes liegt Stroh auf dem Boden, es riecht nach Rauch, Hund Rala bleibt dicht an Herrchens Seite. "Die Natur zeigt mir, was wirklich wichtig ist - und das ist im Endeffekt sehr wenig." Wenn es richtig kalt wird, zieht er um in ein Wigwam aus Stroh.

Einen neuen Anfang gewagt

Vergangenes Jahr entschied Freukes, sein bisheriges Leben an den Nagel zu hängen und neu anzufangen. Der Dossenheimer suchte sich ein Kontrastprogramm aus, früher war er Golflehrer. "Ich glaube, ich wäre irgendwann vor die Hunde gegangen", sagt der Aussteiger und schaut auf den Waldboden vor sich. "Das hat gar nicht mehr zu mir gepasst."

Der Odenwald als Zuhause

Als ihm alles zu viel wurde und er nach eigenen Worten kurz vorm Burn-out war, zog Freukes die Reißleine. Er kündigte seine Wohnung und siedelte um in den Odenwald. Der Besitzer des Waldgrundstücks habe ihm erlaubt, dort sein neues Heim einzurichten, erzählt er. "Ich habe hier die ideale Lösung gefunden."

Flucht vor dem Alltag

Trendforscher Peter Wippermann sieht darin einen Extremfall und zwar einen, der für den Wunsch vieler steht. "Die Idee, die digitale Welt zu verlassen als Gegenpol zur Vernetzung des Alltags ist ein Grundtrend." Aussteigertum sei in Deutschland aber sehr selten. "Das sehe ich nicht als gesellschaftliches Phänomen."

Outdoor-Trainer Daniel Seifried schätzt, dass in Deutschland nur zwischen zehn und 50 Menschen so ein Leben führen wie Freukes. Viele seien zwar gern ein paar Wochen draußen, freuten sich dann aber auf einen vollen Kühlschrank und das eigene Bett. "Ganz auszusteigen trauen sich die meisten nicht - und es ist auch nicht einfach."

"Into the Wild" mit schlimmem Ende

Freukes Geschichte erinnert an die Freiheitssuche berühmter Aussteiger wie Christopher McCandless, dessen Geschichte unter dem Titel "Into the Wild" verfilmt wurde. Der junge Mann entschied sich Anfang der 90er Jahre für ein Leben in der Wildnis. Bei ihm nahm das Abenteuer allerdings ein furchtbares Ende. Er starb nach zwei Jahren mit nur 24, abgemagert, entkräftet und einsam.

Besuche sorgen für Gesellschaft

Freukes ist weniger radikal: Sein Tipi steht nahe der hessischen Gemeinde Grasellenbach. Ein Handy hat er dabei, allerdings gibt es im Wald nur schwachen Empfang. Auch die völlige Einsamkeit sucht der 40-Jährige nicht. Ein Wanderweg führt in der Nähe seines Tipis vorbei, Besuch von Spaziergängern hat er praktisch jeden Tag.

Böse Zungen könnten sagen, Freukes schummele, denn an zwei Tagen in der Woche ist er in Dossenheim im Rhein-Neckar-Kreis bei seiner Freundin. Hier schreibt er an einem Buch über seine Erlebnisse und hierher kommt seine Post. Auch eine heiße Dusche wartet auf ihn, aber das Bedürfnis danach nimmt immer mehr ab, wie er erzählt. "Duschen ist für mich mittlerweile überflüssig geworden. Waschen ist ab und zu nötig, aber hier draußen kümmert es niemanden."

Geld ist nicht mehr wichtig

Freukes Freundin Alexandra freut sich dann aber doch über eine Reinigung. "Wenn er zu mir kommt, ist das Geruchserlebnis manchmal schon sehr intensiv", sagt die 31-jährige Lehrerin. Sie steht trotzdem hinter seiner Entscheidung, auch wenn sie ihm nicht komplett in den Wald folgen kann. Freukes braucht zwar nicht mehr viel Geld, ist aber auch noch berufstätig. Er bietet Outdoor-Kurse an und geht zum Beispiel mit Interessierten Fliegenfischen.

Ganz ohne Plastik geht es nicht

In seiner Zeit im Tipi habe er viele Ängste abgelegt, etwa vor Zecken oder unbekannten Geräuschen, erzählt Freukes. Er brauche auch immer weniger. "Ich habe immer noch so viel, dass ich noch jede Menge weglassen könnte." Zuletzt habe er auf seine Taschenlampe verzichtet. Sie ist überflüssig, denn schließlich könne er mit der Sonne aufstehen und sich schlafen legen, wenn sie untergehe. Mit Plastikbehältern hadert Freukes noch. "Plastik sehe ich ungern, aber es ist einfach so praktisch." Entsagung um jeden Preis soll es schließlich nicht sein: "Ich muss ja hier keinen Indianer imitieren." 

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