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Kinderbetreuung: Brauchen wir die 24-Stunden-Kita?

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Brauchen wir die 24-Stunden-Kita?

25.07.2011, 16:15 Uhr | dapd

Für den kleinen Wilm geht es heute schon früh nach Hause. Papa Stefan holt den fast Zweijährigen am Nachmittag aus der Kita "nidulus" in Schwerin ab. Vier andere Kleinkinder bleiben über Nacht, denn "nidulus" bietet für 58 Kinder auch am Wochenende eine Betreuung rund um die Uhr - als eine von bundesweit immer noch sehr wenigen Einrichtungen.

Großer Bedarf nach flexibler Betreuung

Das Konzept habe sich bewährt, sagt Erzieherin Marion Lais. Zwei bis drei Mal am Tag rufen interessierte Eltern an oder stehen plötzlich in der Tür. "Wir könnten noch zwei weitere Häuser bauen", sagt Lais, so groß sei offensichtlich der Bedarf nach flexibler Betreuung. Erst im Frühjahr stockte "nidulus", was im Lateinischen für Nestchen steht, um zehn Betreuungsplätze auf.

Ohne den Rund-um-die-Uhr-Service für seinen Sohn Wilm wäre Stefan Möller ziemlich aufgeschmissen. Der 33-jährige Bauingenieur muss oft bis in den Abend hinein auf der Arbeit bleiben und seine Frau Anne schiebt als Klinik-Ärztin regelmäßig Nachtschichten. "Wenn meine Frau eine OP hat, kann sie die nicht einfach abbrechen, weil die Kita zumacht", sagt Möller.

Erste Nacht allein ohne Tränen

Wilm verbrachte seine erste Nacht in der Kita vor einigen Monaten recht spontan: Mama hatte Nachtdienst in der Klinik und Papa war auch dort - als Patient. "Wilm hat das von vornherein gut aufgenommen und nicht geweint, er kennt ja auch alle hier", erklärt Stefan Möller. Ohnehin habe der kleine Mann einen festen Schlaf und das meist von 18 bis 6 Uhr.

Bereits um kurz nach 18 Uhr beginnt die Nachtruhe. Erzieherin Marion Lais räumt das Geschirr vom Abendbrot ab - nebenan gehen die ersten Kinder ins Badezimmer, um sich fertig fürs Bett zu machen. Weil Mama dann nicht mehr für eine Gute-Nacht-Geschichte vorbeikommt, hilft sich der dreijährige Benedikt beispielsweise ganz pragmatisch weiter: Beim Einschlafen stehe neben ihm ein Foto seiner Mutter, erzählt Lais.

Trotz Vorbehalten könnte das Modell boomen

Bedeutet eine 24-Stunden-Kita weniger Kontakt zu Mama und Papa? Das Gegenteil sei der Fall, sagt die Geschäftsführerin des "nidulus"-Betreibers, der Kita gGmbH, Anke Preuß. Mit dem permanenten Betreuungsangebot könnten beide Elternteile zeitgleich Spätschichten absolvieren und hätten dann zugleich Freizeit. "So haben sie mehr Familienleben gemeinsam mit dem Kind."

Dennoch gebe es immer noch große Vorbehalte in der Gesellschaft. "Vor allem in den alten Bundesländern herrschte jahrelang die Meinung, jede Mutter müsse rund um die Uhr selber für ein Kleinkind da sein", sagt Preuß.

Neulich hätten sich Kita-Betreiber aus dem nordrhein-westfälischen Krefeld bei ihr nach dem Konzept der Kita "nidulus" erkundigt. Sie klangen laut Preuß aber nicht sehr hoffnungsfroh, dass ihre Idee bei Kommunalpolitikern auf Begeisterung stoßen wird.

Trotzdem glaubt Preuß, dass der Boom der Rund-um-die-Uhr-Kitas noch kommen wird. Gerade Krankenhäuser trieben den Ausbau der 24-Stunden-Betreuung für Mitarbeiterkinder voran, weil fast alle Ärzte und Pfleger regelmäßig nachts und an Wochenenden arbeiten.

Klinik-Betreiber trieb den Bau voran

Im Falle von "nidulus" waren es die Schweriner Helios-Kliniken, die den Bau der Kita auf ihrem Gelände unterstützten. 2009 eröffnete das Haus im hinteren Teil des weitläufigen Klinik-Campus. Doch nicht nur Ärzte und Krankenschwestern melden seitdem ihre Kinder an, auch Hotelangestellte und Mitarbeiter von Fastfood-Restaurants gehörten zu den Kunden, erläutert Erzieherin Lais.

In Mecklenburg-Vorpommern bietet sonst nur die Kita "Glühwürmchen" in Neubrandenburg ein pausenloses Betreuungsangebot. Wie viele es bundesweit sonst noch sind, ist laut Bundesfamilienministerium nicht zu ermitteln. Denn Kommunen, Kirchen, kleine Betriebskitas und Privatbetreiber tummeln sich auf dem Markt der Kinderbetreuung.

Von Landessozialministerin Manuela Schwesig (SPD) bekommt die Idee der Dauerbetreuung in Mecklenburg-Vorpommern Rückenwind: Überall dort, wo Bedarf bestehe, seien 24-Stunden-Kitas "ein wichtiges Angebot, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern."

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