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Puppe Cayla: Elternredaktion testet die Zukunft des Spielens

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High-Tech-Puppe "Cayla"  

Elternredaktion testet die Zukunft des Spielens

03.11.2014, 09:49 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Puppe Cayla: Elternredaktion testet die Zukunft des Spielens. High-Tech-Puppe "Cayla" – sieht so die Zukunft des Spielzeugs aus? (Quelle: Vivid)

High-Tech-Puppe "Cayla" – sieht so die Zukunft des Spielzeugs aus? (Quelle: Vivid)

Hat Barbie ausgedient? Brauchen unsere Kinder wirklich eine Puppe, mit der sie nicht nur spielen können, sondern die ihnen auch die großen Fragen des Lebens beantwortet - beziehungsweise es versucht? Die Elternredaktion von t-online.de hat die High-Tech-Puppe "Cayla" auf die Probe gestellt.

"Cayla", die in England bereits erfolgreich verkauft wird, verbindet neue Technologien wie Spracherkennung, Spracherzeugung, künstliche Intelligenz und mobiles Netz miteinander und soll in der Lage sein, Millionen von Fragen kindgerecht zu beantworten.

Sprechende Puppen sind nichts Neues. Bereits vor 40 Jahren gab es welche, denen man bunte Miniaturschallplatten in den Rücken schob und die dann losplapperten. Doch "Cayla" ist eine Art Siri für Kinder, die Puppe der Zukunft sozusagen. Sie plappert nicht nur, sie kommuniziert. Laut Tanja Seitz, Key Account Manager bei der Entwicklungsfirma Vivid, ist die Puppe in ihrer Interaktivität einzigartig.

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Auch "Cayla" wird manchmal müde

Der Preis für "Cayla" ist mit etwa 80 Euro beträchtlich hoch. Dafür können Kinder sich mit ihr unterhalten, sich von ihr Geschichten vorlesen lassen oder mit "Cayla" auf dem Tablet ein Fotoalbum ansehen, das sie als "echtes" siebenjähriges Mädchen zeigt. Bisweilen beliebt sie sogar zu scherzen. Fragt man "Cayla" nach ihrer Familie, erfährt man, dass ihr Bruder mit gerade mal zwei bereits alles über Dinosaurier weiß und ihre Mama aussieht wie eine Prinzessin und den ganzen Vormittag Yoga macht, während Papa im Büro das Geld verdient.

Fragt man zu viel, wirkt die Puppe überfordert. Dann bricht sie einfach ab oder beginnt zu stottern.

Die App ist für iOS und Android verfügbar

Die Kommunikation erfolgt über Bluetooth und eine App, die für iOS und Android verfügbar ist. Kostenlos auf Deutsch, für ein paar Euro kann man die Puppe auch Englisch oder Französisch sprechen lassen.

Ein Mikrofon, getarnt als Anhänger, nimmt die Fragen des Kindes auf und schickt diese via WI-FI über das Internet zu externen Servern. Dort werden die Infos ausgewertet, zurückgeschickt und wiedergegeben. Der Hersteller spricht von Echtzeit-Konversation. Und solange die Blondine auf ihre eigene Datenbank, die mit rund 170.000 Stichwörtern gefüttert ist, zurückgreifen kann, klappt das auch ganz gut. Muss sie erst ins World Wide Web, so dauert es eine Weile, bis das Kind eine Antwort erhält.

Verbotene Wörter

Nicht immer sind die Antworten kindgerecht. "Cayla" verwendet nach Zugriff auf das Internet oft Begriffe, die für Kinder schwer oder gar unverständlich sind. Da sind die Bedenken von Eltern nicht weit, dass das Püppchen auf Seiten zurückgreift, auf denen es nichts zu suchen hat. Das aber schließt der Hersteller aus. Neben einer Liste mit zahlreichen kritischen Wörtern, die man selbst noch erweitern kann, wurde ein Sicherheitssuchfilter integriert.

Über Krieg, Sex und Religion will "Cayla" nicht sprechen

Im Redaktionstest rät "Cayla" bei einer Frage mit verbotenen Wörtern freundlich dazu, sich an die Eltern zu wenden. Oder sie findet einen neutralen Weg, indem sie sie einfach uminterpretiert. Sex ist für sie eine natürliche Zahl zwischen fünf und sieben. Grundschulkinder kommen da aber schnell auf die Idee, mal ein Wort auszuprobieren, das sie im Unterricht schon gehört haben: Sexualität. Dann werden sie prompt von "Cayla" aufgeklärt: über zygotische Fortpflanzung und die Neukombination von Erbinformationen. Erfreulicherweise geht die Puppe nicht weiter ins Detail.

Auch beim Thema Religion ist sich "Cayla" nicht ganz sicher. Wer Jesus ist, verrät sie lieber nicht, bittet das Kind stattdessen, die Frage den Eltern zu stellen. Bei Buddha aber ist sie gesprächiger.

Auch ihre mathematischen Kenntnisse sind fragwürdig. Eins plus eins ist ihr zu schwer. Dafür aber kann sie erstaunlicherweise den Satz des Pythagoras erklären. Sie weiß, dass es einer der fundamentalen Sätze der euklidischen Geometrie ist und was es mit Kathete und Hypotenuse auf sich hat. Fragt man "Cayla" nach Krieg, dann erklärt sie, dass sie darüber nichts wüsste, aber froh sei, beim fragenden Kind zu sein. Eine sehr diplomatische Antwort.

"Cayla ist noch ein bisschen zickig!"

"Die App ist ein Prozess, ihre Entwicklung war ein sehr großer Schritt und es wird fortwährende Verbesserungen geben, auch anhand des Feedbacks, das wir auf der Internetseite von den Usern und deren Eltern bekommen", sagt Seitz und gibt zu: "Manchmal ist 'Cayla' wirklich noch ein bisschen zickig. Was, das muss man fairerweise sagen, teilweise auch an einer schlechten Internetverbindung liegt."

Am besten funktioniert die Puppe in einem stillen Raum, auch wenn ihre Software in der Lage ist, Hintergrundgeräusche bis zu einem gewissen Grad herauszufiltern. Trotzdem kann es mit der oft noch nuschelnden oder lispelnden Aussprache der Zielgruppe "vier Jahre plus" schnell zu Missverständnissen kommen.

An den Kinderkrankheiten wird gearbeitet

Der Bundesverband des Spielwareneinzelhandels kürt jährlich pünktlich zum Weihnachtsgeschäft die Top Ten der Spielzeugneuheiten. 2014 hat es auch "Cayla" auf die Nominierungsliste geschafft. Steffen Kahnt vom Verband erläutert auf Nachfrage der Redaktion, wie es "Cayla" auf die Hitliste schaffen konnte: "Unsere Top-Ten-Liste wird von Händlern anhand von Prototypen auf Messen erstellt. Uns geht es in erster Linie darum, Innovationen auf dem Markt anzuzeigen, Produkte zu finden, die eventuell Vorreiter sind, Trends aufzuweisen und angesagtes Spielzeug zu zeigen. Das Bemerkenswerte an "Cayla" ist die Verbindung per App mit dem Wissen des Netzes."

Dass Spielzeugneuheiten wie "Cayla" noch nicht ausgereift sein können, weiß auch Kahnt: "Manches ist so innovativ, dass es noch die eine oder andere Kinderkrankheit hat. Die zugehörige App soll aber bis Heiligabend noch mehrfach aktualisiert werden, damit unterm Weihnachtsbaum alles bestens funktioniert."

"Ein Glück, dass man sie ausschalten kann"

"Cayla" ist als erste ihrer Art zweifelsohne faszinierend. Doch selbst dann, wenn sie ihren Kinderkrankheiten entwachsen ist, so ist doch die entscheidende Frage: Brauchen Kinder ein solches Spielzeug? Und wie wird die Zukunft aussehen? Mit Erkennungskamera, Mimik und Gestik? "Natürlich planen wir weitere Schritte mit ähnlichen Produkten", verkündet Seitz. "Zum Beispiel solchen, die dazulernen, die noch individueller gestaltet werden können." 

Kinder lernen im fantasievollen Spiel, allein und miteinander. Es ist zu befürchten, dass ein Puppenroboter dem im Weg steht. Weil Kinder das intuitiv spüren, verliert "Cayla" auch ziemlich schnell ihren Reiz - vor allem wenn sie ein paar Mal unsinnig auf Fragen geantwortet hat. Ein Glück, dass man sie ausschalten kann. Und dass dann einfach nur eine ganz normale Puppe übrigbleibt.

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