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Missbrauchsfälle: Bei der Internatssuche auch mit Schülern sprechen

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Internatssuche - Missbrauchsfälle  

Bei der Internatssuche auch mit Schülern sprechen

18.03.2010, 12:49 Uhr | dpa, dpa

Missbrauchsfälle: Bei der Internatssuche auch mit Schülern sprechen. Bei der Internatssuche auch mit Schülern sprechen.

Immer mehr Missbrauchsfälle werden an Internaten bekannt. (Bild: Imago)

Angesichts der jüngsten Berichte über Missbrauchsfälle dürften sich viele Eltern fragen, ob ein Internat für ihr Kind noch infrage kommt. Nach Ansicht eines Experten sollten sie die Möglichkeit nicht grundsätzlich verwerfen - genau nachfragen aber schon: "Nehmen Sie sich beim Internatsbesuch Zeit, auch nach dem offiziellen Teil", rät Detlef Kulessa von der privaten Vermittlung "Töchter und Söhne" in Wiesbaden, die Eltern bei der Auswahl eines Internats berät. "Sprechen Sie ohne offizielle Zuhörer und Aufpasser mit Schülern." Dadurch bekämen Mütter und Väter ein Gefühl dafür, welcher Geist in einem Internat herrscht.

Voneinander unabhängige Vertrauenspersonen

"Stellen Sie sicher, dass Schüler mindestens zwei voneinander unabhängige Vertrauenspersonen haben, an die sie sich wenden können", rät der Experte. Dazu zähle am besten auch jemand außerhalb der Schule, beispielsweise ein Psychologe oder Arzt.

Vertrauensschüler in Schülermitverwaltung

Eltern sollten sich weiter erkundigen, ob in der Schülermitverwaltung Vertrauensschüler benannt wurden und ob sie für diese Aufgabe geschult sind. "Kindern fällt es oft leichter, sich anderen Jugendlichen anzuvertrauen als Erwachsenen."

Aktuelle Missbrauchsfälle

"Das Öffentlichwerden der Missbrauchsfälle an Internaten hat Internatserziehung als solche infrage gestellt", erläutert Kulessa. Betroffen waren in den vergangenen Wochen Schulen verschiedener pädagogischer Ausrichtung von der Klosterschule Ettal bis zum Flaggschiff der Reformpädagogik, der Odenwaldschule in Heppenheim (Hessen). Das hat viele Mütter und Väter verunsichert: In Beratungsgesprächen sprechen nach Kulessas Erfahrung derzeit zehn bis 20 Prozent der Eltern die Missbrauchsfälle an.

Standpunkt zur aktuellen Diskussion

Beim Erkunden eines Internats sollten Familien erfragen, wie die Schule zur aktuellen Diskussion steht: "Wird die bagatellisiert, sollten Sie hellhörig werden", meint Kulessa. Doch wenn in einem Internat "ein Klima der Offenheit und vor allem der Angstfreiheit" herrsche, können sich schnell wieder die Vorteile gelungener Internatserziehung durchsetzen: kleine Lerngruppen, strukturiertes und damit erfolgreiches Lernen, Entwicklung von lebenslangen Freundschaften und die Stärkung von Selbstbewusstsein und -vertrauen.

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