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Kindesmissbrauch: Bundesbeauftragte startet Kampagne Sprechen hilft

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Kindesmissbrauch  

Kampagne gegen Kindesmissbrauch: Die Mauer des Schweigens brechen

22.09.2010, 15:41 Uhr | dpa

Kindesmissbrauch: Bundesbeauftragte startet Kampagne Sprechen hilft. Zwei Spots rufen zum Durchbrechen der Schweigemauer auf. (Bild: "Sprechen hilft!")

Zwei Spots rufen zum Durchbrechen der Schweigemauer auf. (Bild: "Sprechen hilft!") (Quelle: Hersteller)

Nach den zu Jahresbeginn bekanntgewordenen Missbrauchsfällen widmet sich inzwischen eine unabhängige Beauftragte der Bundesregierung den Belangen der Opfer. Jetzt hat Christine Bergmann eine Kampagne gegen sexuellen Kindesmissbrauch gestartet, an der auch der bekannte Regisseur Wim Wenders mitwirkt. Äußerst umstritten bleibt das Thema Entschädigungen von Missbrauchsopfern.

"Sprechen hilft!"

Ein Mann ganz in Schwarz gekleidet steht hinter einer Frau und hält ihr fest den Mund zu. Nach einer Weile schafft sie es, sich zu befreien. "Es bleibt ein Geheimnis zwischen uns, hat er gesagt, nachdem er mich missbraucht hat", sagt die Frau nun mit fester Stimme in die Kamera. "Das Schweigen hat mich ein Leben lang zum Opfer gemacht." Der Spot, der unter der Regie von Filmemacher Wim Wenders entstand, endet mit der eindringlichen Botschaft: "Es ist nie zu spät, über sexuellen Missbrauch zu sprechen."

Dieser Fernsehspot gehört zu der Kampagne "Sprechen hilft!" gegen sexuellen Kindesmissbrauch, die am Dienstag in Berlin gestartet wurde. Die Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen Christine Bergmann will damit das Schweigen brechen, das Opfer manchmal jahrzehntelang mit sich herumtragen. "Wenn wir Kinder besser schützen wollen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass Täter nicht geschützt sind", sagt die frühere SPD-Familienministerin.

Bundesbeauftragte als Anlaufstelle für die Opfer

Anfang des Jahres waren in Deutschland zahlreiche Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern bekanntgeworden - in der katholischen Kirche und in anderen Institutionen. Die Bundesregierung setzte einen Runden Tisch ein, an dem Vertreter aus Politik, Kirchen und Verbänden über Hilfen für die Opfer beraten und Konzepte zur Vorbeugung entwickeln. Zudem wurde von der Bundesregierung das Amt der Beauftragten geschaffen. An sie sollen sich Opfer wenden. Bislang gingen rund 2500 Briefe und Anrufe ein.

Jahrzehnte des Schweigens

Einen Teil davon wertete der Kinder- und Jugendpsychiater Jörg Fegert aus. Das Ergebnis: Die meisten Anrufer waren Opfer. 60 Prozent davon hätten noch nie mit jemandem über ihre Erlebnisse gesprochen. Die meisten offenbarten sich frühestens 20 Jahre nach der Tat - viele auch erst 40 bis 50 Jahre später. "Fast so viele Frauen wie Männer wenden sich an diese Anlaufstelle", sagt Fegert. Die Taten spielten sich oft in der Familie oder in Institutionen ab. Die Täter waren dem Opfer in der Regel persönlich bekannt, waren Familienangehörige, Lehrer, Betreuer oder Ärzte.

Das geschehen Unrecht anerkennen

Der Runde Tisch kommt am 30. September wieder zusammen. Als besonders heikel gelten Entschädigungsfragen. Bergmann sagt, das Thema werde von den Opfern sehr häufig angesprochen. Manche wollten bessere Therapien und nicht mit der Krankenkasse über jede Viertelstunde streiten müssen. Andere forderten konkret finanzielle Hilfen. Dabei sei die Botschaft klar: "Es darf kein Schweigegeld sein. Und klar ist auch, dass man mit einer finanziellen Entschädigung eigentlich keine Wiedergutmachung erreichen kann", so die Bundesbeauftragte. Es könne nur darum gehen, das geschehene Unrecht anzuerkennen.

Aber noch am Montag hatte der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz Robert Zollitsch erklärt, dass die Kirche vorerst keine konkreten Summen zu möglichen Entschädigungen nennen wolle. Er kündigte aber an, einen Vorschlag am Runden Tisch in Berlin einbringen zu wollen. Amely Wahnschaffe, die bei Bergmann in der Telefonberatung arbeitet, hält es für wichtig, dass die Forderungen jetzt nicht ohne Wirkung bleiben. Die Opfer hätten sich schließlich durchgerungen und ihre Geschichte erzählt. Die politische Umsetzung ihrer Forderungen könne dann auch "ein Stück Heilung" bedeuten.

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