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Rektorin von preisgekrönter Schule: "Realschule wird unterschätzt"

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Rektorin der Siegerschule  

"Die Realschule ist eine unterschätzte Schulform"

06.06.2014, 12:27 Uhr | Britta Schultejans, dpa

Rektorin von preisgekrönter Schule: "Realschule wird unterschätzt". Deutscher Schulpreis 2014: Rektorin Eva-Maria Espermüller-Jug nimmt von Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Deutschen Schulpreis 2014 entgegen. (Quelle: dpa)

Die Rektorin der Anne-Frank-Realschule in München, Eva-Maria Espermüller-Jug, nimmt von Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Deutschen Schulpreis 2014 entgegen. (Quelle: dpa)

Eva-Maria Espermüller-Jug hat es schriftlich: Ihre Schule ist die beste in Deutschland. Die von ihr geleitete Anne-Frank-Realschule in München wurde in Berlin mit dem Deutschen Schulpreis 2014 ausgezeichnet. Die Schule ist eine reine Mädchenschule. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa erzählt die Rektorin, warum es Vorteile hat, Mädchen und Jungen getrennt zu unterrichten und warum Realschulen eine Aufwertung verdienen.

Die Anne-Frank-Realschule für Mädchen im Münchner Stadtteil Pasing wurde 1957 gegründet. Seit September 2007 ist sie eine sechsstufige Realschule mit einem naturwissenschaftlichen, einem sprachlichen und einem sozialen Zweig und seit 2012 auch Ganztagsschule. Die Schule hat 635 Schülerinnen und 65 Lehrer.


Warum ist Ihre Schule besser als alle anderen?

Eva-Maria Espermüller-Jug: Wir haben ein gemeinsames Konzept für die Ganztagsschule entwickelt. Wir wollen keine Ganztagsschule, in der die Kinder am Nachmittag einfach nur verwahrt werden, sondern ein in sich geschlossenes, stimmiges Konzept. Dazu gehört auch das Logbuch, das jede Schülerin hat und in das sie ihren Lernfortschritt hineinschreibt. Selbstständiges Arbeiten ist uns wichtig - aber auch regelmäßige Vier-Augen-Gespräche mit einem Lehrer. Dadurch entsteht eine ganz andere Empathie zwischen Schülerinnen und Lehrern.

Warum gibt es bei Ihnen keine Hausaufgaben?

Wir sind eine Ganztagsschule, und wenn die Schülerinnen von 7.55 Uhr bis 16.05 Uhr bei uns ihren Job gemacht haben, dann sind sie danach auch fertig und können nach Hause gehen und sich entspannen. Hausaufgaben in dem Sinne gibt es darum nicht - bis auf Vokabeln lernen, Lektüre lesen und zwei Hausaufsätze in der neunten Klasse.

Sie sind als Realschule sehr erfolgreich. Ist das auch eine Bestätigung für das dreigliedrige Schulsystem?

Ich bin eine überzeugte Realschuldirektorin und glaube, dass die Realschule in Bayern eine unterschätzte Schulform ist. Ich würde mir wünschen, dass viele Eltern den Weg über die Realschule gehen, um Kindern den Frust auf dem Gymnasium zu ersparen. Pro Jahr kommen im Schnitt 40 Schülerinnen vom Gymnasium zu uns. Ihnen hätte man das Erlebnis des Misserfolgs ersparen können, wenn sie gleich zu uns gekommen wären. Die muss man erstmal wieder aufbauen und ihnen beibringen, dass Schule Spaß machen soll. Aber vor allem in der Stadt sind die Gymnasien immer noch Prestige-Schulen.

Welche Rolle spielt es für Ihren Erfolg, dass es an Ihrer Schule keine Jungen gibt?

Das Ganztags-Konzept mit Logbuch, den Lernhäusern mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Lernbüros würde so sicher auch an einer ko-edukativen Schule funktionieren. Aber ich denke, es ist gar nicht so schlecht, Mädchen und Jungen in der Pubertät getrennt zu unterrichten. Man kann geschlechtsspezifisch einfach besser fördern. Und wenn wir Rollenverhalten verändern wollen, dann können sie Jungen und Mädchen nicht gemeinsam in eine Schule stecken. Die bringen tradierte Geschlechterrollen schon aus dem Kindergarten mit, wo die Jungen in der Bauecke spielen und die Mädchen mit Puppen. Dem kann man in mono-edukativen Schulen eher entgegenwirken.

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