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Schulen finden keine Schulleiter mehr: Mehr Stress, aber nicht mehr Geld

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Den Schulen gehen die Rektoren aus  

"Schulleiter? Den Stress tue ich mir nicht an"

29.08.2014, 15:58 Uhr | Christine Cornelius, dpa

Schulen finden keine Schulleiter mehr: Mehr Stress, aber nicht mehr Geld. Schulleiter ist für viele Lehrer keine erstrebenswerte Position mehr. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Stress mit Eltern und Schülern, Führungsverantwortung, Bürokratie und Unterricht - da kann einem Schulleiter schnell der Kragen platzen. Immer weniger Lehrer wollen Rektor werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer wird neuer Schulleiter? Das ist für viele Schulen ein großes Problem, denn der Posten scheint längst nicht mehr so attraktiv zu sein wie noch vor einigen Jahrzehnten. Zeitnot, Verwaltungskram und nörgelnde Eltern schrecken viele Lehrer ab, sich als Rektor zu bewerben.

"Vor 30, 40 Jahren standen Schulleiter Schlange, um das Amt zu bekommen. Heute ist man froh, wenn sich überhaupt jemand meldet", sagt Michael Gomolzig, Rektor der Grund- und Hauptschule Geradstetten in Baden-Württemberg.

Kein Respekt mehr für den Rektor

Das habe vielfältige Gründe. Zum Beispiel würden die Aufgaben eines Rektors immer komplexer, während gleichzeitig das Ansehen der Berufsgruppe stark gesunken sei, erläutert Gomolzig, der auch Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung Baden-Württemberg ist. "Früher war es eine Auszeichnung, heute reibt sich der Schulleiter im Amt auf." Die Zeiten, in denen ein Rektor per se eine Respektsperson war, seien lange vorbei.

Grundschulen auf dem Land bleiben ohne Leitung

Auch für die Lehrergewerkschaft GEW mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Neubesetzung von Schulleiterposten ein großes Thema. Besonders an Grundschulen im ländlichen Raum gebe es Probleme, weiß Gewerkschafterin Ilka Hoffmann. "Da gibt es oft nur eine Bewerbung und wenn die schlecht ist, muss man sie trotzdem nehmen." Zu kämpfen hätten vor allem Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland. Oft bleiben Stellen lange unbesetzt.

Nicht jeder Lehrer taugt zum Schulleiter

Bei der Kultusministerkonferenz ist das Problem bekannt. Es sei jedoch nicht koordinierbar, da die Anforderungen je nach Bundesland variierten, sagt ein Sprecher. Wie Weiterbildungen von Rektoren aussehen könnten, sei aber Thema in den Gremien.

Beispiel Baden-Württemberg: Hier sei es vor allem auf dem Land von jeher schwierig, Rektorenposten zu besetzen, sagt eine Sprecherin des Kultusministeriums. Es könne aber nur Schulleiter werden, wer bestimmte Kriterien erfülle. Es fühle sich auch nicht jeder Lehrer zu Führungsaufgaben berufen.

Viel mehr Stress, aber nicht mehr Geld

Gomolzig kennt die Anforderungen an Rektoren aus jahrelanger eigener Erfahrung. Die Amtsinhaber stünden im Spannungsfeld von Lehrern, Schülern, Eltern, der Schulaufsicht und den Kommunen. Sie müssten für alle Gruppen ein offenes Ohr haben, Verwaltungsaufgaben erledigen, unterrichten - und vor allem Schulentwicklung betreiben. "Da kommt viel Zeit zusammen", betont er. Viele sagten sich da: "Für das Geld tue ich mir den Stress nicht an."

Auch aus Sicht der Gewerkschaften lohnt sich das Amt nicht finanziell. "Schulleiter verdienen nicht automatisch mehr", sagt Hoffmann von der GEW. Zum Teil müssten Lehrer, die zu Schulleitern aufstiegen, bis zu drei Jahre auf mehr Geld warten.

Ex-Rektor verarbeitet "täglichen Kampf" in einem Buch

Der langjährige Schulleiter Ulrich Knoll aus dem bayerischen Erlangen hat die Erlebnisse eines Rektors in dem Buch "Schuljahr" aufgeschrieben, das am 1. September erscheint. In ironisch-überspitzer Form schildert er den Alltag eines Schulleiters und dessen täglichen Kampf mit Verwaltungsaufgaben und überfürsorglichen Eltern. "Diese Konflikte auszuhalten, sie einzudämmen und sie - falls möglich - niederlagenfrei zu lösen, dafür wurden Schulleiter auch bezahlt", schreibt er. Aber genau deswegen wollten immer weniger qualifizierte Kollegen die Aufgabe übernehmen.

Gewerkschaft: Schulleiter brauchen mehr Zeit und mehr Gehalt

Die Anforderungen an Schulen seien insgesamt höher geworden, sagt Gewerkschafterin Hoffmann. Sie sollten auf gesellschaftliche Probleme reagieren, auf den Beruf vorbereiten und den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern stemmen. "Die Erwartungen sind sehr groß und das korrespondiert nicht unbedingt mit Anerkennung."

Die Rektoren würden auch viel zu wenig vom Unterricht freigestellt, um sich um Verwaltungsaufgaben zu kümmern - und das, obwohl die Kultusministerien die Schulen mit Statistiken geradezu bombardierten. "Es müsste eine politische Unterstützung für Schulleiter da sein, eine Anerkennung in Form von Zeit und Geld."

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