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Syrien: Sorge um Twittermädchen Bana aus Aleppo

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Twittermädchen aus Syrien  

Bana (7) ist die Stimme der Kinder aus Aleppo

06.12.2016, 16:41 Uhr | Jan Kuhlmann, dpa

Syrien: Sorge um Twittermädchen Bana aus Aleppo. Bana (7) ist das Twittermädchen aus Aleppo.  (Quelle: Twitter/@AlebedBana)

Bana (7) ist das Twittermädchen aus Aleppo. (Quelle: Twitter/@AlebedBana)

Bana meldet sich nach einer Funkstille zurück, doch gut klingen ihre Nachrichten aus Aleppo  nicht: Seit Wochen twittert die Siebenjährige mit ihrer Mutter aus Aleppos umkämpften Rebellengebieten. Mit ihren Texten, Fotos und Videos sorgen sie weltweit für Aufsehen. Doch die Sorge um Bana und ihre Familie wächst.

"Hallo, meine Freunde - wie geht es euch? Ich bin in Ordnung. Auch ohne Medizin und mit zu vielen Bomben erhole ich mich. Ich vermisse euch." Dieser Tweet ließ ihre Fans aufatmen, denn eine Weile galt Bana als verschollen. Eines ihrer bislang letzten Fotos bei Twitter zeigt sie mit traurigen Augen und gesenktem Blick. Die Haare der Kleinen sind zerzaust, die Luft verstaubt, sie sitzt irgendwo im Dunkeln, es könnte ein Keller sein.

Das Bild lässt ahnen, welches Leid die sieben Jahre alte Bana aus dem Rebellengebiet der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo erlebt hat. "Heute Abend haben wir kein Haus mehr, es wurde bombardiert", heißt es in dem Tweet zu dem Bild. "Ich habe den Tod gesehen und bin fast gestorben."

Mit Kurznachrichten wie diesen haben die kleine Bana und ihre Mutter Fatima in den vergangenen Wochen weltweit für Diskussionen gesorgt. Seit Ende September setzt Fatima aus dem von oppositionellen Milizen kontrollierten Ost-Teil Aleppos Tweets im Namen ihrer Tochter ab. Damit erreicht sie rund 200.000 Follower.

Aleppos Kinder haben eine Stimme

"Das Leiden von Aleppos Kindern ist groß", sagte die Mutter vor einigen Tagen der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. "Bana macht das, um die Welt wissen zu lassen, dass die Kinder in Aleppo Stimmen haben und schreien können."

Doch seit zwei Tagen herrscht unter Banas Followern Sorge um das Schicksal des Mädchens. Am Sonntagabend war das Twitter-Konto nicht erreichbar. Die Gründe dafür sind unklar. Kurz zuvor waren Truppen des syrischen Regimes in das Viertel der Familie eingerückt. "Wir sind sicher, dass uns die Armee jetzt fasst", hatte Fatima noch geschrieben. "Wir werden uns an einem anderen Tag sehen, liebe Welt." Im Netz verbreitete sich schnell der Hashtag #WhereIsBana (Wo ist Bana?).

Am Montagabend war das Konto wieder online. "Werden angegriffen. Wissen nicht wohin, jede Minute fühlt sich an wie der Tod. Betet für uns. Auf Wiedersehen", twitterte Fatima. Am Dienstag folgte dann der Tweet, der mit Banas Namen unterschrieben war.

Banas Aufenthaltsort ist nicht bekannt

Vieles spricht aber dafür, dass Mutter und Tochter in ein anderes Rebellenviertel geflohen sind. Die syrische Journalistin Zaina Erhaim schrieb auf Twitter, den beiden gehe es gut, sie hätten aber beschlossen zu verschwinden. Gewissheit dafür gibt es nicht.

In den Tweets hatte Bana immer wieder über Bombardierungen und die Leiden im täglichen Leben berichtet. "Ich will aus diesem schrecklichen Traum aufwachen, in dem ich von morgens bis abends lebe", schrieb die Siebenjährige Ende September.

Der Tod ist Banas täglicher Begleiter

Ost-Aleppo gehört zu den Gebieten in Syrien, die am härtesten getroffen wurden. Große Teile des Rebellengebietes sind nach Luftangriffen zerstört. Syrische Jets werfen immer wieder Fassbomben ab, mit Metallteilen gefüllte Fässer, die breit streuen. Der Tod ist für Bana schon vor langem zu einem täglichen Begleiter geworden.

Lachen trotz des Horrors

Ihre Mutter verbreitet auch Bilder und Videos des Mädchens. Sie zeigen ein Kind, das trotz des Horrors noch lachen kann. "Wir werden für immer zusammen leben", sagt sie in die Kamera und herzt dann ihre beiden jüngeren Brüder.

Das Schicksal der Drei steht exemplarisch für die Leiden unzähliger Kinder des Landes, in dem seit fast sechs Jahren der blutige Konflikt tobt. Bana und ihre beiden Brüder kennen praktisch nichts anderes als Krieg, Tod, Zerstörung und Leiden.

Die Tweets machten auch Prominente auf die Kleine aufmerksam. Die Erfolgsautorin Joanne K. Rowling ließ ihr die Harry-Potter-Serie als E-Book zukommen, nachdem sie gelesen hatte, dass Bana Englisch lernt und die Bücher gerne lesen würde.

Ist Bana Teil der politischen Propaganda?

Doch Banas Tweets fanden nicht nur Freunde. Anhänger des Regimes halten die Botschaften für reine Propaganda, die überhaupt nicht aus Ost-Aleppo stamme. Kritische Stimmen werfen der Mutter vor, sie setze ihre Tochter für politische Zwecke ein. "Dieses Kind, ihr kleines Herz sei gesegnet, wer immer sie auch ist, wird manipuliert und in einen großen Betrug der sozialen Medien verwandelt", twitterte die britisch-libanesische Journalistin Hala Jaber. "Genug Lügen."

Tweets aus dem Rebellengebiet

Doch Aktivisten aus Aleppo bestätigen, dass Bana und Fatima wirklich in den Rebellengebieten leben. Auch der investigative Internetjournalist Eliot Higgins von der Plattform Bellingcat hat nach einer Prüfung vieler Fotos und Videos aus den Tweets keine Zweifel an der Herkunft der Botschaften: "Wir haben den genauen Ort gefunden, wo sie aufgenommen wurden. Alle stammen aus einem bestimmten Gebiet in Ost-Aleppo, das von Rebellen gehalten wurde."

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