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Video-Tutorials: "Daniel Jung? Der hilft mir vor jeder Klausur"

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"Alle nutzen" Gratis-Nachhilfe  

Darum lernen Schüler mit Youtube-Videos

15.06.2017, 11:27 Uhr | Yuriko Wahl-Immel, dpa

Video-Tutorials: "Daniel Jung? Der hilft mir vor jeder Klausur". Die Nachhilfe beziehungsweise das Lernen via Youtube-Videos ist sehr beliebt unter Schülern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Huntstock)

Die Nachhilfe beziehungsweise das Lernen via Youtube-Videos ist sehr beliebt unter Schülern. (Quelle: Huntstock/Thinkstock by Getty-Images)

Schüler nutzen sie millionenfach: Kurze, flotte Videos von Online-Tutoren zu Mathe, Physik und Co. Die Gratis-Nachhilfe wird locker präsentiert von meist jungen Leuten. Einer der besonders gefragten Social Media Teacher erzählt, was es mit diesem Trend auf sich hat. Zudem bewerten Lehrer das Phänomen aus ihrer Sicht.

Stochastik, Logarithmen, binomische Formeln. Da bricht vielen Schülern der Schweiß aus. DNA-Replikation in Bio, Interferenz in Physik? Ratlose Gesichter. Dann doch lieber zuhause Handy raus oder Laptop anwerfen. Keine Spielchen – Nachhilfe. Via Youtube, kostenlos. Kurze Video-Tutorials, Erklärstücke, locker vermittelt.

Zu den gefragtesten Anbietern gehören "TheSimpleClub", "Wissen2Go" oder der "Mathe Youtuber" Daniel Jung. Ihre Lernvideos werden millionenfach geklickt. Es ist ein gewaltiger Boom. "Daniel Jung? Der hilft mir vor jeder Klausur", sagt der Kölner Schüler Max (17).

Das Konzept eines "Social Media Teachers"

Ein Besuch also bei dem bekannten "Social Media Teacher" Daniel in Remscheid bei Köln. Er hat gut 2000 Mathevideos produziert, einige davon kommen auf 600.000 Klicks. Sein Konzept? "In fünf Minuten erkläre ich auf einem Tafelbild je einen komplexen Stoff. Zu jedem Thema habe ich viele kleine Portionen erstellt, die man kombinieren kann", schildert der Tutor.

"Du kannst also leicht einsteigen und dann immer weiter in die Tiefe gehen, nach deinem eigenen Tempo. Die Videos sind ja ständig abrufbar." Die Clips nimmt der 35-Jährige selbst auf, braucht nur Whiteboard und Stift. Seine Devise: "Let's Rock Mathe".

Jung ist Überzeugungstäter: "Ich will nichts verkaufen, ich rufe Bildung aus und will, dass wir für Bildung die sozialen Netzwerke optimal nutzen." Seine Tutorials sollen kostenlos bleiben. Im Gegensatz zum klassischen Nachhilfeunterricht, für die bundesweit alljährlich hohe dreistellige Millionensummen ausgegeben werden.

Zusammen addiert sind die Videos des früheren Mathe- und Sportstudenten 80 Millionen Mal aufgerufen worden. Damit könnte Jung richtig Kasse machen. Macht er aber nicht. Seine Brötchen verdient er mit Vorträgen, er berät Unternehmen bei ihrer Social Media Strategie, engagiert sich für Digitalisierung in der Bildung.

Warum ist der Bedarf so groß?

Auch "TheSimpleClub" greift Schülern gratis unter die Arme – mit Lernvideos zu Mathe, Physik, Chemie, Biologie. Die zwei jungen Macher Alex und Nico haben weit mehr als eine Million Follower auf ihrem Youtube-Kanal. Und bei "Wissen2Go" mit Schwerpunkten Geschichte und Politik erklärt Mirko Drotschmann die Ära Adenauer oder wie es zu den zwei Weltkriegen kam.

Machen denn die Schulen ihre Hausaufgaben nicht? Warum ist der Bedarf so groß, bauen Schüler auf die Tutorials? "Man kann gezielt suchen und bekommt genau das, was man braucht, um seine Lücken zu stopfen", sagt Oberstufenschüler Max.

"Die Videos sind aufs Wichtigste konzentriert. Man kann zurückspulen und wiederholen. Das geht natürlich nicht im Unterricht", erläutert sein Freund Ben. "In unserer Stufe nutzen alle solche Videos." Sein Bio-Lehrer setze sie auch manchmal im Grundkurs ein.

Was sagen die Pädagogen dazu?

"Je nachdem, wie die Tutorials aufbereitet sind, können sie eine sinnvolle Ergänzung sein", meint Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrerorganisation VBE. Manche Lehrkräfte verwendeten sie im Methoden-Mix – "und sei es nur, um in ein Thema einzusteigen."

"Die Nachfrage privater Nachhilfe als solches ist für den VBE ein Alarmsignal an die Politik", sagt Beckmann. Die schulischen Rahmenbedingungen reichten nicht aus, um dem Anspruch individueller Förderung gerecht zu werden.

Zu den Videos merkt der VBE-Chef an, der Markt sei unübersichtlich. Und dass die Tutorials keiner Qualitätskontrolle unterliegen. "Ob die Inhalte für Lernende sinnvoll aufbereitet sind, ist Glückssache." Jung hält dagegen, dass zu den Videos viele Kommentare verfasst werden. Öffentlich. "Und die Leute schreiben mir: "Hey, wir kommen durch die Prüfungen mit deinen Videos, du hast uns den A. gerettet.""

Neue Technologien bereiten auf Jobs vor

Ihm geht es um eine zeitgemäße Form des Lernens. "Wir müssen die jungen Leute im Zeitalter der Robotik, der Spracherkennung und selbstfahrenden Autos auf die Jobs der Zukunft, die neuen Technologien vorbereiten." Mathe sei Schlüsselfach, gerade hier scheiterten aber viele Schüler und Studenten.

Jung plädiert für eine Taskforce: "Experten aus dem klassischen Bildungssystem und die neuen Bildungsrockstars von Youtube und Co. könnten mutige Projekte und neue Lernformate entwickeln." Und seine Kamera wartet schon: Im nächsten Tutorial geht's um Analytische Geometrie. 

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