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Mutterpass einfach erklärt: Wofür die Abkürzungen stehen

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Erklärung der Fachbegriffe  

Schwangerschaft: Das bedeuten die Infos im Mutterpass

17.10.2017, 10:49 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Mutterpass einfach erklärt: Wofür die Abkürzungen stehen. Eine schwangere Frau hält einen Mutterpass in den Händen. (Quelle: imago/Westend61)

Im Mutterpass sind alle wichtigen Informationen zur Schwangeren und zum Schwangerschaftsverlauf festgehalten (Quelle: Westend61/imago)

So groß wie ein Schulheft, hellblau und 16 Seiten stark – das ist der Mutterpass. Ihn erhält jede werdende Mutter in Deutschland, sobald eine ärztliche Bestätigung über die Schwangerschaft vorliegt. In dem Untersuchungsheft werden alle im Verlauf der Schwangerschaft und Geburt ermittelten Befunde festgehalten. Die sind aber gar nicht so einfach zu verstehen. Wir erklären hier die wichtigsten Inhalte und Abkürzungen.

Mutterpass dokumentiert Schwangerschaftsverlauf: Was drin steht

Zu Beginn der Schwangerschaft bekommt in Deuschland jede werdende Mutter den Mutterpass von Frauenarzt oder einer Hebamme ausgestellt. Im Mutterpass, der etwa vor fünfzig Jahren in den alten Bundesländern eingeführt wurde, werden nicht nur die wesentlichen medizinischen Informationen zur Mutter wie Blutgruppe, Allergien, Vorerkrankungen oder spezifische Beschwerden festgehalten. Auch über die Entwicklung des Babys im Mutterleib und über seinen Gesundheitszustand nach der Geburt wird genau Buch geführt.

Warum diese detaillierte Dokumentation Sinn macht, wird im Vorwort des Mutterpasses erläutert: "Schwangerschaft und Geburt sind natürliche Vorgänge und stellen keine Krankheit dar. Manchmal können sie allerdings mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind belastet sein. Eine sorgfältige Schwangerschaftsbetreuung hilft, einen großen Teil dieser Risiken zu vermeiden oder rechtzeitig zu erkennen, um Gefahren abzuwenden."

Ausgefüllt wird der Mutterpass zumeist vom behandelnden Frauenarzt. Er notiert die Daten und Messungen von Mutter und Kind, die während der zwölf dringend empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft zusammenkommen.

Was tun, wenn der Mutterpass verloren geht?

Im Notfall kann der Mutterpass Leben retten: Bei einem Unfall können Ersthelfer anhand des Ausweises sofort erkennen, dass es sich bei der Patientin um eine Schwangere handelt, selbst wenn man es ihr noch nicht ansieht. Der behandelnde Arzt kann dann anhand der medizinischen Daten die richtigen Maßnahmen einleiten. Deshalb ist es empfehlenswert, den Mutterpass nicht in einer Schublade zu deponieren, bis der nächste Termin beim Gynäkologen ansteht, sondern ihn immer bei sich zu tragen.

Verliert eine Frau den Mutterpass, muss sie bei ihrem Arzt einen neuen beantragen. Der Arzt überträgt in den neuen Pass alle bislang ermittelten Daten. Da die Daten eventuell für weitere Schwangerschaften wichtig sein könnten, sollten Mütter den Pass nach der Geburt nicht wegwerfen.

Trotz der großen Bedeutung des Passes, sind Schwangere übrigens nicht verpflichtet, den Ausweis vorzuzeigen. Die Daten sind nämlich vertraulich. So dürfen etwa Behörden oder Arbeitgeber keine Einsichtnahme in den Ausweis verlangen.

Das bedeuten die Abkürzungen und Fachbegriffe im Mutterpass

Viele Untersuchungsergebnisse sind durch Abkürzungen, Tabellen und Diagramme notiert. So kann jeder Arzt und jede Hebamme mit einem routinierten Blick schnell die wichtigsten Informationen erfassen. Gleichzeitig macht es das aber für medizinische Laien und insbesondere für Mütter, die ihr erstes Kind erwarten, schwer, die Einzelheiten zu verstehen. Hier nun die wichtigsten Erklärungen zum Mutterpass:

Seite 1

Kontaktdaten des behandelnden Arztes, der Hebamme oder der Klinik. Weiter unter ist Platz, um die fälligen Untersuchungstermine zur Schwangerschaftsvorsorge einzutragen.

Seite 2

Kontaktdaten der Patientin und serologische Untersuchungen. Dazu zählen Bluttests und Abstriche. Am Anfang der Schwangerschaft werden Blutgruppe und Rhesusfaktor ermittelt. Ist dieser bei der Mutter negativ (Rh. neg.) und beim Baby positiv, dann bildet die Mutter beim Kontakt mit dem Blut ihres Kindes spätestens bei der Geburt Antikörper. Dies kann durch den Antikörpersuchtest (AK-Suchtest) nachgewiesen werden. Bei rhesusnegativen Schwangeren wird meist vorbeugend eine Anti-D-Prophylaxe durchgeführt. Das soll verhindern, dass sich Antikörper bilden. Ein negativer AK-Suchtest ist aber der Normalfall.
Außerdem wird untersucht, ob die Schwangere eine Rötelimpfung oder bereits Röteln hinter sich hat und somit ausreichend immunisiert ist. Der Virus kann beim Fötus zu schweren Organschäden führen. Die Kontrolle von Such- und Antikörpertest werden nochmal auf Seite 3 dokumentiert.

Seite 3

Chlamydien-Nachweis, LSR-Test und HbsAg
Durch einen Urintest und durch einen Abstrich wird festgestellt, ob die Mutter mit Chlamydien-Bakterien infiziert ist. Ohne antibiotische Behandlung könnten eine Frühgeburt oder Augen und Lunge des Babys geschädigt werden. Beim LSR-Test (Lues-Such-Test) wird untersucht, ob die Schwangere an der meldepflichtigen aber seltenen Geschlechtskrankheit Syphilis erkrankt ist, die ebenfalls bei Ungeborenen große Gesundheitsschäden verursachen kann.

Bei der Bestimmung des HBs-Antigens wird geprüft, ob die werdende Mutter an der Leberentzündung Hepatitis B (HB) leidet. Sollte sie infiziert sein, kann man das Baby direkt nach der Geburt impfen.

Seite 4

Angaben zu vorangegangenen Schwangerschaften, zum Beispiel wie die Geburt verlief und ob ein Kaiserschnitt (Sectio) durchgeführt wurde. Auch wird vermerkt, ob es eine Bauchhöhlenschwangerschaft (EU/ Extrauterine Schwangerschaft), eine Abtreibung (Abruptio) oder eine Fehlgeburt (Abort) gab. Diese Informationen ermöglichen den Ärzten, frühzeitig auf Komplikationen zu reagieren beziehungsweise sie zu vermeiden.

Seite 5

Anamnese

Entscheidend zur Vorbeugung ist die Krankheitsgeschichte der werdenden Mutter. Anhand eines 26 Punkte umfassenden Fragenkataloges verschafft sich der Arzt einen Überblick. Dabei fragt er unter anderem nach früheren Schwangerschaften (Gravida) und Geburten (Para) sowie nach möglichen seelischen oder körperlichen Belastungen. Das Ergebnis zeigt, ob die Schwangerschaft als Risiko eingestuft wird. Faktoren dafür sind zum Beispiel Alter über 35, Allergien, Fettleibigkeit oder eine rasche Schwangerschaftsfolge. Auf der Seite wird auch vermerkt, zu welchen Themen der Arzt seine Patientin beraten hat, zum Beispiel Ernährung oder Sport während der Schwangerschaft.

Seite 6

Besondere Befunde im Schwangerschaftsverlauf

Dazu gehören psychische Probleme ebenso wie frühe Blutungen oder Infektionen. Hier die Übersetzungen der wichtigsten medizinischen Fachausdrücke:
Abusus: Missbrauch von Alkohol, Tabak, Drogen, Medikamenten und anderen Genussmitteln
Hydramnion: Vermehrung des Fruchtwassers auf mehr als zwei Liter (FW)
Oligohydramnie: zu geringe Fruchtwassermenge / Amnioskopie: Fruchtwasserspiegelung mit Hohlnadel meist in der 15. bis 18. Schwangerschaftswoche (SSW)
Placenta praevia: vorgelagerte Plazenta, Geburtsweg wird versperrt
EPH-Gestose: Schwangerschaftsspezifische Erkrankung mit Wassereinlagerung im Gewebe (E), Eiweißausscheidung (P) im Urin und hoher Bludruck (H)
Hypotonie: zu niedriger Blutdruck
Einstellungsanomalie: Die Position des Kindes weicht von normaler Stellung ab
Gestationsdiabetes: Zuckerkrankheit in der Schwangerschaft
Isthmozervikale Insuffizienz: eine Schwäche des Gebärmutterhalses, der sich vorzeitig öffnet
Ödeme: Wasseransammlung im Gewebe
Anämie: Blutarmut
Indirekter Coombstest positiv: Antikörper gegen andere Blutgruppen im Blut der Mutter

Unten auf der Seite wird der errechnete Entbindungstermin (ET) notiert, an den sich aber nur etwa vier Prozent aller Babys halten. Die meisten werden etwa zehn Tage nach dem ET geboren.

Seite 7/8

Gravidogramm

Diese Doppelseite ist zentraler Bestandteil des Mutterpasses, denn im Gravidogramm werden die Ergebnisse jeder Vorsorgeuntersuchung bis zur Geburt eingetragen. Bis zur 32. SSW ist pro Monat ein Besuch beim Arzt oder der Hebamme vorgesehen, danach bei normalem Verlauf alle zwei Wochen. Neben den Daten der Mutter (Blutdruck, Eisenwerte im Blut (hb), Gewicht, Ergebnisse von Labortests (Urin, Blut), Tastuntersuchungen, Ödeme, Krampfadern) wird das Wachsen und Gedeihen des Babys chronologisch dokumentiert.

Dabei sind vor allem Fundusstand und Kindslage von großer Bedeutung. Der Fundusstand (obere Gebärmutterkante = Fundus) zeigt an, auf welcher Höhe sich die Gebärmutter befindet. Gemessen wird am Schambeinknochen (Symphyse = S), am Nabel (N oder Na) oder am Rippenbogen (Rb oder Ribo) mit der Maßeinheit "Querfinger". S + 3 bedeutet also, die Gebärmutter endet drei Finger breit über dem Schambein.

Die Kindslage ist entweder eine Schädellage (SL), eine Querlage (QL), eine Beckenendlage (BEL) oder Kopflage (KL). Mit Plus- und Minuszeichen werden Kindsbewegungen und Herztöne vermerkt. Bei der regelmäßigen Vaginaluntersuchung wird ermittelt, wie lang der Gebärmutterhals ist und ob der Muttermund noch geschlossen ist, um Frühgeburten vorherzusehen.

Seite 9

Stationäre Behandlung während der Schwangerschaft und cardiotokographische Befunde

In den Spalten für die cardiotokographischen Befunde werden die kindlichen Herztöne und die Wehenbereitschaft der Gebärmutter aufgezeichnet.

Seite 10/11

Ultraschall-Untersuchungen
Hier werden die Ergebnisse vom "Baby-Fernsehen" festgehalten. Während der Schwangerschaft gibt es mindestens drei Ultraschalluntersuchungen. Beim ersten Screening (9. bis 12. SSW) wird gecheckt, ob Herztöne vorhanden sind, ob es sich um mehrere Embryonen handelt oder ob physische Auffälligkeiten zu sehen sind. Dabei können etwa der Fruchtsack (FS), der das Baby versorgt bis die Ernährung über die Nabelschnur erfolgt, die Länge des Embryos vom Scheitel bis zum Steiß (SSL) oder der Kopfdurchmesser (BPD) genau festgestellt werden. Beim zweiten Screening (19. bis 22. SSW) können frontookzipitaler Durchmesser (FOD), also die Länge des Kopfes von vorne nach hinten, Kopfumfang (KU), Bauchdurchmesser des Babys (ATD), Bauchumfang (APD/AU) und Länge der Oberarm- und Oberschenkelknochen (FL/HL) errechnet werden. Beim dritten Screening (29 bis 32. Woche) werden dieselben Untersuchungen zum Vergleich wiederholt.

Seite 12 und 14

Vermerke über weitere Ultraschall-Untersuchungen, wenn kontrollbedürftige Befunde vorliegen, die eine intensivere Überwachung nötig machen, etwa bei Verdacht auf Fehlbildungen.

Seite 13

Normkurven für den fetalen Wachstumsverlauf

In diesem Diagramm trägt der Arzt die Ergebnisse der Screenings ein. Als Idealmaß gilt die Mittellinie – die darüber- und darunterliegenden Linien definieren die Begrenzungen dieser durchschnittlichen Werte. Alle Punkte zwischen diesen Markierungen sind im normalen Bereich. Ist das Kind größer oder kleiner, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen notwendig.

Seite 15

Abschluss-Untersuchung/Epikrise

Wenn dieser Teil des Mutterpasses ausgefüllt wird, ist das Baby bereits auf der Welt. Die Geburt wird dokumentiert, beispielsweise wie entbunden wurde – ob normal (spontan / sp) per Kaiserschnitt (sectio / s) oder mit Hilfe von Saugglocke oder Zange (vaginale Operation / vag. Op.). Außerdem wird die Geburtslage des Babys festgehalten – mit dem Kopf voran (Schädellage/SL), mit dem Po zuerst (Beckenendlage/BEL) oder in Querlage (QL).

Mit dem Apgartest beurteilt der Arzt die Lebensfunktionen des Kindes (Atmung, Puls, Bewegung, Hautfarbe, Muskelbewegung) und klassifiziert die Ergebnisse auf einer Punkteskala von 0 bis 10. Geprüft wird eine Minute, fünf Minuten und zehn Minuten nach der Geburt. Das ideale Ergebnis hat ein Baby mit den Werten 10/10/10. Um Aufschluss über den Stress des Kindes während der Geburt zu bekommen, wird zudem der ph-Wert des Nabelarterien-Blutes gemessen. Auf einer Stufenleiter von 0 bis 14 ist dann ablesbar, wie sauer oder basisch das Blut ist. Ein Wert um 7 ist ideal.

Für den Verlauf des Wochenbetts wird dokumentiert, wie es um den Blutdruck (RR) und die Blutqualität (hb) der Mutter nach der Entbindung bestellt ist und ob zur Vermeidung einer Rhesusinkompatibilität eine Anti-D-Prophylaxe (vgl. Seite 2/3) nötig ist. Bei einer Abschlussuntersuchung prüft der Arzt die Rückbildung der Gebärmutter (Uterus) oder inspiziert Geburtsverletzungen wie etwa einen Dammriss. Unten auf der Seite wird das Ergebnis des direkten Coombstests notiert. Hierbei wird geprüft, ob das Baby Antikörper im Blut hat, wenn die Mutter Rhesus negativ ist.

Seite 16

Daten der Nachsorgeuntersuchung der Mutter, die etwa sechs bis acht Wochen nach der Entbindung stattfindet. Unter anderem werden Zuckergehalt (Z) und Eiweißgehalt (E) im Urin getestet. Sind die Proben nicht positiv (pos.), wird unter "Sediment" die Notiz o.B. (ohne Befund) eingetragen. Außerdem steht hier, ob die Mutter stillt und ob die Kindesuntersuchung (U3) wahrgenommen wurde.

Seite 17

Ab hier kann eine zweite Schwangerschaft dokumentiert werden.

Der Mutterpass kann als pdf-Dokument auf den Seiten des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) heruntergeladen und gegebenenfalls ausgedruckt werden.

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