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Künstliche Befruchtung: Retortenbaby nach Erbgut-Analyse geboren

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Neue Embryo-Analyse soll Chancen künstlicher Befruchtung erhöhen

10.07.2013, 10:42 Uhr | dpa

Künstliche Befruchtung: Retortenbaby nach Erbgut-Analyse geboren. Bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) werden Embryonen bisher nur auf einzelne krankhafte Gene untersucht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) werden Embryonen bisher nur auf einzelne krankhafte Gene untersucht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für viele Paare mit Kinderwunsch ist die künstliche Befruchtung die letzte Hoffnung auf ein eigenes Baby. Doch die Erfolgsquote ist ernüchternd gering. Britische Wissenschaftler glauben nun, mit einer kompletten Erbgut-Analyse des Embryos die Chancen erhöhen zu können.

Mehr Erfolg bei künstlicher Befruchtung durch vollständige PID?

Britische Mediziner hoffen mit einer neuen Methode der Präimplantationsdiagnostik auf eine deutlich höhere Erfolgsquote bei künstlichen Befruchtungen. Erste Tests mit dem sogenannten "Next Generation Sequencing" seien einem Team der Universität Oxford geglückt, berichten Wissenschaftler auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Human-Reproduktion und Embryologie (ESHRE) in London. Das erste gesunde Kind sei nach der neuen Form des Gen-Screenings im Juni geboren worden, heißt es in einer Mitteilung der Gesellschaft. Dafür hatten Mediziner das gesamte Erbgut des Embryos einbezogen. Bisher ist die neue Methode allerdings erst bei zwei Paaren getestet worden. Das macht deutsche Experten noch skeptisch.

Das gesamte Erbgut wird analysiert

Die Methode verspreche, die Embryo-Auswahl bei der künstlichen Befruchtung zu revolutionieren, behaupten die britischen Forscher. Im Gegensatz zu bisherigen Methoden der Präimplantationsdiagnostik (PID), bei denen nur fünf bis sechs Chromosomen auf mögliche Fehler untersucht werden konnten, ermögliche das "Next Generation Sequencing" (NGS) die Analyse des gesamten Genoms, wie eine Sprecherin der Gesellschaft bestätigte.

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Medizinischer Fortschritt oder ethisch fragwürdig?

Die NGS-Methode sei erstmals erfolgreich vom Mediziner Dagan Wells vom Biomedical Research Centre an der Universität Oxford angewandt worden. "NGS ermöglicht bisher nicht dagewesene Einblicke in die Biologie von Embryos", sagte Wells. Mit ihrer kompletten Erbgut-Untersuchung wollen die Wissenschaftler unter anderem der Vererbung von Gen-Defekten und Auffälligkeiten von Chromosomen besser als bisher auf die Spur kommen. Die Methode habe das Potenzial, den Erfolg künstlicher Befruchtungen zu erhöhen und das Risiko von Fehlgeburten zu senken, ergänzte Wells.

Erfolgsrate von künstlicher Befruchtung liegt bei 30 Prozent

Bei der künstlichen Befruchtung werden Eizellen außerhalb des Körpers mit Sperma zusammengebracht. Der daraus entstehende Embryo wird wieder in den Mutterleib eingepflanzt. Die bisherigen Methoden haben aber nur maximale Erfolgsraten von 30 Prozent. Der Grund dafür ist bisher nicht bekannt, vermutet werden jedoch auch versteckte Chromosomen-Defekte. Für Paare ist das Bangen nach künstlichen Befruchtungen vor allem eine große psychische Belastung.

Komplette Genanalyse in 16 Stunden

Wells und sein Team sind sich sicher, dass sie die Schwächen bisheriger Methoden weitgehend beseitigen konnten. Das gesamte Genom könne in nur 16 Stunden ausgelesen werden. Damit lasse sich auch das Einfrieren von Embryonen beim Warten auf Test-Ergebnisse vermeiden.

Zwei Frauen wurden "erfolgreich" schwanger

Die beiden Frauen bei den englischen Versuche waren 35 und 39 Jahre alt. Eine Frau hatte schon mehrere Fehlgeburten erlebt. Durch die neue Methode wurden bei einem Paar drei und bei dem anderen Paar zwei gesunde Embryos ohne Gendefekte identifiziert. In beiden Fällen sei die Schwangerschaft erfolgreich gewesen, nachdem jeweils nur ein Embryo eingesetzt wurde. Das senkt auch das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften. Die zweite Frau ist noch schwanger.

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Groß angelegte Studie ist geplant

Das neue Verfahren, dass auch preislich günstiger sein soll als bisherige PID-Methoden, soll nun in einer größer angelegten klinischen Studie getestet werden. Erst in einer Vergleichsstudie könne der Beweis erbracht werden, dass die Methode tatsächlich Verbesserungen bringt, sagt auch Klaus Diedrich, Vorsitzender der PID-Kommission bei der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. "Im aktuellen Fall der britischen Mediziner waren es Einzelbeobachtungen, aber keine Beweise."

Bisher wird bei der PID nur ein Teil des Erbguts untersucht

Es habe bereits mit dem Aneuploidie-Screening eine PID-Form gegeben, bei der Chromosomen untersucht wurden, berichtete Diedrich. Allerdings seien in diesem Fall nur fünf bis sechs Chromosomen analysiert worden. "Die Schwangerschaftsrate hat sich hierdurch nicht verbessert", berichtete der Experte.

"Das ist in Deutschland nicht denkbar"

Dass die neue britische Methode in Deutschland eingeführt wird, hält Diedrich für unwahrscheinlich. Erst seit diesem Jahr ist hier nach jahrelangem politischen und ethischen Streit der Weg für die PID rechtlich frei. Doch nur Paare mit problematischen Genanlagen dürfen ihre Embryonen aus dem Reagenzglas mit Gentests auf schwere Defekte untersuchen lassen. "In Großbritannien wurde das Screening nur auf Verdacht durchgeführt, das ist in Deutschland nicht denkbar", betonte Diedrich.

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