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Künstliche Befruchtung: Labormitarbeiter benutzte eigenes Sperma

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Künstliche Befruchtung  

Labormitarbeiter benutzte eigenes Sperma

13.01.2014, 12:14 Uhr | Johannes Schmitt-Tegge, dpa

Künstliche Befruchtung: Labormitarbeiter benutzte eigenes Sperma. Mit einer feinen Nadel wird ein Spermium in eine Ezielle injiziert. Links im Bild die Pipette, die die Eizelle festhält. (Quelle: dpa/picture alliance / Fotoreport )

Mit einer feinen Nadel wird ein Spermium in eine Ezielle injiziert. Links im Bild die Pipette, die die Eizelle festhält. (Quelle: picture alliance / Fotoreport /dpa)

10.000 Jahre Stammesgeschichte für 99 Dollar: Was die Ahnenforscher der Firma "23 and Me" im Internet versprechen, klingt nach einer spannenden Reise zu den Ursprüngen des eigenen Erbguts. Das denkt auch eine Frau im US-Staat Utah, die sich dem DNA-Test aus Neugier unterzieht und schließlich ihren Mann und ihre Tochter dazu bringt, ihre Chromosomen-Paare ebenfalls untersuchen zu lassen. Doch mit ihrem Interesse an der Vergangenheit beginnt die Familie, eine Reihe erschütternder Geheimnisse aufzudecken.

Der erste Schock kommt im Oktober 2012. Als Paula die Testergebnisse ihres Mannes Jeff und ihrer Tochter Ashley (Namen geändert) miteinander vergleicht, dreht sich ihr der Magen um: Vater und Tochter teilen keinerlei gemeinsames Erbgut. Weil Paula und Jeff Schwierigkeiten hatten, ein Kind zu bekommen, hatten sie sich in Utah an ein Labor für künstliche Befruchtung gewandt. Dabei musste es eine Verwechslung gegeben haben. "Das Undenkbare und Unglaubliche wurde wahr", sagt Paula später in einem Fernsehinterview.

Der Sperma-Tausch war kein Versehen

Um Klarheit zu schaffen, wendet sie sich an die Genealogin Cece Moore. Was Moore in den nächsten anderthalb Jahren entdeckt, ist keine Verwechslung im Labor, sondern deutet vielmehr auf einen heimlichen und bewussten Tausch von Spermien hin. Denn der über weitere DNA-Untersuchungen ausfindig gemachte biologische Vater Thomas Lippert arbeitete jahrelang als Angestellter des Labors, an das sich Paula und Jeff mit ihrem Kinderwunsch wandten. Hatte er dem Paar sein eigenes Sperma absichtlich untergejubelt?

"Es ist unklar, wie es zu diesem Vorfall kommen konnte", schreibt die Universität Utah in einer Mitteilung. Eine Untersuchung solle klären, was 1991 am Labor "Reproductive Medical Technologies Inc." (RMTI) geschah, das inzwischen geschlossen wurde. Es gebe keinerlei Hinweise, dass weitere Eltern betroffen seien. Die Universität bietet den RMTI-Kunden aus Lipperts Zeit aber Gentests an.

Lippert war Alkoholiker und starb früh

Moore behauptet, in seinen neun Jahren als Mitarbeiter hätte Lippert Dutzende, wenn nicht Hunderte Sperma-Becher vertauschen können und seinen Samen so immer wieder in fremde, unwissende Familien bringen können. "Niemand hat Aufzeichnungen von ihm als offizieller Samenspender finden können. Das bereitet uns Sorgen", sagt sie. Wie oft er als heimlicher Spender auftrat, wird sich vielleicht nie klären. Nach langer Zeit als Alkoholiker starb er 1999 im Alter von 49 Jahren.

Der Samenspender hatte eine Studentin gekidnappt

Noch bizarrer wird die Entdeckung aus Utah beim Blick in Lipperts Polizeiakte: Als Jura-Professor hatte er 1975 eine Studentin gekidnappt, drei Wochen festgehalten und dafür später zwei Jahre hinter Gittern gesessen. Laut Staatsanwaltschaft wollte er sein 21 Jahre altes Opfer zwingen, sich "per Gehirnwäsche in ihn zu verlieben". Er sperrte die Frau ein und verpasste ihr Elektroschocks. Nachbarn bezeichnen ihn als gewaltbereit. In einem Interview ein Jahr vor seinem Tod sagt Lippert: "Ich habe niemals in meinem gesamten Leben jemanden verletzt. Ich habe noch nie einem Tier wehgetan."

Seine Witwe, der er in 20 Jahren Ehe immer wieder mit dem Tod droht, spricht von einem unerfüllten Kinderwunsch ihres verstorbenen Mannes. Er habe stets behauptet, Samenspender zu sein. "Vielleicht vertauschte er einige Proben, um mehr seiner eigenen Kinder in die Welt zu setzen", sagt sie der "Salt Lake Tribune". Dutzende Babyfotos hingen über seinem Schreibtisch, erinnert sich Paula an einen Besuch im Labor. Seiner heute 99 Jahre alten Mutter schickte er damals sogar voller Stolz ein Foto eines seiner leiblichen Kinder.

War Lippert ein Kinderhasser?

Doch ehemalige Nachbarn beharren darauf, dass der Mann mit der hohen Stirn und dem blonden Schnauzbart ein Kinderhasser war. "Erwachsene und Haustiere sind willkommen, Kinder müssen angeleint werden", soll auf seiner Fußmatte gestanden haben, und auf einem Schild an seiner Garage: "Kondome sind viel billiger als Windeln." Der ehemalige RMTI-Direktor Richard Middleton sagt nur: "Ich erinnere mich an Tom Lippert. Er war ein sehr seltsamer Mensch."

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