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Hebammen klagen: "Ein Armutszeugnis für den Staat"

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Petition im Bundestag  

Hebammen klagen: "Ein Armutszeugnis für den Staat"

24.06.2014, 10:34 Uhr | Söhnke Callsen, dpa

Hebammen klagen: "Ein Armutszeugnis für den Staat". Hebammen klagen über explodierende Versicherungskosten. (Quelle: dpa)

Geburtshilfe ist die Ur-Aufgabe der Hebammen, aber wegen der steigenden Versicherungskosten bieten viele Freiberuflerinnen nur noch Betreuung vor und nach der Geburt an. (Quelle: dpa)

Mehr staatliche Unterstützung für freiberufliche Hebammen, das fordern 52.000 Menschen in einer Petition, die die Geburtshelferinnen dem Petitionsausschuss des Bundestages vorlegten. Sie beschweren sich über geringe Bezahlung und existenzbedrohlich hohe Versicherungsprämien. Die Lösungsansätze der Politik gehen den Hebammen nicht weit genug.

"Auch keine Hebamme gefunden?" Das kleine rosa Schild mit der weißen Aufschrift ist schon etwas zerknittert. Trotzdem hält Brigitte Bremer es tapfer hoch. Die 55-Jährige Hebamme ist extra von Essen nach Berlin gekommen, um sich bei der Regierung zu beschweren. Bremer und andere Hebammen sind wütend über ihre Arbeitsbedingungen. Sie beklagen zu geringe Löhne und hohe Haftpflichtkosten.

Am 23. Juni befasste sich der Petitionsausschuss des Bundestages mit dem Problem. Sabine Schmuck, eine Hebamme aus Ingolstadt, hatte die Beschwerde ins Rollen gebracht.

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Sind Banken wichtiger als Geburtshilfe?

Ihre Petition, die von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mehr Hilfe für Hebammen fordert, unterzeichneten mehr als 52.000 Menschen. Schmuck spricht von einem Armutszeugnis für den Staat und nicht hinnehmbaren Zuständen in ihrem Berufsstand. Sie fragt: "Wenn wir Banken retten können, warum keine Geburtshilfe?" Grund für die Wut der Hebammen sind besonders die hohen Haftpflichtprämien, die sie zahlen müssen.

Wenn ein Baby oder dessen Mutter durch einen Fehler der Hebamme Schäden erleiden, sind für Therapie und Schadenersatz inzwischen oft Millionensummen fällig. Dadurch sind die Versicherungsprämien explodiert.

Zu riskant - Hände weg bei der Geburt

"Immer mehr Kolleginnen ziehen sich aus der Geburtshilfe zurück", sagt Schmuck. Schon jetzt würden Mütter vielerorts keine Hebamme mehr in ihrer Umgebung finden. Auf den Zuschauerplätzen nicken viele Frauen mit kleinen Kindern auf dem Arm. Auch Hebamme Brigitte Bremer kann sich die hohen Summen für die Haftpflicht nicht mehr leisten. Sie betreut Mütter nur noch vor und nach der Geburt. "Das eigentliche Highlight im Berufsleben einer Hebamme fällt weg", sagt sie.

Nicht alle Hebammen sind betroffen

Der Wirbel, den Bremer, Schmuck und die Hebammenverbände seit Monaten machen, ist enorm. Das hat auch Politiker der Koalition überrascht. Schließlich sind keineswegs alle der etwa 21.000 Hebammen in Deutschland betroffen. Viele angestellte Hebammen sind über ihren Arbeitgeber gegen das Risiko abgesichert.

Die hohen Kosten für die Haftpflicht treffen vor allem die gut 3000 freiberuflichen Hebammen, die Geburtshilfe leisten. Von denen kommen wiederum nur die Hebammen durch hohe Prämien in Not, die nur sehr wenige Geburten im Jahr betreuen. Denn die Kassen zahlen als Ausgleich für den Prämienanstieg einen Zuschlag - je abgerechneter Geburt.

Der Bundestag hat Anfang Juni befristete Zuschläge als Ausgleich für hohe Versicherungskosten beschlossen, um besonders Hebammen mit wenigen Geburten zu entlasten. Ab dem 1. Juli 2015 soll es dann einen sogenannten Sicherstellungszuschlag geben. Das Ministerium prüfe außerdem weitere Hilfen, sagte die parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Ingrid Fischbach (CDU). Der Bundesregierung sei eine flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe wichtig, versichert sie.

Hebammenverbände fordern Fonds für Schadensersatzklagen

Für Sabine Schmuck ist das nur ein Lippenbekenntnis. Die bisherigen Maßnahmen seien nur Stückwerk. Sie fordert langfristige Lösungen. Hebammenverbände und Oppositionsvertreter schlagen etwa einen Fonds vor, in den alle Gesundheitsberufe einzahlen. Aus diesem Topf könnten dann Schadensfälle bezahlt werden - auch durch Steuergelder, wenn das Geld nicht ausreicht.

Hebamme Brigitte Bremer hat nicht mehr viel Hoffnung, dass sich etwas ändert. "Bis sich mal was bewegt, werde ich wohl schon in Rente sein", sagt sie, rollt das kleine Schild zusammen und macht sich auf den Heimweg.

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