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Warum gibt es mehr Kaiserschnitte? Ablauf, Risiken und Nachsorge

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Ablauf, Risiken und Nachsorge  

Deshalb steigt die Anzahl der Geburten durch Kaiserschnitte

08.01.2018, 16:36 Uhr | jb, dpa, t-online.de

Warum gibt es mehr Kaiserschnitte? Ablauf, Risiken und Nachsorge. Kaiserschnitt: Ein Neugeborenes, welches neben seiner Mutter liegt. Zu sehen ist eine Narbe, die durch den Eingriff entstanden ist. (Quelle: imago/Westend61)

Hinterlässt eine Narbe: Die Anzahl der Kaiserschnitte hat in den letzten Jahren zugenommen. (Quelle: Westend61/imago)

Ob Geburt nach Terminkalender oder Lebensretter: Der Kaiserschnitt ist längst eine gängige Entbindungs-Methode. Wie sich die steigende Zahl der Eingriffe auf die Zukunft der natürlichen Geburt auswirkt und was Sie über diese Art der Entbindung wissen sollten.

Kaiserschnitte haben zugenommen. Die steigende Anzahl dieses Eingriffs führt indirekt dazu, dass immer mehr Neugeborene einen zu großen Kopf für eine natürliche Geburt haben.Das schreibt das Team um Philipp Mitteröcker von der Universität Wien im Fachmagazin "PNAS". Demnach passten heute zehn bis 20 Prozent mehr Kinder nicht durch den Geburtskanal als noch vor rund fünf Jahrzehnten.

Wann ist ein Kaiserschnitt notwendig?

Der Eingriff kann nötig sein, wenn das ungeborene Kind besonders groß ist, es sich um Zwillinge handelt oder bei einem vorzeitigen Platzen der Fruchtblase. Ein Kaiserschnitt kann aber auch – bis zu einem gewissen Zeitpunkt – während einer laufenden natürlichen Geburt als Eingriff durchgeführt werden. Dies wird notwendig, wenn:

  • die Mutter so erschöpft ist, dass sie das Kind aus eigenen Kräften nicht zur Welt bringen kann
  • eine Krankheit das Gebären behindert
  • die Gebärmutter oder Plazenta während der Geburt verletzt werden
  • die Lebensfunktionen des Kindes durch Sauerstoffmangel oder andere Umstände bedroht sind.

Der Wunsch-Kaiserschnitt und seine Nebenwirkungen

Inzwischen gibt es aber auch den umstrittenen Wunsch-Kaiserschnitt, der bereits vor der Geburt geplant und terminlich festgelegt wird, wenn bereits Risiken oder andere Gründe bekannt sind. 

Angst vor Schmerzen, vor einem Dammriss oder auch Inkontinenz sind für viele werdende Mütter ein Grund, sich lieber gleich für einen Wunsch-Kaiserschnitt zu entscheiden. Obwohl die Komplikationsrate bei dieser Methode durch verbesserte Schnitt- und Narkosetechnik minimal ist, kann es dennoch einige Nebenwirkungen geben. Wie auch bei anderen operativen Eingriffen, birgt der Kaiserschnitt Risiken wie Narkosezwischenfälle, Blutungen oder Infektionen für die Gebärende. 

Ablauf des Kaiserschnitts

Für die OP reicht eine örtliche Betäubung aus – eine Vollnarkose erfolgt nur noch in Ausnahmefällen. Damit die Frau weiterhin ein Druck- und Zuggefühl verspürt, setzen viele Ärzte als Betäubungsverfahren die Periduralanästhesie (PDA) oder die Spinalanästhesie ein. Werdende Mütter verspüren bei dieser Methode keine Schmerzen mehr. Auch heftige Nebenwirkungen wie bei einer Vollnarkose entfallen. So läuft ein typischer Kaiserschnitt ab:

  • Die Schamhaare werden rasiert, weil sie Keimträger sind. Die Entfernung reduziert das Risiko von Wundinfenktionen.
  • Ein Blasenkatheter wird gelegt, um mögliche Harnflüssigkeiten aufzufangen.  
  • Ein Sichtschutz am Oberbauch wird eingerichtet, um die Sicht der Patientin auf die Wunde zu verhindern.
  • Ein Schnitt unterhalb der Schamhaargrenze wird gesetzt.
  • Schichtweise wird die Bauchdecke mit einem Skalpell geöffnet. 
  • Nachdem die Gebärmutter geöffnet ist, wird das Baby herausgenommen.
  • Die Nabelschnur wird durchtrennt.
  • Die Gebärmutter zieht sich zusammen.
  • Die Gebärmutter und die Wunde werden verschlossen.

Der Eingriff dauert meistens zwischen 15 und 30 Minuten.

Nach dem Kaiserschnitt: Ein Säugling liegt auf dem Bauch der Mutter. (Quelle: imago/Westend61)Nach dem Kaiserschnitt: Um eine Verhärtung zu vermeiden, sollte die Narbe entsprechend gepflegt werden. (Quelle: Westend61/imago)

Die Nachsorge der Wunde

Nachdem die Mutter und ihr Neugeborenes in der Klinik entsprechend versorgt wurden, wird die Nachsorge der Wunde zuhause fortgesetzt. So sollen eine gleichmäßige Wundheilung sowie eine unschöne Narbenbildung verhindert werden. Nach dem Eingriff können sich Mütter kaum bewegen. Wichtig ist, dass sie auf ihren Körper und dessen Signale achten.

Ist die Naht verheilt, führt die Hebamme eine Bauchmassage durch. Diese fördert zum einen die Rückbildung der Gebärmutter und unterstützt die Darmfunktion. Auch wird die Durchblutung der Wunde und somit deren Heilung gefördert. Auch Rückbildungsgymnastik ist nach einem Kaiserschnitt sinnvoll.


Pflege-Tipps für die entstandene Narbe

Nach dem Kaiserschnitt bildet sich häufig eine Narbe. Diese führt entlang der Bikinizone und lässt sich daher gut und einfach verstecken. Nichtsdestotrotz sollte die Narbe gepflegt werden, damit diese nicht verhärtet und sich keine Geschwülste bilden. Am besten geeignet ist eine spezielle Narbensalbe sowie regelmäßige Massagen, die die Durchblutung fördern.


Warum nimmt die Anzahl der Geburten durch Kaiserschnitte zu?

Mithilfe eines mathematischen Modells ermittelten die Forscher den Einfluss von Kaiserschnitten auf die "natürliche Auslese". Früher kam es demnach für Mütter und Kinder häufig einem Todesurteil gleich, wenn das Neugeborene nicht durch den Geburtskanal passte. Dadurch wurden körperliche Eigenheiten wie etwa ein zu schmales Becken nicht an die nächste Generation weitergegeben.

Heute retten Kaiserschnitte in solchen Fällen das Leben von Mutter und Kind. Damit werde der "Selektionsdruck" hin zu einem verhältnismäßig kleineren Kopf und einem breiteren Becken außer Kraft gesetzt, sagt Mitteröcker von der Universität Wien. 

Geburtsprobleme sind eine Folge des aufrechten Gangs

In Deutschland entschieden sich im Jahr 2015 nach Angaben des Statistischen Bundesamts 31,1 Prozent der werdenden Mütter für eine Kaiserschnittgeburt. Dass der Mensch überhaupt im Vergleich zu anderen Primaten recht häufig Geburtsprobleme hat, liegt nach Forschermeinung am aufrechten Gang. Dadurch bekamen Frauen ein schmaleres Becken, lange bevor sich das überdurchschnittlich große Gehirn des Homo sapiens entwickelte.

Generell sei es nichts Ungewöhnliches, dass der technologische Fortschritt Einfluss auf den Körper nehme, sagte der Anthropologe Gunz. So habe sich seit den Jäger-und-Sammler-Zeiten der Kiefer des Menschen deutlich verkleinert – wegen der veränderten Nahrung. Und die Entwicklung und Verbreitung von Medikamenten habe einen starken Einfluss auf das Immunsystem und die Evolution der Krankheitserreger.

Eine Prognose zur Evolution

Außerdem lasse sich mit dem neuen Ansatz vorhersagen, wie der menschliche Körper sich wohl innerhalb von wenigen Jahrzehnten verändern werde. Künftig werde der Anteil problematischer Geburten weiter steigen, schreiben die Forscher um Mitteröcker. Das werde "aber kaum dazu führen, dass eines Tages alle Babys nur mehr durch Kaiserschnitt geboren werden können", sagte Mitteröcker. Denn: Auch in die andere Richtung beeinflusse der medizinische Fortschritt die Evolution. So überlebten heute auch sehr kleine Babys, die früher wohl gestorben wären – und können ihre Gene eines Tages weitergeben. Außerdem könnten im Bauch von Frauen nicht unbegrenzt große Kinder wachsen – das gebe der Stoffwechsel der Mütter schlicht nicht her.

Wenn Sie visuell erfahren wollen, was Sie bei einem Kaiserschnitt erwartet, können Sie sich diese Art der Entbindung als Video anschauen

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