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Frühchen: Känguru-Methode begünstigt Gehirnentwicklung

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Frühchen  

Känguru-Methode verbessert Gehirnentwicklung von Frühchen

19.12.2016, 15:36 Uhr | dpa

Frühchen: Känguru-Methode begünstigt Gehirnentwicklung. Frühchen: Bei der Känguru-Methode bekommen Frühchen so oft wie möglich Hautkontakt und Körperwärme von der Mutter. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei der Känguru-Methode bekommen Frühchen so oft wie möglich Hautkontakt und Körperwärme von der Mutter. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Frühchen brauchen viel liebevollen Körperkontakt, um sich gut zu entwickeln - dazu hat sich die sogenannte Känguru-Methode bewährt. Eine Studie zeigt, dass die Kinder noch Jahrzehnte später davon profitieren. 

Bei der Känguru-Methode werden untergewichtige Frühchen von ihren Müttern viel auf nackter Haut getragen, gewärmt und wenn möglich gestillt. Das verbessert auch bei extremen Frühchen die Überlebenschancen und die Entwicklung. 

Nun liegt zu dieser Methode das Ergebnis einer Langzeitstudie vor, die mit Unterstützung kanadischer Forscher in Kolumbiens Hauptstadt Bogota durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Pediatrics" veröffentlicht.

Das untersuchte Frühchen-Programm umfasste mehr als Hautkontakt zwischen Frühchen und Mutter: Die gesamten Familien wurden einbezogen und im Umgang mit den Winzlingen geschult. Kontrollgruppe waren Babys, die in ihren ersten Lebensmonaten auf herkömmliche Weise vor allem im Brutkasten betreut wurden.

So geht es den Känguru-Frühchen 20 Jahre später

18 bis 20 Jahre nach der Geburt wurden die Herangewachsenen drei Tage lang intensiv untersucht und befragt. Insgesamt berücksichtigte die Studie 264 zwischen 1993 und 1996 geborene Frühchen mit weniger als 1800 Gramm Geburtsgewicht.

Bei den Känguru-Frühchen zeigten sich klare Vorteile, schreiben die Autoren um Nathalie Charpak von der Fundación Canguro in Bogota: Sie seien zum Beispiel weniger aggressiv, impulsiv und hyperaktiv als Frühgeborene, die ihre ersten Lebenswochen zumeist im Brutkasten verbrachten. Auch lag die Sterberate der Känguru-Frühchen niedriger als bei der Kontrollgruppe im Brutkasten. 

Bessere Gehirnentwicklung und bessere Schulnoten 

Das Gehirn der Känguru-Kinder wuchs stärker, speziell in den für das Lernen wichtigen Bereichen. Vor allem bei den sehr leichten Babys war der Intelligenzquotient 20 Jahre später etwas höher. Die Kinder aus dem Känguru-Programm hatten später eine bessere Schullaufbahn und fehlten seltener im Unterricht. Als junge Arbeitnehmer verdienten sie im Durchschnitt mehr.

Allerdings ist das Ergebnis der Studie wegen der vergleichsweise kleinen Teilnehmerzahl mit Vorsicht zu bewerten. Unterstützt wurde die Studie vom Förderprogramm Grand Challenges Canada der kanadischen Regierung.

Frühchen profitieren von Schulung der Eltern 

Die Forscher erklären die positiven Folgen auch damit, dass die Eltern der Känguru-Gruppe dank der begleitenden Schulungen besser über die Bedürfnisse von Babys Bescheid wussten und dieses Wissen anhaltend umsetzten. Einen Effekt hatte dies vor allem bei ärmeren Familien mit geringem Bildungsgrad. "Die alltäglichen Aktivitäten zu Hause haben langfristig den größten direkten Einfluss auf ein Kind."

Das Programm habe sich auch auf die Familien insgesamt positiv ausgewirkt: Ihr Zusammenhalt sei besser und die Grundstimmung liebevoller gewesen. Zudem zeigte sich, dass Paare eher zusammengeblieben waren, wenn auch der Vater seinen frühgeborenen Nachwuchs im Tuch herumgetragen hatte.

15 Millionen Babys kommen zu früh zur Welt

Jährlich kommen nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit insgesamt etwa 15 Millionen Kinder als Frühchen auf die Welt, das heißt vor der 38. Schwangerschaftswoche. "Wir sind fest überzeugt, dass diese effiziente, wissenschaftlich basierte Methode in allen Umgebungen angewendet werden kann - von solchen mit sehr beschränktem bis zu solchen mit uneingeschränktem Zugang zu Gesundheitseinrichtungen", betont Charpak.

Es komme auch darauf an, auf die kleinen Effekte zu achten. "Kleine Auswirkungen wie geringfügige kognitive Defizite, eine schlechtere Feinmotorik, verminderte Hör- oder Sehfähigkeit und Konzentrationsstörungen können unentdeckt bleiben, haben aber tiefgreifende Effekte auf das Leben der Familien."

Känguru-Methode wird auch in Deutschland praktiziert

Auch in Deutschland ist die Känguru-Methode in Frühgeborenenstationen verbreitet. Nicht nur die winzigen Babys profitieren davon. Die Eltern lernen, mit den zerbrechlich wirkenden Winzlingen umzugehen, Berührungsängste zu überwinden und eine Beziehung aufzubauen. Vor allem Frühchen-Mütter fühlen sich manchmal insgeheim schuldig, weil sie ihr Baby nicht wie erhofft neun Monate austragen konnten.

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