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Nabelschnurblut einlagern oder nicht?

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Nabelschnurblut  

Ein Beutel, gefüllt mit Leben

23.02.2017, 11:54 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Nabelschnurblut einlagern oder nicht?. Blutbeutel mit Nabelschnurblut aus einer Spende. (Quelle: imago)

Blutbeutel mit Nabelschnurblut aus einer Spende. (Quelle: imago)

Es ist ein schöner, tröstlicher Gedanke: Sollte das eigene Kind im Laufe seines Lebens bedrohlich erkranken, helfen ihm eingelagerte Stammzellen aus seinem eigenen Nabelschnurblut. Indem sie zum Beispiel krankes Gewebe neu aufbauen und ersetzen. Doch ganz so einfach ist es leider nicht.

Zum einen ist da der nachvollziehbare Wunsch der Eltern nach einer "Lebensversicherung" für ihr Baby. Zum anderen das von den Entbindungskliniken immer stärker verzeichnete Interesse am Spenden von Nabelschnurblut. Trotzdem entscheiden sich bisher nur sehr wenige Paare dafür.

Im Klinikmüll entsorgt

Bei den meisten Geburten wird die Plazenta mit dem Nabelschnurblut immer noch im Klinikmüll entsorgt. Dabei steckt in dem bisschen kindlichen Blut, das nach dem Auspulsieren der Nabelschnur noch zu gewinnen ist, sowie auch in dem Gewebe der Nabelschnur eine ganze Menge Potenzial: Damit können Krankheiten geheilt und Leben gerettet werden.

Das Haupteinsatzgebiet von Stammzellen ist die Leukämie. Aber immer häufiger hört man von erfolgsversprechenden Ergebnissen der Stammzellforschung auch bei der Therapie von Erkrankungen des Gehirns, bei Autismus oder Diabetes. Theoretische und tierexperimentelle Daten machen Stammzellen hier zu medizinischen Hoffnungsträgern.

Die Zukunft liegt in der regenerativen Medizin

Die Stammzellen, die aus Nabelschnurblut gewonnen werden, gehören zu den sogenannten adulten Stammzellen. Hierzu zählen auch diejenigen aus dem Knochenmark erwachsener Spender.

Daneben gibt es embryonale Stammzellen, also Stammzellen, die aus einem sehr frühen embryonalen Entwicklungsstadium nach der Befruchtung der Eizelle gewonnen werden. Diese haben die Fähigkeit, sich noch in jedes beliebige Körpergewebe ausbilden zu können.

"Vonseiten der Forschung wäre das heutzutage kein Problem, solche Zellen zu züchten. Aber da gibt es ethische Einwände, gerade in Deutschland", erklärt Babett Ramsauer, leitende Oberärztin am Perinatalzentrum des Berliner Vivantes Klinikum Neukölln. "Denn man bringt hier Samen und eine Eizelle zusammen und entnimmt die Zellen in einem ganz frühen Stadium. Da stellt sich automatisch die Frage: Wo beginnt Leben? Produziere ich dann nicht vielleicht doch kleinste Menschen, um sie für die Forschung zu verwenden?"

Adulte Stammzellen braucht der Körper, um aus ihnen zeitlebens neue spezialisierte Zellen zu bilden. Auch diese sind also in der Lage, Gewebe nachzubilden.

Rund zehn Millionen erwachsene Stammzellpender sind derzeit weltweit registriert. Die Zellen sind zwar nicht mehr so wandlungsfähig und vermehrungsfreudig wie die aus Nabelschnurblut gewonnenen, aber ihr Immunsystem kennt sich bereits mit Krankheiten aus. Das ist bei den Nabelschnurstammzellen noch nicht ausgereift. Dafür müssen hier die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger lange nicht so genau übereineinstimmen.

Noch während der Schwangerschaft entscheiden

Entscheidet man sich für die Entnahme des Nabelschnurblutes und treffen die Ausschlusskriterien, wie zum Beispiel bestimmte Erkrankungen nicht zu, dann wird das Blut noch im Kreißsaal aus der Nabelschnurvene entnommen und in einem besonderen Beutel an eine Zellbank weitergeleitet. Im Labor werden dann die Gewebemerkmale bestimmt, die Stammzellen isoliert und anschließend bei fast minus 200 Grad in flüssigem Stickstoff eingefroren.

Man unterscheidet zwischen öffentlichen und privaten Nabelschnurbanken. Während die in öffentlichen Banken eingelagerten Stammzellen allen zur Verfügung stehen, lagern in den privaten Banken nur die Stammzellen für die eigene Verwendung. Das heißt: Spendet man das Nabelschnurblut in eine öffentliche Stammzellbank, dann wird dieses entweder dazu eingesetzt, Leukämiekranken zu helfen, oder es wird damit geforscht. "Auf dem Gebiet der Stammzellenforschung gibt es noch viel Potenzial. Es ist ein sehr wertvoller Stoff", sagt Ramsauer. Der Spender selbst hat auf ihn aber dann keinen Zugriff mehr.

Eine Spende ist nur in speziell ausgestatteten Kliniken mit dafür geschultem Personal möglich. Da nicht alle Kliniken deutschlandweit für die Entnahme geschult sind, ist es daher ratsam, sich bereits während der Schwangerschaft über das Thema Gedanken zu machen.

Eine Nabelschnurspende kostet nichts, das Lagern fürs eigene Kind schon. Mit circa 2.000 Euro für 25 Jahre muss man rechnen - doch niemand kann garantieren, wie lange die Zellen aus dem eigenen Nabelschnurblut in ihrem tiefgefrorenen Zustand überhaupt halten. Auch wenn die Konservierungsmethoden heute sehr gut sind.

Die Spende hilft auf jeden Fall

Auch Kliniken, die die Nabelschnurblutentnahme für eigene Zwecke anbieten, wie zum Beispiel das Nürnberger Klinikum, zeigen sich noch skeptisch. Auf der Internetseite ist zu lesen: "Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass es keine Unterlassung ist, wenn Sie das Nabelschnurblut ihres Kindes (…) nach der Geburt nicht einfrieren lassen. Sie brauchen deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben, denn das Einfrieren der Stammzellen zur Eigennutzung kann heute nicht als notwendig angesehen werden. Es gibt bisher keine Erkenntnisse, dass diese Stammzellen eine einzigartige und anderen Stammzellen überlegene Therapiemöglichkeit darstellen würden." Das deckt sich mit einer Aussage der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation.

Da zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar ist, ob die eingefrorenen Stammzellen dem Kind je nutzen können, raten viele Ärzte dazu, das Nabelschnurblut für eine Stammzellbank zu spenden. Es tut dem Kind nicht weh und die Wahrscheinlichkeit, dass damit einem Menschen geholfen werden kann, ist deutlich höher.

Mit elterlicher Angst lässt sich viel Geld machen

Das Einfrieren von Nabelschnur-Stammzellen ist also längst keine Garantie auf lebenslange Gesundheit des Kindes, wie oft zwischen den Zeilen versprochen. Auch Ramsauer ist skeptisch: "Natürlich hat der Gedanke etwas Beschützendes. Das Problem aber ist, dass es nicht ganz stimmig ist, was da erzählt wird. Dass man nicht die Sicherheit bekommt, die suggeriert wird. So weit sind wir noch nicht." Denn die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind von der Einlagerung seiner Stammzellen profitiert, ist sehr gering.

Die eigenen Stammzellen können sogar zur Gefahr werden

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Haupteinsatzgebiet der Stammzellen ist die Leukämie beziehungsweise die Wiederaufbauphase nach der sehr aggressiven Chemotherapie. Doch gerade hier hat es keinen Sinn, eigene Stammzellen zu verwenden. Da sich die Vorläufer der Krebszellen bereits vor der Geburt bilden, würden sie auf diesem Weg erneut in den Körper gelangen und die Gefahr erhöhen, erneut zu erkranken.

Gleiches gilt für Erbkrankheiten, bei denen die Stammzellen den gleichen Gendefekt tragen können. "Mulitpotente Zellen können viel machen, aber eben auch viel in sich tragen", so die Oberärztin.

Zeichnet sich allerdings bereits vor der Geburt ab, dass das Kind zum Beispiel einen schweren Herzfehler hat, es eine vererbbare Blutkrankheit in der Familie gibt oder es wahrscheinlich ist, dass es an Diabetes I erkranken wird, dann kann sich die Gewinnung und Konservierung der eigenen Stammzellen durchaus lohnen. Auch dann, wenn bereits ein Kind der Familie an Leukämie erkrankt ist, kann das Blut des neugeborenen Geschwisters ihm helfen.

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