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Lebensmittelkennzeichnung: Dickmacher werden jetzt rot

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ERNÄHRUNG | AMPEL-KENNZEICHNUNG  

Dickmacher werden jetzt rot

30.05.2008, 11:31 Uhr | bri/afp/dpa

Ernährung: So könnte die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel aussehen. (Foto: Foodwatch)So könnte die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel aussehen. (Foto: Foodwatch) Was grün ist, darf man mit gutem Gewissen essen, was rot ist, soll man möglichst meiden. So einfach könnten gesunde Lebensmittel von Dickmachern unterschieden werden. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer hat sich lange gegen die so genannte Ampel-Kennzeichnung ausgesprochen, Verbraucherschützer stritten jedoch dafür. Jetzt hat Seehofer nachgegeben: Ein Gesetzentwurf aus dem Verbraucherministerium sieht nun das Ampelsystem auf Lebensmittelpackungen vor, berichtet die "Berliner Zeitung". Der Haken: Die Kennzeichnung soll freiwillig sein. Prompt folgt scharfe Kritik der Verbrauscherschutzorganisation Foodwatch: "Die Hersteller von zuckerhaltigen Lebensmitteln werden einen Teufel tun, das zu machen", kommentiert Geschäftsführer Thilo Bode.

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Minister beugt sich dem Verbraucherwillen

Bei einer Umfrage des Verbraucherministeriums befürwortete mehr als die Hälfte der Teilnehmer die farbige Gestaltung der Nährwertangaben. "Diesem Wunsch der Mehrheit können wir uns nicht verschließen", so begründete Seehofer seinen Kurswechsel. Zu Schwellenwerten, ab wann die Ampel etwa beim Fettgehalt auf rot steht oder grünes Licht gibt, wollte er sich nicht äußern. Unklar ist auch, für welche Produkte sie gelten könnte.

Briten haben schon die Ampel

Das Ampelsystem existiert bereits in Großbritannien: Rot warnt dort etwa vor sehr hohem Zuckergehalt, gelb mahnt zu maßvollen Verzehr und grün steht für Unbedenklichkeit. Wie die Kennzeichnung in Deutschland genau aussehen soll, will das Ministerium in Kürze vorstellen. Seehofer will zunächst mit der Industrie darüber beraten. Eine verpflichtende deutsche Regelung als Alleingang in der Europäischen Union hält er für "unmöglich". Bode hielt dem entgegen: "Gerade im Gesundheitsbereich können nationale Regierungen auch weitergehende Maßnahmen ergreifen." Seehofer habe dazu die Möglichkeit. "Wenn er da, wo er handeln kann, windelweich agiert, macht er seinen Job nicht richtig", warf er dem Minister vor.

Angaben für Hersteller freiwillig

Angeblich können die Hersteller selbst entscheiden, ob sie ihre Lebensmittel mit den Farben kennzeichnen oder nicht, heißt es im Bericht der "Berliner Zeitung". Die neuen Etiketten beinhalten dann außerdem Angaben über die Kalorien eines Produktes sowie über dessen Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz. Damit solle den Kunden die Lebensmittelauswahl erleichtert werden, heißt es der Zeitung zufolge in Seehofers Konzept. Wenn es nach dem Verbraucherministerium geht, sollen binnen der kommenden zwei bis drei Jahre rund 75 Prozent der in Deutschland erhältlichen Lebensmittel entsprechend gekennzeichnet sein.

Nährwerte werden schön gerechnet

Der Minister hatte sich bislang ebenso wie die Industrie für ein anderes Kennzeichnungsmodell eingesetzt: Eine Zahlenkennzeichnung sollte den Anteil der Inhaltsstoffe am benötigten Tagesbedarf angeben. Von Verbraucherschützern gab es jedoch immer wieder Kritik an einer Zahlenkennzeichnung: angeblich rechne die Industrie die Nährwerte auf ihren Packungen schön, sodass auch zuckerhaltige Cornflakes noch als gesund gelten. Nach einer aktuellen Foodwatch-Studie sind 80 Prozent der für Kinder angepriesenen Lebensmittel überzuckert.

Foodwatch: Kennzeichnung so einfach wie möglich

Bode kritisierte auch den Plan, Richtwerte für Inhaltsstoffe wie geplant pro Portion auf den Packungen anzugeben. So könnten Hersteller die Portionen rechnerisch klein bemessen und so etwa den Zuckergehalt niedriger erscheinen lassen. "Das ist eine richtige Mogelpackung." Besser seien einheitliche Angaben nach Menge. Dabei sei eine einfache, schnell verständliche Kennzeichnung ungesunder Lebensmittel gerade für sozial schwache Familien und bildungsferne Schichten wichtig, betont Bode. "Wenn man den ganzen Einkaufskorb voll mit roten Punkten hat, denkt man eher noch mal nach." Nun müssten die Verbraucher weiter Druck machen.

Lebensmittelindustrie wehrt sich gegen Ampel

Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, lehnt "eine solche irreführende Farbgebung strikt ab", weil qualitativ hochwertige Produkte verunglimpft würden.

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