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Kartoffelchips: Verbraucherschützer prangern Gift in Chips an

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KARTOFFELCHIPS  

Verbraucherschützer prangern Gift in Chips an

16.07.2008, 18:56 Uhr | Spiegel Online

In Kartoffelchips kann der Schadstoff Acrylamid enthalten sein. (Foto: imago)In Kartoffelchips kann der Schadstoff Acrylamid enthalten sein. (Foto: imago)Die Verbraucherorganisation Foodwatch schlägt Alarm: Zum sechsten Mal in Folge fand sie bei ihren jährlichen Messungen hohe Acrylamidwerte in Kartoffelchips. Der Stoff gilt als krebserregend. Die Lebensmittelindustrie bezweifelt die Seriosität der Messungen.Es ist kein Thema, über das die großen Chipshersteller in Deutschland gerne reden. Ruft man sie an und fragt nach Acrylamid, erntet man ein tiefes Seufzen. Ein Seufzen, das zu sagen scheint: Nicht schon wieder, das Thema nervt.

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Foodwatch testet Chips auf Acrylamid

Denn was die Hersteller von Chio Chips, Crunchips oder Pringles am liebsten gar nicht mehr thematisieren würden, lässt der Verbraucherorganisation Foodwatch keine Ruhe: der Acrylamidgehalt der Knabberwaren. Der Stoff gilt als krebserregend und erbgutschädigend und findet sich in hohen Dosen in vielen der gängigen Chipsprodukte, die Verbraucher im Supermarkt kaufen können. Seit 2003 testet die Organisation deshalb einmal im Jahr verschiedene Kartoffelchips und kommt auch in diesem Jahr zu keinem guten Ergebnis: "Wir haben 13 Produkte getestet, bei sechs hat sich der Acrylamidwert verschlechtert", sagt Foodwatch-Chef Thilo Bode. Zwei weitere Produkte seien etwa gleich geblieben, bei vier habe sich der Wert immerhin verbessert.

Viel Acrylamid in Aldi-Chips

So haben die Verbraucherschützer zum Beispiel in den Crunchips von Lorenz nur noch 120 Mikrogramm Acrylamid pro Kilo gefunden, im vergangenen Jahr waren es noch 240 Mikrogramm. Auch bei Chipsfrisch von Intersnack finden sich nur noch 160 Mikrogramm pro Kilo statt 350 Mikrogramm. Verschlechtert haben sich allerdings die Werte der Discounter-Chips von Aldi und Lidl - hier stieg der Acrylamidgehalt von 270 Mikrogramm auf 370 Mikrogramm (Lidl) beziehungsweise von 370 Mikrogramm auf 450 Mikrogramm (Aldi). Allerdings schnitten die Rusti Chips Paprika von Lidl mit 89 Mikrogramm pro Kilo am besten ab.

"Verbraucher sind unnötigen Risiken ausgesetzt"

Das schlechteste Ergebnis haben ausgerechnet die Chips, bei denen man es vielleicht am wenigsten erwartet: die Bio-Chipssorte Alströmer Organic Paprika - hier fanden die Tester von Foodwatch 1000 Mikrogramm pro Kilo. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Verbraucher beim Einkauf immer noch unnötigen Risiken ausgesetzt sind", kritisiert Bode. Die Belastung sei für den normalen Käufer nicht zu erkennen - und das, obwohl Acrylamid nachweislich gesundheitsgefährdend sei.

Acrylamid erzeugt Krebs im Tierversuch

Tatsächlich ist der Stoff alles andere als harmlos - obwohl er sich automatisch beim Backen, Rösten und Braten bildet. Und sich deshalb nicht nur in Chips, sondern auch in Bratkartoffeln, Knäckebrot oder Pommes Frites findet. Verlässliche Erkenntnisse über eine krebserregende Wirkung von Acrylamid beim Menschen gibt es bisher nicht, allerdings hat der Stoff bei Tierversuchen Krebs verursacht und das Erbgut verändert. Deshalb gehen Gesundheitsexperten davon aus, dass er auch für Menschen alles andere als harmlos ist: Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde er in die Kategorie der krebserzeugenden Stoffe aufgenommen, das Bundesinstitut für Risikobewertung spricht von einem "ernstzunehmenden gesundheitlichen Risiko", weil der Stoff das Erbgut verändern könne. Und sowohl die Weltgesundheitsorganisation WHO als auch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfehlen, den Anteil von Acrylamid in der Nahrung "auf ein Mindestmaß" zu verringern. Laut WHO liegt das bei einem Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht - ein 20 Kilo schweres Kind sollte also beispielsweise täglich maximal sechs Chips der Sorte Pringles essen. Einen verbindlichen Grenzwert gibt es allerdings noch nicht.

Lebensmittelindustrie: "Statistisch nicht unbedingt glaubwürdig"

Genau deshalb aber streiten Lebensmittelindustrie und Verbraucherschützer. "Wir wollen, dass die Anbieter alles tun, um den Acrylamidwert in ihren Produkten zu senken - und diesen öffentlich machen", sagt Foodwatch-Chef Bode. Bisher habe sich die Industrie nur auf Druck der Öffentlichkeit hin bewegt und den Wert gesenkt. "Denn dafür müssen sie neue Rezepturen und neue Fertigungsmethoden ausprobieren und das kostet Geld." Ein Vorwurf, den die Industrie nicht auf sich sitzen lässt: "Wir versuchen seit Jahren mit hohem finanziellen Aufwand, den Acrylamidanteil in Kartoffelchips zu senken", sagt Peter Liesen vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), dem Branchenverband, der auch die Snack-Hersteller vertritt. Man führe eigene Messungen durch und sei weltweit führend, was die Reduzierung von Acrylamid in Lebensmitteln angehe.

Hersteller zweifeln an Seriosität der Ergebnisse

Außerdem bezweifelt man auf Herstellerseite die Seriosität der Foodwatch-Untersuchungen: "Nur zweimal im Jahr Proben zu nehmen, ist statistisch nicht unbedingt glaubwürdig", sagt Melanie Fischer vom Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, dem Hersteller von Pringles. Denn die Werte schwankten extrem, das wisse man aufgrund eigener Messreihen. "Die Ergebnisse hängen von vielen Faktoren ab und schwanken von Tüte zu Tüte. Außerdem weist die Messmethode eine Ungenauigkeit von 20 Prozent auf", ergänzt BDSI-Experte Liesen. Die Kartoffelsorte spiele dabei genauso eine Rolle wie etwa die Dauer der Lagerung oder der Zuckeranteil. Ein Argument, das Foodwatch nicht gelten lässt: "Selbst wenn unsere Werte Ausreißer sind, sind die Produkte doch trotzdem im Handel", sagt Bode. Er versteht nicht, warum die Industrie ihre Ergebnisse nicht öffentlich macht - "zumal, wenn sie behauptet, ganz andere Werte zu haben".

Auch Bundesregierung in der Kritik

Außerdem ärgert sich der oberste Verbraucherschützer über die Haltung der Bundesregierung, die seiner Meinung nach zu sehr die Interessen der Industrie vertritt: "Es gibt keinen Grund, die Hersteller nicht dazu zu zwingen, die Acrylamidwerte zu kennzeichnen - das könnte dann ja sogar ein Wettbewerbsvorteil werden", sagt Bode. Zusätzlich weigere sich die Bundesregierung aus fadenscheinigen Gründen, eigene Messergebnisse zu veröffentlichen und schiebe juristische Schwierigkeiten vor. "Dabei hat sie mit dem Verbraucherinformationsgesetz eine Verordnung geschaffen, die umfassende Informationen für den Verbraucher sogar fordert."

Grenzwerte gibt es nicht

Beim Verbraucherschutzministerium will man davon allerdings nichts wissen und verweist ebenfalls auf die Schwierigkeit, einen genauen Grenzwert für Acrylamid festzulegen. Selbst wenn man diesen hätte, werde auf EU-Ebene entschieden, was auf den Lebensmittelpackungen gekennzeichnet werde, sagt eine Sprecherin. Das Lebensmittelkennzeichnungsrecht der EU werde momentan überarbeitet und Deutschland habe ein Monitoring zum Thema Acrylamid angeregt. Solange diese Daten noch nicht ausgewertet seien, könne man auch keine Maßnahmen ergreifen. Bei der Industrie ist man genau deshalb entspannt: Laut den aktuellen Zahlen der European Snacks Association werden in Deutschland im Jahr 275.000 Tonnen Kartoffelchips im Wert von 1,6 Milliarden Euro verkauft. Worauf die Industrie setzt, ist deshalb klar: "Die Marktentwicklung ist inzwischen wieder stabil, die hohe Aufmerksamkeit hat nachgelassen", sagt Fischer von Procter & Gamble. "Das Thema ist beim Verbraucher nicht mehr da."

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