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Trinkwasser: Rätselhafte Pilze tropfen aus Wasserhähnen

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TRINKWASSER  

Rätselhafte Pilze tropfen aus Wasserhähnen

13.10.2008, 13:47 Uhr | AP

Forscher entdecken rätselhafte Schimmelpize im Wasserhahn. (Foto: ddp)Forscher entdecken rätselhafte Schimmelpize im Wasserhahn. (Foto: ddp)Frisch und klar soll es aus der Leitung kommen: Trinkwasser, das in Deutschland am besten kontrollierte Lebensmittel. Doch die schwarzen, schleimigen Pfropfen, die hin und wieder aus Wasserhähnen platschen, haben mit sauberem Trinkwasser nichts gemein. Sie verunsichern Verbraucher und geben Experten Rätsel auf. Forscher wollen dies jetzt ergründen. So viel scheint klar: Es handelt sich um Schimmelpilze, die jedoch nicht gefährlich sind für die Gesundheit. Sie ernähren sich offenbar von Substanzen in Putzmitteln. Deshalb sind die mysteriösen Pilze auch oft in Haushalten von Putzteufeln zu finden.

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Den rätselhaften Pilzen auf der Spur

Die Kölner Rheinenergie AG, die in ihrem Einzugsgebiet in den vergangenen vier Jahren 26 Fälle registrierte, will die Herkunft der unappetitlichen Ablagerungen an Armaturen nun genau ergründen lassen. Gemeinsam mit der Dresdener Außenstelle des Technologiezentrums Wasser hat sie dafür bei der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfachs DVGW ein Forschungsvorhaben beantragt. Da die mysteriösen Schimmelablagerungen aber nur vereinzelt und in verschiedenen Regionen Deutschlands auftauchten, dürften die Forschungen schwierig werden, räumt der Wasserversorger ein.

Suche nach Ursachen bisher erfolglos

Untersuchungen in Halle an der Saale verliefen bisher ergebnislos. Dort sah Gudrun Beck, Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen, 2003 erstmals einen solchen Schimmelklecks aus einem Hahn tropfen. Ihre Behörde, das Gesundheitsamt Halle, war von betroffenen Bürgern alarmiert worden. 44 Fälle wurden seither in der Saalestadt gemeldet. Eine in Halle eingeleitete Mängelbeseitigung und Ursachensuche, für die Wasserwerk und Vermieter mit ins Boot geholt wurden, blieb erfolglos: Leitungen und Armaturen wurden ausgetauscht, die Sporendichte in der Innenluft gemessen, gespült und desinfiziert - doch die Schimmelbeläge tauchten nach wenigen Wochen erneut auf.

Schimmel gehört nicht ins Trinkwasser

Bakteriologisch erwies sich das verschleimte Wasser als völlig in Ordnung und den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entsprechend. "Es handelt sich wohl nur um ein ästhetisches Problem", sagt Beck. Die im Labor identifizierten Schimmel- und Hefepilze der Gattungen Fusarium, Scopulariopsis, Exophiala und Aureobasidium sind in der Natur weit verbreitet und gelten als apathogen - also nicht krankheitserregend. "In Trinkwasserinstallationen haben sie aber nichts zu suchen", erklärt das Umweltbundesamt in Dessau zu den bekanntgewordenen Fällen.

Pilze fressen Putzmittel

Pilzsporen brauchen für gutes Gedeihen vor allem Feuchtigkeit, eine bestimmte Temperatur und Nährstoffe. Was den Mikroorganismen an Wasserhähnen und Duschköpfen aber besonders mundet, gibt Fachleuten nach wie vor Rätsel auf. "Zum Wasser selbst und auch zu den Leitungsmaterialien gibt es keinen Zusammenhang", versichert Burkhard Wricke vom Dresdener Wasser-Technologiezentrum, das schon die ersten Untersuchungen begleitete. Übereinstimmend scheint seiner Ansicht nach Phosphat eine Rolle zu spielen. Phosphat ist in der Branche ein gängiges Mittel, um Leitungsrohre vor Korrosion zu schützen. "Es kann vielleicht begünstigend als Nährstoff wirken, alleinige Ursache für die schwarzen Schimmelflocken ist es aber nicht", meint Uta Rädel vom Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt. "Diese Pilze verwerten organische Stoffe. Die können aus Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, von Kosmetika oder Raumsprays stammen und als Nährstoffquelle dienen, vor allem, wenn sie im Interesse des Umweltschutzes biologisch leicht abbaubar sind", erläutert die Magdeburger Trinkwasserexpertin. "Damit geben wir den Sporen genau das, was sie gern fressen."

Ausgerechnet Putzteufel sind betroffen

Kein Wunder also, wenn Wasserhähne ausgerechnet bei Putzteufeln Schimmel ansetzen. Genau dieses Phänomen wurde in Halle beobachtet, wo auch in ganz sauberen Haushalten, meist mit sanierten Leitungen, solche mysteriösen Schleimpfropfen aus dem Hahn plumpsten. Solange diese das Geheimnis um ihre Entstehung nicht preisgeben, bleibt Betroffenen nur: Armaturen regelmäßig mechanisch mit der Bürste reinigen und Kleinteile auskochen. Stimmt der DVGW dem Forschungsvorhaben zu, kann frühestens Anfang 2009 mit der Lösung des Rätsels um den Schimmelschleim am Wasserhahn begonnen werden.

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