Sie sind hier: Home > Leben >

Verbraucherschützer decken Lebensmittel-Plagiate auf

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

GEFÄLSCHTE LEBENSMITTEL  

Verbraucherschützer entlarven Lebensmittel-Plagiate

10.07.2009, 11:42 Uhr | Spiegel Online / Susanne Amann , Spiegel Online

"Ein Schnittchen ist kein Schnitzel"

Den Vorwurf der Verbrauchertäuschung lässt auch Josef Knappheide vom Hersteller Vossko nicht gelten. Der Anbieter der "Hähnchenschnitten Wiener Art", einem Verschnitt aus kleinen Stücken von Hähnchen- und Putenfleisch, hält schon den Namen seines Produkts für selbsterklärend: "Ein Schnittchen ist kein Schnitzel, insofern weiß der Kunde, was er kauft." Im Übrigen sei es die freie Entscheidung des Verbrauchers, zum ebenfalls angebotenen "Schnitzel" zu greifen - das aber sei teurer. "Der deutsche Kunde ist sehr preisbewusst, deshalb bieten wir ihm diese Form von Lebensmitteln an."

Strenge Gesetze sollen helfen

Genau davor aber haben die Verbraucherschützer Angst: Denn je mehr Firmen die "falschen" Lebensmittel anbieten, desto schwieriger wird es für die Produzenten, die nicht mit den billigeren Ersatzstoffen arbeiten. "Die sind dann irgendwann nicht mehr konkurrenzfähig", sagt Verbraucherschützerin Schwartau. Sie fordert deshalb eine schärfere Gesetzgebung von Seiten der Regierung.

Wo Schinken drauf steht muss Schinken drin sein

Doch die dürfte frühestens nach den Bundestagswahlen im Herbst kommen - auch wenn Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gerne gegen die Mogelpackungen bei den Lebensmitteln wettert. So hat sie erst am Mittwoch in Berlin angekündigt, härter gegen die Lebensmittelschummelei vorgehen zu wollen. "Da, wo Schinken oder Käse draufsteht, muss auch Schinken oder Käse drin sein", sagte sie - und warnte die Wirtschaft vor negativen Folgen. "Wenn sich das mal einschleicht, hat man auch einen Ruf zu verlieren. Der alleinige Preiskampf vermindert deutlich die Qualität der Lebensmittel." Wenn Imitate angeboten würden, vor allem bei loser Ware, müsse dies klar und deutlich gekennzeichnet sein.

Verbraucher besser informieren

Doch was beherzt klingt, stößt bei Verbraucherschützern auf wenig Verständnis - denn tatsächlich hat die Ministerin bisher wenig getan, um eine effektivere Kontrolle zu erreichen. "Wir brauchen eine echte Revision des Verbraucherrechts: Die Behörden müssen verpflichtet werden, alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen und dabei Ross und Reiter zu nennen", sagt etwa Thilo Bode von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Wenn Verbraucher mit Schinkenimitat und falschem Käse betrogen werden, hätten sie ein Recht darauf zu erfahren, wer die Betrüger sind."

Behörde sammelt seit 15 Jahre Infos über Schinkenimitate

Doch das geschieht bislang nicht - stattdessen sammeln die Behörden eifrig die Beispiele für Schinkenimitate. So erhebt etwa das Bayerische Landesamt für Gesundheit seit 15 Jahren akribisch den durchschnittlichen Fleischgehalt, der nach ihren Zahlen seit 1993 von rund 82 Prozent auf teilweise unter 50 Prozent in den vergangenen Jahren gesunken ist. Spitzenreiter war ein Schinken aus dem Jahr 2007, der nur noch einen Fleischanteil von 38 Prozent aufwies. Akribisch notiert die Behörde auch: "Die Erzeugnisse weisen im Vergleich zu Schinken und Vorderschinken eine gummiartige, elastische Konsistenz auf. Sie unterscheiden sich aber nicht nur hinsichtlich ihres Aussehens, sondern auch hinsichtlich ihres Geruchs und Geschmacks deutlich von den Produkten, die sie ersetzen sollen."

Behörden unternehmen nichts

Folgen aber hat all das bislang nicht - was Verbraucherschützer erzürnt: "Auf dem Lebensmittelmarkt sind rechtstaatliche Prinzipien außer Kraft gesetzt", schimpft Foodwatch-Chef Bode. "Es ist, als würde die Polizei bekannt geben, dass massenweise Falschgeld im Umlauf ist - es aber nicht aus dem Verkehr zieht, sondern den Bürgern erklärt, wie sie die Blüten erkennen können. So verhalten sich die Behörden bei Schinkenimitat." Es ist deshalb wohl ein frommer Wunsch, wenn Silke Schwartau sagt: "Frau Aigner sollte sich lieber den Verbraucherschutz auf ihre Fahnen schreiben und nicht nur Lobbyistin der Lebensmittelindustrie sein."

Mehr zum Thema Verbraucher:
Lassen Sie sich nicht alles bieten Ihre Rechte als Kunde
Von wegen Käse! In welchen Produkten Analogkäse steckt
Lüge des Jahres Foodwatch kürt Actimel zur größten Werbelüge
Was ist Kakaomasse? Verpackungschinesisch übersetzt
Lassen Sie sich nicht alles bieten Ihre Rechte als Kunde

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
Shopping
Frische Must-Haves für die aktuelle Herbst-Saison
Trends entdecken bei BAUR
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Leben

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017