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Foodwach-Gründer Thilo Bode rechnet mit der Lebensmittelindustrie ab

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"Unser Essen ist aufgehübscht, überzuckert, zu salzig und zu fett"

10.09.2010, 12:35 Uhr | dapd, Steffen Mayer

Foodwach-Gründer Thilo Bode rechnet mit der Lebensmittelindustrie ab. Thilo Bode: Die Essensfälscher". (Foto: S. Fischer Verlag; Montage: t-online.de)

Thilo Bode: Die Essensfälscher". (Foto: S. Fischer Verlag; Montage: t-online.de)

Eine umfassende Abrechnung mit der Lebensmittelindustrie und mit der Politik ist das neue Buch von Foodwatch-Chef Thilo Bode. Der Titel: "Die Essensfälscher - Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen". Darin fällt Bode viele vernichtende Urteile über "Wellness-Nepp", "Fett- und Zuckerbomben"

Wie man noch mehr Lebensmittel an satte Menschen verkauft

Viele Beispiele, die er kritisiert kennt man bereits - etwa den Joghurtdrink "Actimel" von Danone, der laut Bode höchstens so viel Abwehrkräfte aktiviere wie Sauerkraut. Doch Bode führt uns vor Augen, wie die Nahrungsmittelindustrie manipuliert, um Profite zu machen, obwohl der Bedarf der Kundschaft eine natürliche Grenze hat: Wer satt ist, isst nichts mehr. Also geht es darum, was zu welchem Preis gegessen wird. "Essen ist Big Business." Mit allen Konsequenzen. Der Jahresumsatz allein in Deutschland beträgt jährlich rund 150 Milliarden Euro.

Täuschung mit ländlicher Idylle auf der Packung

Gammelfleischskandale, illegale Preisabsprachen, Ärger über Käse- und Schinken-Imitate, die Wut vieler Verbraucher über Mogelpackungen - all das scheine an den Multis abzuperlen, urteilt Bode. Die Unternehmen und ihre Führungskräfte "behaupten munter, Lebensmittel seien so sicher und gut wie noch nie, und pochen auf die eigene Gesetzestreue". Bode kritisiert, dass Täuschungs- und Irreführungsstrategien im Marketing zum ganz normalen Handwerk der Branche gehören: "Überall agieren holzlöffelrührende, mistgabelschwingende, dirndltragende Menschen, die 'nach alter Art' oder nach 'Omas Rezept' in Handarbeit 'traditionelle' Lebensmittel herstellen, die damit fast automatisch als irgendwie 'natürlich', 'gesund' und 'nachhaltig' geadelt sind."

Zucker- und Fettbomben aus dem Labor

"Tatsächlich aber ist unsere Nahrung, heute zum größten Teil das Resultat industrieller, völlig unidyllischer Massenfertigung." Unser Essen ist aufgehübscht, überzuckert, zu salzig und zu fett. Naturprodukte werden durch billigere Ersatzstoffe ausgetauscht, das heißt dann "verbesserte Rezeptur". Damit die Verbraucher das alles schlucken, bedarf es, so Bode, der "verharmlosenden und irreführenden" Werbung. Das Werbebudget beträgt jährlich etwa 2,8 Milliarden Euro, davon der größte Posten: 600 Millionen Euro nur für Süßwaren. So wird die "Milchschnitte" von Ferrero angepriesen, weil sie "leicht schmeckt und nicht belastet". Dabei enthalte sie so viel Zucker und Fett, dass sie "so empfehlenswert ist wie eine Schoko-Sahnetorte".

Irreführende Kennzeichnung mit schwerwiegenden Folgen

Bode wirft der Nahrungsmittel-Lobby vor, die transparente Kennzeichnung ihrer Produkte mit einem einfach zu verstehenden Ampelsystem zu verhindern. So könnten die Multis "uns Erwachsenen, aber auch vor allem den Kindern, weiterhin Lebensmittel verkaufen, die viel zu viel Zucker, Salz und Fett enthalten und so zum gesellschaftlichen Megaproblem des Übergewichts beitragen". Die Ampel würde den Lebensmittelkonzernen das "Tricksen und Täuschen" erschweren. Doch dazu müsse sich der Gesetzgeber entscheiden: Vertritt er die Interessen der Verbraucher - oder die der Wirtschaft?

Info zum Buch: Thilo Bode: Die Essensfälscher - Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010. 14,95 Euro.

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