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Hygiene-Ampel: Kommt die rote Ampel für Schmuddel-Restaurants?

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Kommt die rote Ampel für Schmuddel-Restaurants?

19.05.2011, 11:08 Uhr | dpa

Hygiene-Ampel: Kommt die rote Ampel für Schmuddel-Restaurants?.  Wie hygienische es in Küchen zugeht, soll mit einer "Hygiene-Ampel" gewertet werden.  (dpa)

Wie hygienische es in Küchen zugeht, soll mit einer "Hygiene-Ampel" gewertet werden. (dpa)

Womöglich machen Restaurantbesucher bald auf dem Absatz kehrt, wenn Sie beim Betreten des Lokals Rot sehen. Dann herrscht Schmuddel-Alarm. Wie sauber es in der Küche zugeht, bleibt bisher im Verborgenen. Das wollen die Verbraucherschutzminister der Länder ändern. Eine "Hygiene-Ampel" soll künftig in Grün, Gelb oder Rot die hygienischen Zustände anzeigen.

Der Fleck muss sofort weg

Die Bon-Maschine spuckt im Minutentakt neue Bestellungen aus. Spargel, Flammkuchen, Salat, Schnitzel. Im Bremer Rathauskeller gehen um die Mittagszeit die Gerichte fast wie am Fließband raus, jeder Handgriff muss sitzen. "Mehr Gemüsespalten, bitte", ruft Sous-Chef Oliver Wichmann. Sorgsam dekoriert er Pannfisch und Beilagen in einer Pfanne, ein dicker Klecks Soße landet auf der Anrichte. Sofort wischt Wichmann mit einem Tuch hinterher. Trotz Hektik hat Sauberkeit oberste Priorität in der Küche des Ratskellers - und ob sich die Mitarbeiter dran halten, überprüft Küchendirektor Arnd Feye mit strengem Blick.

Jedes dritte Lokal in Nordrhein-Westfalen beanstandet

Doch nicht in allen Restaurants geht es so ordentlich zu. Im vergangenen Jahr haben Bremer Kontrolleure 3800 Lebensmittelbetriebe unter die Lupe genommen. Bei mehr als zehn Prozent bestanden größere Mängel. In Nordrhein-Westfalen beanstandeten die Experten sogar jedes drittes Lokal.

Unappetitliches bleibt Restaurantbesuchern oft verborgen

Abgelaufene Lebensmittel, schmutzige Arbeitsflächen, nachlässiges Personal - wie unappetitlich es in manchen Küchen zugeht, bekommen die Gäste selten mit. Das wollen die Verbraucherschutzminister der Länder nun ändern. Eine "Hygiene-Ampel" soll möglichst schon vom 1. Januar 2012 an sichtbar am Eingang von Gaststätten hängen. Sie zeigt das Ergebnis der letzten Lebensmittelkontrollen an. Steht die Skala auf Grün, kann man bedenkenlos speisen, bei Gelb sind Zweifel angesagt, und bei Rot gab es schwerwiegende Mängel. Später sollen auch Bäcker, Fleischer, Händler, Großküchen und Wochenmärkte dazukommen. Im Internet wird die Bewertung ebenfalls abrufbar sein.

Wo die Schwächen der "Hygiene-Ampel" liegen

Als der "Ratskeller"-Küchendirektor Feye zum ersten Mal von der "Ampel" hörte, dachte er: "Kein Problem." Schließlich hatten die Lebensmittelkontrolleure in seinem Haus bis auf Kleinigkeiten wie abgeblätterte Farbe nie etwas zu kritisieren. Das grüne Licht neben der Eingangstür wäre also ein gutes Aushängeschild. Doch umso länger Feye über das geplante System nachdachte, desto differenzierter sah er es. "Das Ganze ist nur eine Momentaufnahme. Es gibt keine Branche, in der so viel Fluktuation herrscht wie in der Gastronomie - mal ist es ein guter Pächter, mal ein schlechter." Doch was passiert bei einem Betreiberwechsel? Bleibt die "Ampel" hängen? Oder wird sie abgenommen, bis ein Kontrolleur den Betrieb besucht hat. "Doch bis dahin wundern sich die Gäste, wieso der keine 'Ampel' hat." Feye befürchtet, dass das System am Ende nicht für mehr Transparenz sorgt, sondern diese den Gästen nur vorgaukelt.

Es werden mehr Kontrolleure gebraucht

Dafür sprechen auch die Zahlen. Bundesweit gibt es zurzeit 2500 Lebensmittelkontrolleure und damit 1200 zu wenig, wie der Vorsitzende des Bundesverbandes, Martin Müller, erläutert. "Nicht jeder Betrieb kann zur rechten Zeit kontrolliert werden." Dadurch könnte die "Ampel" das Bild verzerren, fürchtet er. Deshalb müssten Länder und Kommunen dringend mehr Personal für diese Aufgabe einstellen. Denn generell befürwortet Müller die bunte Farbskala. "Wir hoffen, dass dadurch ein Wettbewerb in der Hygiene entsteht."

Fachverband beklagt Wettbewerbsverzerrung

Beim Hotel- und Gaststättenverband kommt die Idee der Minister dagegen gar nicht gut an. Nicht, weil man schwarze Schafe decken wolle, versichert Sprecherin Stefanie Heckel. "Wir sehen vor allem das Problem der Wettbewerbsverzerrung." Auch Bäcker und Fleischer würden inzwischen Salate und teilweise sogar warme Gerichte anbieten. Die "Hygiene-Ampel" müssten sie aber erst später als die Gaststätten einführen.

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