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Beziehung aus Vernunft statt Liebe: Funktioniert das?

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Beziehung aus Vernunft: Funktioniert das?

10.10.2011, 06:26 Uhr | lf

Beziehung aus Vernunft statt Liebe: Funktioniert das?. Beziehung aus Vernunft statt Liebe - funktioniert das?  (Quelle: imago)

Beziehung aus Vernunft statt Liebe - funktioniert das? (Quelle: imago)

Verknallt? Oder knallhart kalkuliert? Nicht immer ist die Liebe der Grund, eine Partnerschaft einzugehen. Wenn man Großmütter fragt, was in einer Beziehung zählt, antworten sie gerne: Geld sei wichtiger als Gefühl. Kein Wunder: Heiraten zur finanziellen Absicherung oder um den gesellschaftlichen Status zu verbessern - das war zu Omas Zeiten keine Seltenheit. Nicht romantisch, aber vielleicht realistischer. Denn ebenso selten wie Liebeshochzeiten waren seinerzeit Scheidungen. Beides hat sich heute ins Gegenteil gekehrt haben. Was ist nun besser: Liebe aus Vernunft? Oder unvernünftige Liebe? Das meint ein Experte: 

Heute ist Herz Trumpf

„Grundsätzlich gibt es kein besser oder schlechter“, sagt Diplom Psychologe Roland Kopp-Wichmann aus Heidelberg. „Alles im Leben hat mehrere Facetten. Um dennoch eine Prognose zu geben behaupte ich aber, dass eine reine Vernunftsbeziehung in der heutigen Gesellschaft kaum mehr eine Chance hat“, so der Experte. So hat sich die Sehnsucht nach emotionaler Liebe hierfür zu sehr in den Vordergrund gestellt. „Vor allem durch die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Geschlechter haben wir es heute schlichtweg nicht mehr nötig eine Zweckgemeinschaft einzugehen“, erklärt er.

Gefühle sind stärker

So lassen sich demnach auch die heute höheren Scheidungsraten erklären: Aus wirtschaftlichen Aspekten hätte es heute kaum jemand nötig, eine Paarverbindung aufrecht zu erhalten. Im Gegenteil: „Ich erlebe es in der Praxis oft, dass Menschen, die sich plötzlich verlieben, weder Kosten noch Mühen scheuen, um sich aus der alten Beziehung zu lösen", sagt der Paartherapeut. "Auch wenn die bestehende Beziehung - jedenfalls zu einem gewissen Teil - auf wirtschaftlichen und anderen rationalen Nutzen aufgebaut hat. Die Gefühle sind stärker – und dürfen dies heute auch sein. Genau hier liegt die Sollbruchstelle einer Vernunftsehe“, erklärt der Therapeut.

Vernunft hat viele Gesichter

Die wirtschaftliche Absicherung sei jedoch nicht das einzig mögliche Vernunftsmotiv, das Menschen in Beziehungen treibt. Auch der Wunsch nach Zweisamkeit, Torschlusspanik, Machtstreben, sozialer Status  oder viele andere Gründe könnten die Kopfentscheidungen für eine Partnerschaft bestimmen. „Teilweise  spricht der Kopf dabei sogar ohne, dass das Herz es überhaupt merkt. Wir verlieben uns automatisch und unbewusst auch in die pragmatischen Vorteile, die ein Partner oder eine Beziehung mit sich bringt. Vollkommen lassen sich Herz und Kopf eben nicht trennen. Das ist normal“, so Kopp-Wichmann.

Der Zweck heiligt die Mittel

Und was heißt das? Vielleicht, dass die Vernunft in der Liebe also doch gar nicht so unvernünftig ist, wie sie klingt? Der Therapeut jedenfalls behauptet es: „Die Ratio kann durchaus förderlich für die Stabilität einer Beziehung sein. Nämlich dann, wenn sie eine von mehreren Säulen der Beziehung bildet und diese zwar unterstützt, aber nicht vollkommen trägt.“ So belegen Studien, dass Paare, die ein gemeinsames wirtschaftliches Risiko tragen (etwa durch den Kauf eines Hauses), sich seltener scheiden lassen, als Partner, die rational völlig unabhängig voneinander sind.

Herz trifft Hirn: Der Mittelweg

Das Credo des Experten lautet daher: „Rationale Gründe für eine Beziehung können die Partner auch emotional verbinden.“ Jedenfalls dann, wenn das Gleichgewicht gehalten wird. Es kann nicht verkehrt sein, die rationalen Vorteile wie gemeinsame Ziele, ähnliche Bildung, gutes Gehalt, die der Partner oder die Beziehung bringt, schätzen zu wissen. „Solange das Herz noch immer lauter spricht, als der Kopf, sollten Sie am besten Beides genießen“, rät der Therapeut.

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