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Freundschaft und Finanzen: Verträgt sich das?

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Freundschaft und Finanzen: Verträgt sich das?

23.11.2011, 12:25 Uhr | lf

Freundschaft und Finanzen: Verträgt sich das?. Geld leihen kann eine Freundschaft belasten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Geld leihen kann eine Freundschaft belasten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Hört bei Geld die Freundschaft auf? Oder fängt sie dort gerade erst an? Vielen fällt es schwer, die besten Freunde um Geld zu bitten - aus Angst, die Freundschaft könnte Schaden nehmen. Anwalt Markus Feck erklärt, wie eine Geldleihe Freundschaften sogar stärken, statt zerstören kann.

Freunden hilft man aus der Klemme. Aber warum überkommt einen dann dennoch dieses ungute Gefühl, wenn tatsächlich ein geliebter Mensch um monetäre Hilfe bittet? „Zunächst wohl, weil das Thema Geld hierzulande grundsätzlich nicht gern besprochen wird“, erklärt Markus Feck, Anwalt und Bankjurist der Verbraucherzentrale NRW und behauptet weiter: „Hinzu kommt, dass bei der Bitte um Geld beide Parteien in eine unangenehme Situation geraten.“ Der Bittende müsse zugeben in einer Notlage zu sein, während beim befreundeten Gegenüber automatisch eine Art emotionale Klemme entstünde. „Als Freund sieht man sich quasi verpflichtet, helfen zu müssen. Hinzu kommt die Hemmung Vieler, auf einen Vertrag zu pochen – man sei schließlich befreundet und Freundschaft basiert auf Vertrauen“, erklärt der Jurist. 

Verträge sichern Finanzen und Freundschaften

Vertrauen allein ist jedoch keine Rechtsgrundlage. „Und wenn das Geld nicht wieder kommt, ist es mit dem Vertrauen ohnehin vorbei“, ergänzt Feck. Deshalb generell von Geldleihen unter Freunden abzuraten, sei aus Sicht des Anwalts jedoch übertrieben. Im Gegenteil: „Natürlich kann und soll man einem Freund helfen. Wozu gibt es sonst Freunde? Und wozu gibt es sonst Verträge“, scherzt der Anwalt und erklärt: „Verträge haben oft zu Unrecht ein negatives Image. Sie dokumentieren nämlich weder ein Misstrauen, noch eine böse Unterstellung.“

„Vertrag“ klingt wie „vertragen“

„Verträge sind nichts weiter, als Regelungen, die Sicherheit bieten sollen – und zwar für beide Parteien“, so Feck. Der Beliehene dokumentiert seine Leistung und sein Rückforderungsrecht. Aber auch der Leihende ist geschützt. „Bei einem vertraglich fixierten Rückgabetermin kann der Verleiher beispielsweise im Nachhinein die Rückforderung nicht einfach früher stellen oder einen höheren, als den dokumentierten, Betrag fordern“, erklärt der Anwalt.

Mündlich oder schriftlich?

Verträge sind, laut Experten, daher unerlässlich, um sowohl die Rückzahlung, als auch die Freundschaft zu sichern. Der Experte rät dabei unbedingt zu einer schriftlichen Fixierung des Vertrages. Auch die Bekundung durch einen Zeugen sei in Ordnung. „Im Zweifel ist es aber deutlicher und einfacher nachzuweisen, wenn man einen schriftlichen und unterzeichneten Vertrag vor sich liegen hat. Im rechtlichen Sinne nehmen solche freundschaftlichen Leihen übrigens die Vertragsform eines Darlehens an“, erklärt Feck.

Zinsen oder nicht?

Sinn einer Freundschaft sei es zwar nicht, sich an dem Anderen zu bereichern, das Thema Zinsen solle man aus Sicht des Anwalts dennoch nicht unberücksichtigt lassen. Im Gegenteil: „Macht der um Geld bittende Freund das Angebot einer Zinsvereinbarung, erhöht er damit das Vertrauen des Beliehenen. Zudem können die Zinsen einen attraktiven Anreiz für diesen darstellen. Bekommt der Darlehensgeber von seinem Freund beispielsweise mehr Zinsen, als aktuell von seiner Bank, und ist der Zinsbetrag dennoch unterhalb des Kurses, den die Bank dem Darlehensnehmer im Fall eines Vertrages stellen würde, profitieren beide Parteien“, so der Anwalt.

Bar oder überweisen?

Die Überweisung des geliehenen Geldes sei in der Praxis üblich und mache auch Sinn. „Es dient einfach der Dokumentation, das tatsächlich Geld geflossen ist“, erklärt der Experte. Wichtiger Hinweis: Wer als Verwendungszweck der Überweisung den Begriff „Darlehen“ angibt ersetzt damit zwar keinen Vertrag, macht aber ebenfalls seinen Zahlungswillen deutlich und vereinfacht die Dokumentation. Feck ergänzt: „Es spricht aber auch nichts dagegen das Geld bar zu übergeben. Jedenfalls dann, wenn die Übergabe schriftlich quittiert wird. Dann ist auch hier eine nachvollziehbare Dokumentation gewährleistet.“

Reden, reden, reden

Verträge sind also sicher und die Schriftform erleichtert die Abwicklung. Doch eines kann das geschriebene Wort nicht: „Das gesprochene Wort eines Freundes ersetzten“, erklärt der Jurist und rät: „Sowohl als Darlehensnehmer als auch als Geber sollte man sich nicht scheuen, die Situation gründlich zu bereden.“ Nur wenn man versteht, woher die Geldsorgen des Freundes stammen und wie er diese zu lösen versucht, kann man die Situation erfassen, sein eigenes Bauchgefühl sortieren und vielleicht einem Freund helfen – sowohl emotional, als auch materiell. Freundschaften sind schließlich in Geld allein nicht aufzuwiegen.

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