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Stalking: Bei Anruf Panik

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Stalking: Bei Anruf Panik

24.11.2011, 11:00 Uhr | tp

Stalking: Bei Anruf Panik. Frauen müssen sich gegen Stalker wehren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Frauen müssen sich gegen Stalker wehren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Madonna ist es bereits passiert, Jennifer Aniston und Jodie Foster ebenfalls. Aber auch Frauen, die weder reich noch berühmt sind, kann es passieren: Sie werden von einem Stalker bedrängt, der ihnen das Leben zur Qual macht. Ein Stalking-Opfer berichtet.

Anonymer Verehrer oder Exfreund

Muss sich die Frau von nebenan mit einem – mal lästigen, oft aber auch gefährlichen – Verfolger herumschlagen, ist es nicht selten der Ex oder ein nahestehender Bekannter. Manchmal ist es allerdings auch ein Wildfremder, dem man nie vorher begegnet ist. Als bei mir eines Abends das Telefon klingelte und eine unbekannte männliche Stimme erzählte, wie gut ich doch aussehen würde, fühlte ich mich geschmeichelt. Er hatte ein Bild von mir in der Zeitung entdeckt, das bei einer Straßenumfrage entstanden war.

Schlaflose Nächte für die Opfer

Die ersten paar Male lächelte ich noch über meinen „schüchternen Verehrer“, der nie viel sprach und täglich anrief. Doch als er mein Telefon auch nachts klingeln ließ und einfach nur in den Hörer atmete, verging mir schnell das Lachen. Meine recht nachdrücklichen Aufforderungen, mich in Ruhe zu lassen, animierten ihn, noch penetranter zu werden. Eines Nachts nach einem Clubbesuch, bekam ich prompt eine Zusammenfassung meines Abends via Telefon.

Immer unter Beobachtung

Er wusste, was ich angehabt und getrunken hatte, beschrieb jedes Detail. Ein flaues Gefühl machte sich breit, weil mir klar wurde, dass er mich beobachtet hatte – und vielleicht nicht zum ersten Mal. Aus dem Ärger über die nächtlichen Störungen, den ich bis dahin empfunden hatte, wurde Angst. Egal, wo ich hinging, ständig verspürte ich den Drang, mich umzudrehen. Ich kannte ihn nicht, doch ich ahnte: Er war immer dabei.

Stalker: "Du bist tot!"

Das Telefon tyrannisierte mich mittlerweile fast ununterbrochen. Der Typ schien keinen anderen Lebensinhalt mehr zu haben, als mich zu verfolgen und zu belästigen. Als nach einigen Wochen ein guter Freund an mein Telefon ging, um ihn zur Räson zu bringen, flippte mein Stalker völlig aus. Jeder Anruf wurde zur Drohung. Krankhafte Beschreibungen dessen, was er mir antun würde, kamen aus dem Hörer. Allein das Klingeln ließ mich bald zusammenzucken. Trotzdem schaffte ich es nicht, einfach aufzulegen.

Dauerterror macht krank

Nach neun Wochen Dauerterror lagen meine Nerven so blank, dass ich nach einem weiteren nächtlichen Drohanruf komplett hysterisch wurde. Heulend, verängstigt und vollkommen panisch rief ich die Polizei an. Das hätte ich viel eher tun sollen. Ich wurde ernst genommen, mein Telefon wurde an eine Fangschaltung angeschlossen. Danach war der Spuk schnell vorbei. Einige Tage später schnappten sie ihn. Ich hatte seinen Namen nie vorher gehört. Als ich ihn sah, blieb er mir fremd, er sah unscheinbar und beinahe langweilig aus.

Sofort Hilfe suchen

Ich hatte Glück, danach war Ruhe. Es gab eine Gerichtsverhandlung und er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Viele Frauen leiden jedoch nach einer Anzeige monate- oder sogar jahrelang weiter unter ihrem Verfolger. Etwa 83 Prozent der Stalker sind laut LKA Bremen männlich, 79 Prozent der Opfer weiblich. Teils bleibt es nicht beim Terror per Telefon: Sachbeschädigungen oder gar körperliche Angriffe sind die (nicht seltene) Steigerung. Ich weiß inzwischen: Der Gang zur Polizei ist der einzige Weg, etwas dagegen zu tun.

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