Sie sind hier: Home > Leben >

Wie der Bio-Pfusch funktioniert

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Verbraucher  

Wie der Bio-Pfusch funktioniert

07.12.2011, 17:07 Uhr | Christian Teevs, Spiegel Online

. Wo "Bio" draufsteht, ist nicht immer "Bio" drin.  (Quelle: dapd)

Wo "Bio" draufsteht, ist nicht immer "Bio" drin. (Quelle: dapd)

Das Auffliegen einer italienischen Fälscherbande schreckt die Bio-Branche und ihre Kunden auf. Auch nach Deutschland lieferten die Betrüger als Öko-Ware deklarierte Lebensmittel. Oft helfen Behördenvertreter beim faulen Geschäft - schärfere Kontrollen würden auch die Verbraucher mehr kosten.

Bio-Lebensmittel für ein gutes Gewissen

Wer Bio-Lebensmittel kauft, tut das häufig wegen eines guten Gefühls: Man tut etwas für die Umwelt, für die Tiere und - so glauben es zumindest fast 80 Prozent der Verbraucher - auch etwas für die eigene Gesundheit. Ob das stimmt, ist unter Experten umstritten. Doch selbst wenn nicht: Gammelfleisch, Dioxin-Eier und andere Skandale der konventionellen Herstellung sorgen schon dafür, dass die einstige Nischenbranche Bio boomt.

Nicht überall wo Bio drauf steht ist Bio drin

Umso verheerender für Produzenten und Händler dürfte der Eindruck sein, der sich nach dem jüngsten Lebensmittelskandal aufdrängt: Nicht immer ist dort, wo Bio draufsteht, auch wirklich Bio drin. Eine Fälscherbande aus Italien hat 700.000 Tonnen konventionelle Lebensmittel als Öko-Produkte deklariert. Mehl, Soja und Trockenfrüchte im Wert von 220 Millionen Euro wurden in mehrere europäische Länder verkauft, auch nach Deutschland. Der italienische Markt für Bio-Lebensmittel ist in den vergangenen Jahren auf drei Milliarden Euro Umsatz angewachsen. Vertreter aus der Ökobranche bemühten sich am Mittwoch, den Betrug als Einzelfall darzustellen: Kein Siegel sei so sicher wie das Bio-Siegel, beteuern sie einhellig. Nirgends seien die Kontrollen so scharf wie bei den ökologisch hergestellten Lebensmitteln.

Im Ausland hat das System Schwächen

Doch stimmt das wirklich? Verbraucherschützer sind skeptisch. Zwar funktioniere die Aufsicht durch Behörden und private Kontrollstellen im Kern durchaus, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Doch vor allem im Ausland habe das System auch Schwächen. So sei nicht immer gewährleistet, dass die Kontrolleure wirklich unabhängig sind. "Wenn dann der Job davon abhängt, auch mal ein Auge zuzudrücken, sind Fehler nicht zu vermeiden", warnt Schwartau.

Chinesische Behörden machen gemeinsame Sache mit Betrügern

In China berichteten in der vergangenen Woche selbst staatliche Medien über Betrugsfälle: So vergeben manche Behörden Bio-Siegel gegen Bares. Wer ein paar tausend Dollar zahle, bekomme das Zertifikat, ohne die Bedingungen zu erfüllen - sprich auf Pestizide und Gentechnik zu verzichten, weniger Zusatzstoffe zu verwenden und höhere Standards bei der Tierhaltung einzuhalten.

Schwachstellen bei der Kontrolle von Rohstoffen

Auch der italienische Verband für Biolebensmittel fordert schärfere Kontrollen. Der Fall zeige die Schwachstellen vor allem bei der Kontrolle importierter Rohstoffe, die für den Anbau von Soja und Gerste verwendet würden, sowie der Kontrolle langer Produktionsketten zum Beispiel für Brot und Nudeln. Die Branche müsse strenger überwacht werden, um die "Infiltration eines expandierenden Sektors durch die Mafia" zu verhindern, so der Verband. Die Betrügerbande hatte offenbar Helfer in den Aufsichtsbehörden. So wurde auch der Direktor der Zertifizierungsstelle verhaftet. Die Bande soll konventionelle Lebensmittel gekauft haben, als "biologisch" deklariert haben, um das europäische Siegel zu erhalten. Dieses Label mit weißen Sternen auf grünem Grund gibt es seit knapp drei Jahren, das sechseckige deutsche Siegel darf aber parallel weiter verwendet werden.

Für deutsche Verbraucher besteht kaum Betrugsgefahr

"Das beste Kontrollsystem kann nicht verhindern, dass eine kriminelle Bande aktiv wird", sagt Alexander Gerber vom Bund Ökologische Landwirtschaft. "Aber es kann ihr - wie in diesem Fall - das Handwerk legen." Deshalb sei die Gefahr "äußerst gering", dass der deutsche Verbraucher bei einem Kauf fälschlicherweise deklarierte Bio-Produkte kaufe. Gerber geht davon aus, dass die Betrugsfälle unter ein Prozent des Gesamtumsatzes mit Bio-Produkten ausmachen.

In der EU "funktioniert generell"

Doch wie steht es nun wirklich um die Qualität der Kontrollen in der Europäischen Union? Stephan Dabbert von der Universität Hohenheim arbeitet derzeit an einer Studie, die genau das herausfinden soll. Die Ergebnisse würden zwar erst in vier Wochen veröffentlicht, sagt Dabbert. Doch klar sei schon jetzt: "Das System funktioniert generell, aber es gibt Schwächen." So plädiert Dabbert dafür, die Kontrollen in Risikobetrieben zu erhöhen. Dies seien zum Beispiel Unternehmen, die schon einmal negativ aufgefallen seien. Aber auch solche, die sowohl konventionelle wie auch Bio-Produkte herstellen.

Perfektes Kontrollsystem zu teuer

Manche Kontrollstellen und Behörden würden dies bereits so handhaben, sagt Dabbert. Aber eben europaweit nicht alle. Mit Blick auf den Fall in Italien empfiehlt der Agrarökonom zudem, Betriebe besonders stark unter die Lupe zu nehmen, die einen großen Marktschaden anrichten können. "Also Unternehmen, die entweder besonders viele Lebensmittel selbst produzieren oder eine große Zahl von Herstellern beliefern - zum Beispiel mit Futtermitteln." Ganz verhindern werde man Betrugsfälle aber auch so nicht, glaubt Dabbert. "Ein perfektes Kontrollsystem macht aber auch keinen Sinn. Die Kosten dafür wären viel zu hoch." Was er meint: Am Ende würde der Verbraucher das durch höhere Preise zu spüren bekommen - und sich im Zweifel keine Bio-Produkte mehr leisten können.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages
Ähnliche Themen im Web

Shopping
Shopping
Neu: MagentaMobil Start L mit 100 Minuten Allnet
zur Telekom
KlingelBabistabonprix.deLidl.deStreet OneCECILMADELEINEdouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Leben

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Telekom Fotoservice
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017