Sie sind hier: Home > Leben >

Geflügel und Antibiotika in der Massentierhaltung: Das sollten Verbraucher wissen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Antibiotika in der Tiermast - das Wichtigste für Verbraucher

10.01.2012, 11:38 Uhr | dpa

Geflügel und Antibiotika in der Massentierhaltung: Das sollten Verbraucher wissen. Hühner werden mit Antibiotikum gefüttert.  (Quelle: dpa)

Hühner werden mit Antibiotikum gefüttert. (Quelle: dpa)

Etwa jede zweite Stichprobe von Hähnchenfleisch aus Supermärkten und Discountern ist mit antibiotikaresistenten Keimen belastet, das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des BUND. Die Bundesregierung will dem übermäßigen Einsatz von Antibiotika bei Tieren einen Riegel vorschieben und strengere Gesetze verabschieden. Was Verbraucher wissen müssen: Ein Experte beantwortet die wichtigsten Fragen zu Antibiotika in Geflügel-Fleisch.

Flächendeckende "Medizin" für die Masthähnchen

Wenn der Tierarzt in den Stall kommt, bleibt es oft nicht bei einer Spritze. In Mastanlagen mit tausenden Hühnern oder Schweinen bekommen häufig gleich ganze Gruppen infektionshemmende Antibiotika verabreicht, wenn ein Tier erkrankt ist. Das soll eine Ausbreitung von Bakterien auf engem Raum verhindern. Experten warnen schon seit langem vor einem übermäßigen Einsatz der Allzweckmedizin, deren Nebenwirkungen bis zu den Verbrauchern reichen könnten - wenn am Ende Antibiotika auch bei kranken Menschen nicht mehr anschlagen. Die Bundesregierung will jetzt gegensteuern. Die Hähnchenmast produziert Risiken, die bei den Verbrauchern landen, kritisierte die Agrarexpertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Reinhild Benning. In einer kleinen Stichprobe bei Supermärkten entdeckte die Organisation in 11 von 20 Fleischpackungen Keime, die Antibiotika-unempfindlich sind. Schon zuvor haben aber auch umfassendere Studien gezeigt, dass die umstrittene Verwendung der Medizin keine seltene Ausnahme ist.

Tödliches Ende für bis zu 25.000 Menschen

"Der Antibiotika-Einsatz ist die Regel und gängige Praxis", beklagte Nordrhein-Westfalens Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne). Eine im Herbst vorgelegte Auswertung seines Hauses ergab, dass 96 Prozent der Masthähnchen Antibiotika bekommen. Im wichtigen Agrarland Niedersachsen greifen 85 Prozent der Betriebe dazu, wie das dortige Ministerium feststellte. Auch die Europäische Kommission ist alarmiert und legte bereits einen Aktionsplan vor. Der Hintergrund: Bis zu 25.000 Menschen in der EU kämen durch Infektionen ums Leben, die durch arzneimittelresistente Bakterien ausgelöst würden.

Schärfere Kontrollen und Gesetze geplant

Die deutschen Behörden sind ebenfalls sensibilisiert. Ende 2008 startete die Bundesregierung eine Initiative gegen die weitere Ausbreitung von Antibiotika-Unempfindlichkeiten - in den Augen von Kritikern bisher nicht entschieden genug. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will jetzt zu härteren Mitteln greifen und dafür das einschlägige Gesetz verschärfen. Sie appelliert aber auch an die Länder, die für Kontrollen zuständig sind. "Wir brauchen eine konzertierte Aktion", sagte ein Ministeriumssprecher. "Wenn Antibiotika zum Beispiel illegal zur Wachstumsförderung eingesetzt werden, ist das kein Kavaliersdelikt und muss geahndet werden."

Antibiotika-Datenbank für mehr Klarheit

Geplant ist unter anderem, dass Tierärzte sich strikt an die Anwendungsregeln auf der Packungsbeilage halten müssen. Der Einsatz von Antibiotika soll zudem schon über eine längere Zeitspanne vor dem Schlachttermin dokumentiert werden müssen. Überhaupt gibt es Rufe nach besseren Informationssystemen. Damit sei leichter zu erkennen, ob Betriebe auffällig viel Antibiotika ordern. Nordrhein-Westfalen will dazu an diesem Mittwoch eine Datenbank starten. Der BUND forderte zudem, dass Tierärzte Arznei nicht mehr aus einer Hand verschreiben und zugleich verkaufen dürften.

Bauernverband: Antibiotika-Menge rückläufig

Die Verunsicherung vieler Menschen werde ernst genommen, heißt es beim Bauernverband und beim Bundesverband Praktizierender Tierärzte. Beide warnen aber vor politischen Schnellschüssen. "Es wäre mit dem Tierschutz nicht vereinbar, kranke Tiere nicht zu behandeln und leiden zu lassen." Zur Vorbeugung von Infektionen bei Tieren solle etwa stärker auf Impfungen gesetzt werden. Zudem warnen die Vertreter vor Panikmache. Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born, sieht in der Erhebung des BUND "keine wirklich neuen Erkenntnisse". Die Menge an eingesetzten Antibiotika sei sogar rückläufig, sagte Born der "NOZ". Der BUND attackiere zudem die Massentierhaltung, "ohne zu definieren, was er darunter versteht". Kritiker der Massentierhaltung sehen sich wiederum durch die Debatte in ihrer Grundsatzkritik bestätigt. "Wir haben es satt - Bauernhöfe statt Agrarindustrie!" lautet das Motto einer am 21. Januar geplanten Demonstration mehrerer Initiativen und Verbände - passend zum Treff der internationalen Agrarbranche bei der "Grünen Woche" in Berlin.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Shopping
Shopping
Perfekt aussehen in nur einer Minute mit Magic Finish
jetzt entdecken bei asambeauty
Shopping
Bis zu 1,5 GB Datenvolumen - ab 2,95 €* pro 4 Wochen
die neuen Prepaid-Tarife der Telekom
KlingelBabistabonprix.deESPRITStreet OneCECILMADELEINEdouglas.demyToys
Meistgesuchte Themen
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Leben

Anzeige
shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Telekom Fotoservice
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017