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Goldener Windbeutel 2012: Kindertee von Hipp als dreisteste Werbelüge gekürt

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"Goldener Windbeutel" 2012  

Kindertee von Hipp bekommt "Goldenen Windbeutel" 2012

19.06.2012, 09:41 Uhr | dapd, dapd

Goldener Windbeutel 2012: Kindertee von Hipp als dreisteste Werbelüge gekürt . Verbraucher wählen die dreisteste Werbelüge 2012. (Quelle: Foodwatch)

Verbraucher wählen die dreisteste Werbelüge 2012. (Quelle: Foodwatch)

Die Verbraucher haben entschieden: Der zuckrige Kindertee von Hipp ist zur dreistesten Werbelüge 2012 gewählt worden und somit Gewinner des "Goldenen Windbeutels". Fast 130.000 Verbraucher haben an der Online-Abstimmung von Foodwatch teilgenommen. "Goldener Windbeutel" - Plätze eins bis fünf.

44.000 Verbraucher stimmen für Hipp ab

Bei der am Dienstag zu Ende gegangenen Online-Abstimmung stimmten mehr als 44.000 Verbraucher (34,1 Prozent) für die Zuckergranulat-Tees "Früchte", "Waldfrüchte" und "Apfel-Melisse" von Hipp. Hipp hatte die Instant-Tees als geeignete Getränke für Kleinkinder ab dem 12. Monat beworben, teilte Foodwatch mit. Der Kindertee bringe es aber auf umgerechnet zweieinhalb Stück Würfelzucker pro 200-Milliliter-Tasse. Experten empfehlen, Kindern nur ungesüßte Tees zu geben.

Hipp will Tee vom Markt nehmen

Foodwatch-Mitarbeiter Oliver Huizinga sagte: "Eltern ein solches Produkt für Kleinkinder zu empfehlen, ist unverantwortlich und passt in keiner Weise zu dem so oft betonten Anspruch von Hipp, 'kindgerechte' und 'gesunde' Produkte anzubieten." Nach Bekanntgabe der Nominierung für den "Goldenen Windbeutel" habe der Hersteller versprochen, die Produkte bis Ende des Jahres durch neue Produkte ohne Zuckerzusatz ersetzen zu wollen. Der Preis soll noch am Dienstag am Unternehmenssitz des Herstellers im bayerischen Pfaffenhofen übergeben werden.

Hackfleisch von Netto auf Platz zwei

Auf Platz zwei der Etikettenschwindelliste schaffte es die "Viva Vital Hackfleisch-Zubereitung" von Netto (27,5 Prozent). Auf Rang drei folgte "Becel pro activ" von Unilever (22,2 Prozent) vor "Clausthaler" von Radeberger (10,1 Prozent). Auf Rang fünf lag "Landlust Mirabelle & Birne" von Teekanne (6,1 Prozent). Der "Goldene Windbeutel" wurde zum vierten Mal vergeben. Nominiert waren fünf Produkte, die vom 22. Mai bis zum 18. Juni gewählt werden konnten.

Foodwatch kämpft gegen irreführende Werbepraktiken

Aufgabe des Preises ist es Foodwatch zufolge, gemeinsam mit den Verbrauchern Druck auf die Lebensmittelindustrie auszuüben, damit diese ihre "irreführenden Werbepraktiken" aufgibt. Die bisherigen Gewinner waren Milch-Schnitte von Ferrero (2011), Monte Drink von Zott (2010) und Actimel von Danone (2009). Ferrero hatte den Preis im vergangenen Jahr abgelehnt: Es gebe keine Hinweise, dass die Verbraucher die Werbung als irreführend empfänden.

Bode fordert Gesetz für Kinder-Produkte

Der Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode forderte die Bundesregierung in einem dapd-Interview auf, den Markt für Kinderlebensmittel zu regulieren. "Es dürfen nur noch Produkte, die wirklich geeignet für Kinder sind, als solche beworben werden", sagte er. Mit einem entsprechenden Gesetz hätte es Hipps Zucker-Tees für Kleinkinder gar nicht erst gegeben.

Verbraucher werden getäuscht

Die vielen Fälle von Verbrauchertäuschung sagten nicht nur etwas über die Praktiken der Unternehmen, sondern auch über das Versagen des Staates beim Schutz der Verbraucher, erklärte Bode. Täuschung sei im Lebensmittelrecht zwar verboten - in der Praxis aber sehe es anders aus. "Es fehlt überall an Transparenz, bei den Herkunftsangaben, bei den Zutaten, der Tierhaltung, beim Einsatz von Gentechnik", sagte Bode. Benötigt würden Gesetze, die endlich den legalen Etikettenschwindel illegal machten.

Süßigkeiten sind keine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit

Bode kritisierte auch die Werbung von Fußball-Nationalspielern für ungesunde Lebensmittel. "Die Herren Schweinsteiger, Müller und Co. würden ihrer Vorbildrolle gerade für Kinder eher gerecht, wenn sie sich nicht mehr für die Werbung von Chips und Salami mehr hergeben", sagte er. Der Deutsche Fußballbund verstoße ohne Scham gegen seine eigene Satzung als gemeinnütziger Verein, "in der ein Vereinszweck die Förderung gesunder Ernährung ist". Dazu passe es nicht, wenn der DFB sich von einem Süßwarenhersteller wie Ferrero finanzieren lasse, indem er mit seinem guten Namen die Vermarktung von Süßigkeiten als sportlich-leichte Zwischenmahlzeiten unterstütze.

Foodwatch wurde im Oktober 2002 als eingetragener Verein mit Sitz in Berlin vom früheren Greenpeace-Chef Thilo Bode gegründet, der seitdem als Geschäftsführer fungiert.

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