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K.-o.-Tropfen: Opfer können sich an nichts mehr erinnern

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K.-o.-Tropfen  

"Die Erinnerung ist völlig weg"

16.07.2012, 16:26 Uhr | Nadine Hofmann/dapd

K.-o.-Tropfen: Opfer können sich an nichts mehr erinnern.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Opfer der Vergewaltigungsdroge Liquid Ecstasy leiden unter den fehlenden Erinnerungen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine dunkle Gestalt steht vor Maria* und starrt sie an. Die junge Frau will weglaufen, doch sie kann sich nicht bewegen. Die Gestalt kommt näher und beugt sich über sie. Maria will schreien, doch sie bleibt stumm. Ihr Herz rast. Dann wacht sie endlich auf und stößt einen lauten Schrei aus. "Es ist immer der selbe Traum" sagt Maria. Der Abend in einem Club in der Nähe von Leipzig verfolgt die 19-Jährige bis in den Schlaf. Ein Fremder hatte ihr damals K.-o.-Tropfen ins Glas geschüttet.

Es sollte ein ausgelassener Abend werden

Es ist ein Abend im Juli und die Sommerferien haben grade angefangen. Maria und fünf Freunde haben sich getroffen um in einem Club feiern zu gehen. Als die Gruppe um halb eins an den Türstehern vorbei läuft, ist es schon sehr voll auf der Tanzfläche. Maria und ihre Freunde gehen an die Bar und bestellen etwas zu trinken. Maria trinkt die Hälfte von ihrem Gin Tonic, bevor sie sich zusammen mit ihrer Freundin Lena in Richtung Tanzfläche bewegt. Ihrer Gläser stellen sie auf einem Bartisch ab.

Hitzewallungen und Schwindelgefühl

Nach einigen Minuten merkt Maria, wie ihr schwindelig wird. Schweißtropfen bilden sich auf ihrer Stirn und eine unangenehme Hitze steigt in ihr auf. Ihre Freundin Lena, die neben ihr mit einem Freund tanzt, merkt davon nichts. Maria braucht Luft und drängt sich durch die Menge in Richtung Ausgang. An den Türstehern vorbei setzt sie sich erst einmal auf eine Mauer auf der anderen Straßenseite. Die Hitze löst sich langsam, das Schwindelgefühl lässt nach. Maria atmet die kühle Luft ein, und spürt wie sich ihre Kopfhaut zusammen zieht bis sie ein kurzes Stechen im Hinterkopf verspürt. Noch einen kurzen Moment bleibt sie auf der Mauer sitzen, den Kopf in die Hände gestützt. Noch einmal atmet sie tief ein und wieder aus, bevor sie sich auf den Weg zurück in den Club machen will.

"Alles hat sich gedreht"

Doch soweit kommt Maria gar nicht. Langsam steht sie von der Mauer auf, als ihr sofort wieder schwindelig wird. Sie verliert den Halt und bekommt gerade noch die Mauer hinter sich zu fassen. Sie lässt sich zu Boden gleiten. Das Schwindelgefühl ist jetzt noch heftiger als zuvor. "Alles hat sich gedreht" erzählt die junge Frau. Zum Schwindelgefühl gesellt sich jetzt auch noch eine plötzliche Übelkeit. Maria muss sich übergeben. Mit angewinkelten Beinen sitzt sie auf dem Boden und hält ihren Kopf zwischen den Beinen. Sie ist froh, dass sie so niemand sieht.

Plötzlich wird alles schwarz

Als plötzlich eine Gestalt auf sie zukommt, weiß sie nicht, wie lange sie schon auf der Straße sitzt. Die Gestalt kommt näher - es ist ein junger Mann. Maria versucht sich auf ihren Händen nach oben zu stützen und aufzustehen – vergeblich. Nur noch verschwommen sieht sie den Mann, der offensichtlich etwas von ihr will. Doch gerade als sie versucht erneut die Kraft aufzubringen und sich aufzustemmen wird es plötzlich schwarz um sie herum. In Sekundenschnelle wird Maria ohnmächtig. "Was dann passiert ist, weiß ich nicht mehr. Die Erinnerung ist völlig weg".

Die Vergewaltigungsdroge Liquid Ecstasy

Marias Geschichte ist kein Einzelfall: Täglich werden junge Mädchen unter Drogen gesetzt um sie abhängig oder gefügig zu machen. Immer häufiger wird dabei Liquid Ecstasy eingesetzt.  Bei der sogenannten Vergewaltigungsdroge handelt es sich um Gamma-Hydroxy-Buttersäure, eine in der Regel farblose Substanz, bei der die Wirkung nach etwa einer Viertelstunde einsetzt und einige Stunden anhält. In niedrigen Dosen wirkt die Substanz euphorisierend und sexuell stimulierend.

Die seelischen Schäden sind nicht so leicht behandelbar

Maria hatte Glück. Der junge Mann der auf sie zukam war ein Freund. Sofort rief er den Notdienst. Zu Bewusstsein kam das junge Mädchen wieder im Krankenwagen, der sie in die Notaufnahme brachte. Diagnose: Eine Überdosis der Vergewaltigungsdroge Liquid Ecstasy. Die Tropfen hatte ihr wahrscheinlich jemand ins Glas gemischt. Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, niedriger Blutdruck, Atemnot, Verwirrtheit, Krämpfe. Maria ist mit einem blauen Auge davon gekommen. Nach zwei Tagen im Krankenhaus wurde sie wieder entlassen. Doch was ihr am meisten zu schaffen macht ist nicht so leicht behandelbar: "Was mich am meisten quält, ist die fehlende Erinnerung an das, was passiert ist und die Vorstellung davon was hätte passieren können".

Verdacht auf Missbrauch

Doch nicht jeder hat so viel Glück wie Maria. Häufig werden Opfer ausgeraubt oder vergewaltigt. Bei einem möglichen sexuellen Missbrauch nach Verabreichung sogenannter K.-o.-Tropfen raten Frauenärzte deshalb zu einer sofortigen Untersuchung. Andernfalls bestehe nicht nur das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch für Infektionen mit Geschlechtskrankheiten oder HIV. Auch wenn es sehr unangenehm sei, sollten sich von sexueller Gewalt Betroffene demnach vorher nicht waschen, damit keine Beweismittel verloren gehen.

Opfer sollten zur Polizei gehen

Viele gehen aus Scham nicht zur Polizei, deshalb ist auch eine Zahl der Opfer nicht bekannt. Dabei sei allein schon die Verabreichung der Tropfen strafbar, heißt es in einer Mitteilung des Berufsverband der Frauenärzte (BVF). Opfer sollten sich daher auch nicht davor scheuen, die Polizei zu verständigen. K.-o.-Tropfen seien allerdings nur bis zu acht Stunden im Blut und bis zu zwölf Stunden im Urin nachweisbar. Daher sei unbedingt eine zeitnahe Untersuchung notwendig.

Auch Maria hat keine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. "Es würde ja eh nichts bringen", meint sie. Ihre Mutter konnte sie ebenfalls nicht dazu bewegen.

* Name von der Redaktion geändert

 

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