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Gammelfleisch-Skandal droht: Niedersächsische Wurstfabrik unter Verdacht

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Neuer Lebensmittel-Skandal  

"Es wird auch Fleisch angeliefert, das schon grün ist"

07.11.2013, 14:36 Uhr | hut, rtr, dpa

Gammelfleisch-Skandal droht: Niedersächsische Wurstfabrik unter Verdacht. Gammelfleisch: In einer niedersächsischen Fabrik wurde angeblich verdorbenes Fleisch verarbeitet und weiterverkauft. (Quelle: dpa)

In einer niedersächsischen Fabrik wurde angeblich Gammelfleisch verarbeitet und weiterverkauft. (Quelle: dpa)

Eine Wurstfabrik im niedersächsischen Bad Bentheim steht im Verdacht, Gammelfleisch billig aufgekauft und weiterverarbeitet zu haben. Zwei ehemalige Mitarbeiter brachten den Skandal an die Öffentlichkeit und wurden nach eigenen Angaben prompt unter Drohungen entlassen. Das berichtet die heutige Ausgabe des ARD-Verbrauchermagazins "Plusminus". Experten vermuten, dass das Fleisch längst auf unseren Tellern gelandet sein könnte. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Grünes, stinkendes Fleisch angeliefert

Zehntausende Kilo stinkendes Gammelfleisch seien Woche für Woche extra angekauft und unter Frischfleisch gemischt worden, behauptet ein ehemaliger Mitarbeiter der Fleischfabrik gegenüber der "Plusminus". "Es wird auch Fleisch angeliefert, das schon grün ist", sagt er. "Wir Arbeiter weisen zwar darauf hin, dass das Fleisch schlecht ist. Aber dann wird uns gesagt, dass wir es doch verarbeiten sollen und wir werfen es in die Maschinen."

Im Fleischwolf wird Gammelware mit Frischfleisch vermengt

In der Lagerhalle der Fabrik stapeln sich laut Reportage die Kisten mit grauen, stinkenden Abfällen aus anderen Fleischbetrieben. In der niedersächsischen Wurstfabrik vermengen Arbeiter sie angeblich im Fleischwolf zu neuen Wurstwaren. Der Abfall würde dann so wieder in den Handel gelangen. Als die beiden Beschäftigten ihren Arbeitgeber wegen dieses Vorgehens kritisierten, wurden sie kurzerhand entlassen. Sie seien sogar bedroht worden, berichtet die ARD. Eines der Handy-Videos der Mitarbeiter, das "Plusminus" vorliegt, soll zudem zeigen, wie sie Ware umetikettieren. Alte Aufkleber würden mit einem Föhn entfernt, anschließend neue Etiketten mit anderen Haltbarkeitsdaten angebracht. Die Geschäftsführung meldete sich laut TV-Beitrag per Mail bei "Plusminus" und wies für die Gegenwart alle Vorwürfe zurück. "Nicht aber für die vergangenen Monate", heißt es in der Sendung.

Staatsanwaltschaft überprüft Verdacht

Ob die Ware bewusst falsch deklariert wurde, ist offiziell noch nicht bewiesen. Inzwischen hat sich die Staatsanwaltschaft Oldenburg eingeschaltet. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat bereits im Juni Proben in dem Betrieb genommen und die Untersuchungsergebnisse an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. "Es wurden Proben entnommen und sichergestellt", sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministeriums wird wegen des Verdachts von Kennzeichnungsverstößen und Urkundsdelikten ermittelt. Der Betrieb sei im Oktober durchsucht worden.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg will genauer überprüfen, ob sogenanntes Separatorenfleisch zum Einsatz kam, das nicht als solches gekennzeichnet wurde. Separatorenfleisch wird maschinell von den Knochen gelöst und darf nur verwendet werden, wenn die Produkte entsprechend gekennzeichnet sind.

"Wenn sich der Verdacht auf gewerbsmäßigen Betrug und falsche Kennzeichnung bestätigt, dann wäre es ein weiterer Skandal in der Billigfleisch-Industrie zu Lasten der Verbraucher", erklärte der niedersächsische Verbraucherschutzminister Christian Meyer. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen teilte mit, sollte sich der Verdacht bestätigen, sei das ein Beleg dafür, dass die amtliche Lebensmittelkontrolle nicht funktioniere. Die Organisation bekräftigte, die Lebensmittelüberwachung müsse reorganisiert werden.

Bislang keine Beweise

Außer den Zeugenaussagen hat die Staatsanwaltschaft bislang jedoch keine Beweise. "Die Durchsuchung im Juni hat zwar Hinweise auf verdorbene Ware im Wareneingang des Unternehmens ergeben, ob diese Ware aber für die Verarbeitung als Lebensmittel bestimmt war, ist unklar", sagte ein Sprecher der Behörde nach der Ausstrahlung des Beitrags.

Fäkalkeime in Fleischwaren gefunden

Der Wursthersteller aus Bad Bentheim weist die Vorwürfe zurück. Mikrobiologische Untersuchungen sprechen jedoch eine anderer Sprache: In den Proben hat man deutlich erhöhte Mengen an Keimen gefunden - "Vor allem Fäkalkeime oder Darmbakterien, die uns auch krank machen können", erklärt der Mikrobiologe Fritz Tietgemeyer von der Fachhochschule Münster im "Plusminus"-Beitrag. Zudem habe man nach abgebauten Fettkomponenten geschaut, die sich nur bei Gammelfleisch finden. Auch hier sei das Labor fündig geworden.

Mitarbeitern mit Anzeige bedroht

Der NDR, der "Plusminus" für die ARD produziert berichtet zudem über einen sehr fragwürdigen Umgang mit den Mitarbeitern der Firma. Nach Recherchen von "Plusminus" seien in dieser Woche Zettel in der Fabrik aufgehängt worden, in denen den osteuropäischen Arbeitern angedroht wird, dass jeder, der über die Vorgänge in der Firma mit Außenstehenden redet, angezeigt wird. Ihm würden dann angeblich bis zu drei Jahren Haft drohen.

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