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Deutscher Whisky auf dem Vormarsch

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Das deutsche Whisky-Wunder

28.11.2013, 14:00 Uhr | Christoph Schmidt, wanted.de

Deutscher Whisky auf dem Vormarsch . Deutscher Whisky ist auf dem Vormarsch. (Quelle: imago/HRSchulz)

Deutscher Whisky ist auf dem Vormarsch. (Quelle: HRSchulz/imago)

Das Whiskyfieber hat Deutschland infiziert. Whiskybars schießen wie Pilze aus dem Boden, traditionelle Korn- und Obstbrenner brennen Whisky mit eigener Handschrift. Grund genug für wanted.de auf Deutschlands größter Whiskymesse "Interwhisky" dem deutschen Whisky nachzuspüren. Wir wollten herausfinden, wer hinter so undeutsch klingenden Namen wie Coillmór oder Stonewood steckt.

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Dabei trafen wir einen bunten Haufen voller Enthusiasten, die sich aus Liebe zum Whisky in unbekanntes Terrain vorwagten. Dort kämpfen sie darum, mit ihren Produkten von der Whiskywelt ernst genommen zu werden. Eine Geschichte über deutschen Bauernkorn und einem Schluck für die Engel.
Wer etwas über deutschen Whisky erfahren möchte, sollte bei Hans-Gerhard Fink anklopfen. Der umtriebige Schwabe hat sich in wenigen Jahren mit der Marke finch an die Spitze der deutschen Whiskyproduzenten gesetzt. Von ihm erfahren wir, dass in Deutschland bereits "seit 150 Jahren Whisky gebraut wird". Der war meist ein Korn, der von Holzfässern sein besonderes Aroma erhielt. Die Ergebnisse waren mit den Erzeugnissen von heute allerdings nicht vergleichbar.
Denn seit wenigen Jahren setzen die Deutschen kompromisslos auf Qualität und machen sich ihr Know-how in der Herstellung von Bränden und Korn zu Nutze. >>

Fink gibt sich selbstbewusst: "Wir können in der vorderen Reihe mitspielen". Auch oder gerade weil die Deutschen im Vergleich zu den international agierenden Platzhirschen winzig sind. Folgender Vergleich verdeutlicht den Größenunterschied trefflich: Bei Glenfiddich verdunstet mit dem Angels' Share (Schluck für die Engel) in einem Jahr mehr Whisky als in Deutschland überhaupt gebrannt wird. Auf der einen Seite die deutschen Manufaktur-Brennereien, die meist im Familienbetrieb mit wenigen Leuten von Hand kleine Stückzahlen produzieren. Auf der anderen Seite die Schotten, die mit riesigen Whisky-Fabriken den Weltmarkt dominieren. Dem setzen die Deutschen Zusammenhalt, Austausch und Liebe zum Detail entgegen. Offenbar mit Erfolg.

Fink erzählt stolz: Von Jim Murray´s Whisky Bibel erhielten gleich zwei seiner Destillate die höchsten Auszeichnungen. Wir probierten den "finch Dinkel-Port" mit intensiven Rosinen- und Portweinaromen. Dabei ist er nicht mit einem Single Malt aus Schottland vergleichbar. Das will Fink auch gar nicht. Er setzt auf seinen eigenen Charakter. >>

Dabei ist ihm bewusst: "Erst der Boom hochpreisiger schottischer Destillate ebnete den Weg für die deutschen Hersteller."
Ein Beispiel hierfür erzählt uns Gregor Schraml von der Steinwälder Hausbrennerei: Wo früher sein Bauernkorn fast unverkäuflich war, kann er die Nachfrage nach dem selben Produkt unter dem Namen Stonewood nicht befriedigen. Der Oberpfälzer verpasste dem Traditionsbetrieb aus Erbendorf eine Verjüngungskur und feiert mit dem "Stonewood 1818" international Erfolge.
Mit Folgen: Der Betrieb kann lediglich vier Prozent der Nachfrage bedienen. Beachtlich, denn ein "Stonewood 1818" kostet 120 Euro. Dabei setzt Schraml auf besonders milde Destillate: "Das Mundgefühl muss stimmen." Die Rezeptur für das Whisky-Aushängeschild ist seit Ende des 19. Jahrhundert unverändert. Das Besondere: Nach der Destillation lagert der Bauernkorn in Weinbrandfässern. Das schlägt sich im Geschmack nieder, der mit seinem fruchtigen Aroma eher an einen Cour du Cognac erinnert. Erst im Nachhall offenbart der "Stonewood 1818" seine Wurzeln mit grünen Noten. Die 300 Flaschen im Jahr sind nummerierte Unikate – und auf Jahre vergriffen.

Deutscher Whisky und Liebhaberprodukte für Sammler

Nicht weit entfernt produziert Gerhard Liebl den vielfach prämierten Coillmór. "Wir machen deutschen Whisky", sagt er heimatbewusst. Denn für den detailverliebten Brenner ist Regionalität ein großes Thema. Dazu kommt der Faktor Geld: "Whisky ist wirtschaftlich unheimlich vielversprechend." Seit 2006 experimentiert er mit Fassabfüllungen. Er liebt die Verspieltheit des Whisky und macht Liebhaberprodukte für Sammler. So bringt er auch rauchige Whiskys auf den Markt. Daneben lagern seine Einzelfassabfüllungen in Sherry-, Port- oder Bourdeauxfässern. Wir probierten den getorften Port Cask. Er ist medizinisch und wild, jung im Antrunk und sehr rauchig. Erinnerungen an Schwarzwälder Schinken werden wach. Dann schlägt aber klar das Portweinfass mit Aromen von Rosinen durch. Aber nicht nur regional tätige Hersteller haben Whisky entdeckt. Die Edelobstbrennerei Ziegler, deren Luxusprodukte in keinem Sternerestaurant fehlen, setzt mit dem "Aureum" auf deutschen Whisky.

Ehrlichkeit und Handwerkskunst

Eine Schottlandreise gab hier die Initialzündung. Brennmeister Jürgen Marré berichtet wie sein Team von den Dimensionen in Schottland beeindruckt war. Sie besuchten Brennereien, schauten den Schotten über die Schulter und probierten sich durch. Am Ende stand die Erkenntnis: "Das können wir auch." Also betrat Marré mit dem "Aureum" Neuland – es ruhen hohe Erwartungen auf dem Produkt. So soll Whisky für den Ziegler-Umsatz immer wichtiger werden. Detailverliebt und qualitätsversessen wollen Marré und das Team um seinen Sohn Pascal eine eigene Handschrift entwickeln. "Ehrlichkeit und Handwerkskunst sind uns enorm wichtig", sagt der Brennmeister. In der Verkostung präsentierte uns Marré ein Highlight, das erst auf den Markt kommen wird. Ziegler verwendet hier Fässer des teuersten Weines der Welt, dem Château d'Yquem. Das Destillat streichelt mit seinen Blüten-Aromen die Zunge. Es ist rund, mit Noten von Biskuit und Vanille. Insgesamt ein sehr weicher Whisky, der auch Frauenherzen höher schlagen lassen dürfte. Wer Schottland in deutschen Whiskys sucht, sollte dagegen zu Michaela und Michael Habbel ins Ruhrgebiet fahren. Mit dem "Hillock" brennen sie seit 1977 Whisky. Er ist der schottischste unter den deutschen Whiskys und der am längsten gelagerte. Gebrannt wird der Whisky wie ein Korn. Der wandert dann zur Veredelung in Eichenfässer - "das Fass macht hier die Arbeit", weiß Michaela Habbel. Sie betont : "Whisky sollte Charakter haben und wiedererkennbar sein – das Besondere eben." Und das ist der Roggenwhisky "Whi-Sky" mit seiner eleganten Nase. Fast schon aristokratisch parfümiert. Im Geschmack sehr rund mit etwas Vanille – bei den "Germany’s Best Whisky Awards" 2013 reichte das für Platz zwei. Nun brennen die Habbels seit 2010 wieder Whisky, der im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. Ohnehin planen die deutschen Brenner für die Zukunft großes. Wen man auch fragt, fast alle wollen ausbauen, experimentieren und als deutsche Whisky-Gemeinschaft eine eigene Identität entwickeln. Vielleicht wird man dann eines Tages auch den deutschen Whisky nicht mehr belächeln – und Engel verlustieren sich auch an den hiesigen Bränden.

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