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Cochlea-Implantat: Prothese für Innenohr ist oft letzte Hoffnung

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Cochlea-Implantat  

Innenohr-Prothesen sind oft die letzte Hoffnung

09.01.2015, 08:24 Uhr | dpa-tmn

Cochlea-Implantat: Prothese für Innenohr ist oft letzte Hoffnung. Cochlea-Implantat: Sprachprozessor und Sendespule, die außen am Kopf getragen werden, bleiben nach der OP sichtbar. (Quelle: dpa)

Cochlea-Implantat: Sprachprozessor und Sendespule, die außen am Kopf getragen werden, bleiben nach der OP sichtbar. (Quelle: dpa)

Cochlea-Implantate sind für Gehörlose und hochgradig Schwerhörige oftmals die letzte Hoffnung, wieder hören zu können. Die Innenohr-Prothesen werden eingesetzt, wenn normale Hörgeräte nicht mehr helfen.

Nach 30 Jahren Taubheit konnte Roland Zeh wieder hören. Mit sieben Jahren war der Mediziner 1967 ertaubt. Damals gab es die Technik des Cochlea-Implantats (CI) noch nicht. 1998 erhielt er seine erste Prothese im Innenohr. Am Anfang war es wie ein Kulturschock: «Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, fast schon eine Reizüberflutung, aber im positiven Sinne», erzählt Zeh. "Nach einer kurzen Gewöhnungszeit hörte sich das CI dann sehr angenehm und natürlich an." 2002 wurde auch das andere Ohr mit dem Implantat versorgt.

Das Cochlea-Implantat ist eine elektronische Innenohr-Prothese. Sie wird durch einen Sprachprozessor ergänzt, der außen am Ohr anliegt. Er nimmt akustische Signale über ein Mikrofon auf und wandelt sie in elektrische um. Danach werden sie über eine Spule an einen einen Elektrodenträger weitergeleitet. Dieser Träger ist in der Hörschnecke (lateinisch: Cochlea) im Innenohr platziert. Die Elektroden stimulieren den Hörnerv: So entsteht im Gehirn der Höreindruck.

Betroffene müssen hören lernen

Richtig hören und Sprache verstehen konnte der Präsident der Deutschen Cochlear Implant Gesellschaft (DCIG) nach der Operation nicht gleich. "Ich musste erst wieder lernen, verschiedene Geräusche zu differenzieren." Oft braucht es einen längeren Übungsprozess mit Hörtraining, um Sprache wieder verstehen und telefonieren zu können. "Bei einigen geht das besser, bei anderen schlechter", erklärt Prof. Claudia Becker. Das hänge auch davon ab, wie gut das Gehirn die neuen Höreindrücke verarbeiten kann, erläutert Becker, die an der Humboldt-Universität Berlin die Abteilung für Gebärdensprach- und Audiopädagogik leitet.

Das kostet ein Cochlea-Implantat

In Deutschland leben rund 30 000 bis 40 000 Menschen mit einem Cochlea-Implantat, schätzt Roland Zeh. Am Helios-Klinikum in Erfurt seien vergangenes Jahr 72 solche Eingriffe vorgenommen, sagt Prof. Dirk Eßer, Chefarzt des Fachbereichs Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Die Operation dauert etwa zwei Stunden. Mit feinen Werkzeugen schafft sich der Chirurg dabei Zugang bis zur Hörschnecke. Dort wird der Elektrodenträger platziert. Sichtbar bleiben der Sprachprozessor sowie die Sendespule, die außen am Kopf getragen werden.

Ein Cochlea-Implantat-System kostet rund 20 000 Euro - dazu kommen OP-Kosten sowie das Hörtraining und weitere Reha-Maßnahmen im Anschluss. Diese Maßnahmen werden von den Krankenkassen übernommen, wenn mit normalen Hörgeräten keine Lautsprache mehr verstanden wird.

Da viele hochgradig Schwerhörige tiefe Töne noch verstehen, wird oft auch ein Hörgerät zusammen mit dem Implantat verwendet. "Das CI macht dann die hohen Töne, die für das Sprachverstehen wichtig sind, hörbar", erläutert Zeh. Das Hörgerät verstärkt die tiefen Töne und sorgt damit für einen besseren Höreindruck.

Cochlea-Implantate bei Kindern

Kontroverse Diskussionen gab es lange um die Frage, ob taub geborene Kinder ein CI bekommen sollten. "Es ist eine gute Alternative, gibt allerdings keine Sicherheit", meint Claudia Becker. So würden Studien ergeben, dass etwa die Hälfte der Kinder in einen natürlichen Lautspracherwerb kommt. Die anderen 50 Prozent zeigen trotz CI erhebliche Entwicklungsverzögerungen oder -abweichungen im Lautspracherwerb.

Wichtig ist deshalb, so Becker, dem Kind auch Gebärdensprache beizubringen. Diese ist die Alternative, wenn das Implantat nicht wie gewünscht funktioniert. Es sollte kein Entweder-oder zwischen CI und Gebärdensprache geben, findet Becker. Roland Zeh teilt diese Meinung. "Kindern sollte die Möglichkeit zum Hören nicht vorenthalten werden." Viele von ihnen könnten dank des Implantats eine normale Schule besuchen und hätten später auch bei der Berufswahl mehr Möglichkeiten, führt der DCIG-Präsident aus. Dennoch plädiert auch er dafür, parallel Gebärdensprache zu lernen.

Der Zeitpunkt zum Einsatz eines Implantates bei Kindern sei umstritten, sagt Becker. Ob schon vor dem zweiten Lebensjahr die OP erfolgen sollte, darin herrsche in der Fachwelt keine Einigkeit. Je nach Zeitpunkt der Diagnose sollte schon vor dem ersten Lebensjahr die OP erfolgen, sagt Dirk Eßer. Seiner Ansicht nach sollte der Eingriff in jedem Fall vor dem Spracherwerbsalter erfolgen. Die CI helfen allerdings nicht allen Kindern: Wurde der Hörnerv im Mutterleib nicht ausgebildet, funktioniert das Gerät zum Beispiel nicht.

Kein Ersatz für ein gesundes Ohr

Ein gesundes Ohr kann das Cochlea-Implantat nicht ersetzen. "Davon sind wir noch meilenweit entfernt", sagt Roland Zeh. Störgeräusche wie Verkehrslärm oder andere Gespräche im selben Raum können CI-Träger das Hören erschweren. "Im Gegensatz zum Ohr kann das CI nur schlecht steuern, welche Geräusche es hören will", erklärt dazu Claudia Becker. Für Menschen, die taub sind, könne das Implantat aber ein Segen sein.

So sieht es auch Roland Zeh. Er leitet mittlerweile als Chefarzt den Fachbereich für Hörstörungen und Cochlea-Implantate an zwei Rehabilitationskliniken. Vor seinen Operationen musste er für Telefonate und und Arztbesprechungen einen Gebärden-Dolmetscher engagieren, der seine Gesten in das gesprochene Wort übersetzte. "Den brauche ich nicht mehr."

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