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Discounter-Putenfleisch: BUND findet in fast allen Proben Keime

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Proben aus zwölf Städten  

Keime im Putenfleisch vom Discounter

12.01.2015, 14:19 Uhr | vdb, AFP

Discounter-Putenfleisch: BUND findet in fast allen Proben Keime. Im Putenfleisch vom Discounter finden sich oftmals antibiotikaresistente Keime.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Im Putenfleisch vom Discounter finden sich oftmals antibiotikaresistente Keime. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Putenfleisch vom Discounter ist fast immer mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Er ließ Putenfleisch von Aldi, Lidl, Netto, Penny und Real aus zwölf deutschen Städten testen. Insgesamt wurden dazu 60 Proben genommen. In 88 Prozent von ihnen wurden in einem Hamburger Labor antibiotikaresistente Keime nachgewiesen.

Woher die Keime stammen, ist einfach erklärt: 90 Prozent der Puten erhalten während der Mast Antibiotika, wie der BUND informiert. Das wiederum begünstigt schon während der industriellen Tierhaltung die Bildung von antibiotikaresistenten Keimen. Mit dem Fleisch gelangen diese dann in die Küche und auf unseren Teller. Für den Konsumenten, kann der Verzehr dieser Nahrung gefährlich enden: Es besteht die Gefahr, dass im Krankheitsfall Antibiotika bei ihm wirkungslos werden.

Resistente Keime sind Gefahr für Menschen

"Insbesondere bei anfälligen Menschen können ESBL-produzierende Darmkeime eine Behandlung mit Antibiotika extrem erschweren, so der BUND. Dabei handelt es sich um Bakterien, die Antibiotikaresistenzen durch die Bildung bestimmter Enzyme an andere Bakterien weitergeben können. Das Labor wurde 42 Mal bei MRSA fündig und 30 Mal bei ESBL. In Deutschland starben Schätzungen der deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene zufolge pro Jahr bis zu 40.000 Menschen, weil Antibiotika nicht mehr wirken, so der BUND weiter.

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Scharfe Kritik

"Rund neun von zehn Putenfleisch-Proben aus deutschen Discountern sind unseren Tests zufolge mit antibiotikaresistenten Keimen belastet", sagt Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Das sei ein klares Zeichen für fortgesetzten Antibiotika-Missbrauch in der Geflügelmast. "Dieser ist nicht nur dafür mitverantwortlich, dass wichtige Medikamente ihre lebensrettende Wirkung verlieren. Das erschreckende Ausmaß der Kontamination von Lebensmitteln mit diesen Risikokeimen ist vor allem ein deutliches Warnsignal vor den Risiken und Kollateralschäden der industriellen Tierhaltung."

Handeln seitens der Politik gefordert

Die Produktion von Billigfleisch bedeute immer, dass eine zu hohe Zahl von Nutztieren auf zu wenig Raum gehalten werde, und das sei nur unter Einsatz großer Mengen von Antibiotika möglich. "Bundesagrarminister Christian Schmidt muss handeln. Er muss verbindliche Pläne zur Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes und zum Verbot von Reserveantibiotika in Tierfabriken aufstellen", so Weiger. Die Untersuchung sei zwar nicht repräsentativ, zeige aber großen Handlungsbedarf beim Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung auf. 

Qualitätssystem scheitert

Kein einziger der Putenfleisch-Lieferanten sei in der Lage gewesen, Ware anzubieten, die durchgängig nicht mit Antibiotikaresistenzen belastet ist, informiert BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning. "Sämtliche Schlachthofkonzerne und Zerlegebetriebe, die das von uns getestete Putenfleisch an die Discounter geliefert haben, gehören dem von der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft eingerichteten Qualitätssicherungssystem QS an" bemängelt die Expertin. "Trotzdem ist das Fleisch massiv mit antibiotikaresistenten Keimen belastet."

Dies zeige, dass Änderungen im Tierschutz- und im Arzneimittelrecht notwendig sind, um die Schwächen dieses so genannten Qualitätssicherungssystems abzustellen. So trugen 20 von 21 untersuchten Putenfleischproben, die vom größten deutschen Geflügelfleischkonzern - der PHW-Gruppe - stammen, antibiotikaresistente Keime. Von 21 Fleischproben der Firma Heidemark, ebenfalls einer der größten Putenfleischproduzenten, waren 19 belastet. Fünf der sechs getesteten Proben von Sprehe, einem weiteren großen Geflügelproduzent in Deutschland, wiesen antibiotikaresistente Keime auf.

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