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Rosa Ananas und violette Tomaten: Gentechnik in den USA

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Verbraucherschützer laufen Sturm  

Gentechnik in den USA: von rosa Ananas und violetten Tomaten

05.04.2015, 08:17 Uhr | AP

Liegen in den USA in Zukunft rosafarbene Ananas zur Bekämpfung von Krebs, violette Tomaten für die Herzgesundheit und Pflanzenöle mit weniger Fett in den Regalen der Supermärkte? Die genetisch veränderten Nahrungsmittel werden in den kommenden Jahren möglicherweise von den zuständigen Behörden genehmigt.

Kürzlich erhielten bereits Äpfel die Zulassung, deren Schnittflächen nicht braun werden und Kartoffeln, die auf Druck weniger zu Fleckenbildung neigen.

Die Hersteller hoffen, dass die Verbraucher mögliche gesundheitliche Vorteile und den praktischen Nutzen dieser Nahrungsmittel zu schätzen wissen und sich weniger Sorgen über die gentechnischen Veränderungen machen. "Sobald die Menschen mehr die Vorteile sehen, werden sie auch die Technik besser akzeptieren", sagt Michael Firko, Leiter der Regulierungsstelle für gentechnisch veränderte Organismen (GMOs) im US-Landwirtschaftsministerium.

"Skepsis ist nötig"

Kritiker sind sich da nicht so sicher. Sie fordern schärfere Regelungen und eine Kennzeichnungspflicht für solche Nahrungsmittel. Doch das Landwirtschaftsministerium (USDA) ist lediglich für die Pflanzengesundheit der GMOs zuständig. Das Einholen einer Genehmigung der Nahrungsmittelbehörde (FDA) durch die Hersteller geschieht in der Regel lediglich auf freiwilliger Basis. "Viele dieser Dinge können durch herkömmliches Züchten erreicht werden", sagt Doug Gurian-Sherman von der Verbraucherorganisation Zentrum für Nahrungsmittelsicherheit. "Skepsis ist nötig."

Was könnte als nächstes kommen? Del Monte hat eine rosafarbene Ananas erschaffen, die Lycopin enthält. Der Stoff verleiht Tomaten ihre rote Farbe und zählt zu den Antioxidantien. Er spielt möglicherweise eine Rolle bei der Vorbeugung gegen Krebs. Das USDA hat den Import der Ananas genehmigt, angebaut wird sie außerhalb der USA. Und ein kleines britisches Unternehmen will in Amerika die Genehmigung für den Anbau und Verkauf violetter Tomaten beantragen. Sie enthalten Anthocyane, Pflanzenfarbstoffe, die beispielsweise in Blaubeeren enthalten sind. Diese sogenannten Bioflavonoide sollen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs senken können.

Experimente mit Pfirsichen und Kirschen

Die Saatgutkonzerne Monsanto und Dow AgroSciences entwickeln jeweils gentechnisch veränderte Sojabohnen, Raps und Sonnenblumenöle mit weniger gesättigten Fettsäuren und mehr Omega-3-Fettsäuren. Das Zitrusunternehmen Southern Gardens aus Florida nutzt ein Spinatgen, um gentechnisch veränderte Orangenbäume zu entwickeln, die gegen eine bestimmte Zitruskrankheit immun sein sollen. Okanagan Specialty Fruits, die kanadische Firma, die den nicht braun werdenden Apfel geschaffen hat, experimentiert auch mit Pfirsichen und Kirschen.

Einige gentechnisch veränderte Obst- und Gemüsesorten sind in den USA bereits im Handel erhältlich: hawaiianische Papaya beispielsweise, einige Zucchini und Kürbisse sowie eine geringe Menge Mais für den menschlichen Verzehr. Den Großteil der GMO-Produkte machen jedoch Mais und Sojabohnen aus, die als Viehfutter verwendet oder zu Lebensmittelzusatzstoffen wie Maisstärke, Sojaöl oder Maissirup verarbeitet werden.

Zwei Drittel der US-Bürger sind für Kennzeichnung

Doch auch in den USA gibt es Umweltorganisationen und Verbraucherschützer, die den Einsatz der Gentechnik kritisch sehen. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts GfK vom Dezember sprechen sich zwei Drittel der US-Bürger für eine Kennzeichnung von GMO-Produkten aus.

Die Hersteller solcher Nahrungsmittel versuchen deshalb, sich das wachsende Interesse vieler Verbraucher für gesunde Ernährung zunutze zu machen. Die neuen Produkte böten sowohl Herstellern als auch Verbrauchern Vorteile, sagt Doug Cole von J.R. Simplot, dem Unternehmen, das die Kartoffeln mit geringerer Neigung zu Fleckenbildung entwickelt hat. Mit ihnen hätten Bauern höhere Erträge und Konsumenten weniger Arbeit bei der Zubereitung.

Angetan von Produkt, das Krebsrisiko senken kann?

Die britische Wissenschaftlerin Cathie Martin, die die violetten Tomaten entwickelt hat, will diese in den USA irgendwann als Saft verkaufen. Sie sagt, gerade die gesundheitsbewussten Verbraucher, die der Gentechnik kritisch gegenüberstehen, müssten doch von einem Produkt angetan sein, das zu einer Senkung des Krebsrisiko beitragen könne. "Dieses Produkt wurde geschaffen, damit es ihnen nützt", sagt sie.

Der Einzelhandel wägt sein Vorgehen noch ab. McDonald's in den USA kauft Simplots herkömmliche Kartoffelprodukte. Es gebe aber gegenwärtig keine Pläne, auch GMO-Kartoffeln zu beziehen, erklärt das Unternehmen. Andere Einzelhandelsketten haben bereits zugesichert, keinen gentechnisch veränderten Lachs zu verkaufen, dessen Zulassung die FDA derzeit noch prüft.

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