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WISO-Doku: Warum sich Kunden bei Sonderangeboten täuschen lassen

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WISO-Doku erklärt  

Warum sich Kunden bei Sonderangeboten täuschen lassen

06.08.2016, 13:55 Uhr | bv, t-online.de

WISO-Doku: Warum sich Kunden bei Sonderangeboten täuschen lassen. Überall Rabatte - aber Verbraucher springen darauf an. (Quelle: dpa)

Überall Rabatte - aber Verbraucher springen darauf an. (Quelle: dpa)

Bei Sonderangeboten und angeblichen Schnäppchen ticken manche Verbraucher regelrecht aus. Der Handel weiß das und stellt sich entsprechend darauf ein. Er hat schließlich nichts zu verschenken. Eine Dokumentation der ZDF-WISO-Redaktion zeigt die Maschen, damit Sie hoffentlich nicht mehr darauf hereinfallen.

1. Masche: Räumungsverkauf und Neueröffnung

Wer kennt sie nicht, die riesigen Prozentzahlen, wenn ein Laden einen Räumungsverkauf macht? Auch bei Neueröffnungen gibt es oft riesige Rabattversprechen. Nur: Mancher Laden räumt gar nicht, um zu schließen. Und für eine "Neueröffnung" reicht oft schon ein neues Logo oder ein neuer Name. Bei manchen Ketten - häufig Matratzengeschäften - scheint eine regelrechte Masche dahinter zu stecken. Auch Teppichgeschäfte haben gefühlt immer Ausverkauf. "Dann sagen die, 50 Prozent auf alles, jetzt machen wir zu. Dann bleibt’s aber trotzdem", sagt eine Anwohnerin über einen Matratzenladen, der sich seit rund zehn Jahren an der gleichen Stelle befindet.

Peter Brammen von der Wettbewerbszentrale Hamburg erklärt dem ZDF zum Thema Räumungsverkauf: "Ich darf nicht über den Anlass eines Räumungsverkaufs täuschen. Das setzt aber voraus, dass ich überhaupt einen Anlass bekanntgebe." Räumungsverkäufe ohne oder aus seltsamem Grund wie Logo-Wechsel sind also erlaubt.

Doch warum springen Kunden auf Rabatte so stark an? Die Ursache liegt im Gehirn. Schnäppchen sprechen ganz andere Regionen im Denkorgan an als Normalpreise. Rabatte stimulieren das Belohnungszentrum, dort greifen unter anderem auch Drogen an. Ohne Rabatt ist das Stirnhirn zuständig, hier sitzt unter anderem die Selbstkontrolle. Beide Hirnregionen sind im Leben wichtig, aber der Handel nutzt halt angeborenes Verhalten aus. Rat des Neurologen Christian Elger in der ZDF-Doku: "Einmal um den Block laufen und überlegen: Brauche ich das wirklich?"

2. Masche: Treuepunkte und Bonusprogramme

Hier gibt’s erst mal keinen Rabatt, aber man kauft ja sowieso immer irgendwas - und später kann man die Treue- oder Bonuspunkte in eine Prämie umtauschen. Klingt gut, hat aber den einen oder anderen Haken. So gibt es je nach Geschäft einen Punkt für einen, zwei oder fünf Euro Einkaufsbetrag. Oft hat man erst genug Punkte für die erste Prämie zusammen, wenn man für 100 bis 125 Euro eingekauft hat.

Und dann sind da ja noch die Zuzahlungen. Das ZDF rechnet vor: Ein Navigationsgerät als Prämie ohne Zuzahlung kostet 14.999 Payback-Punkte. Beim Drogeriemarkt dm müsste man dafür für 14.999 Euro einkaufen. Bei Aral müsste man 36.900 Euro ausgeben. Oder: Man setzt weniger Punkte ein und zahlt 150 Euro selbst. Ein Schnäppchen? Die Tester finden das gleiche Gerät im Internet schon für 135 Euro. Auch einen Prämienfernseher gibt es woanders günstiger. Nur für eine Staubsauger-Prämie können die Tester keine billigere Alternative finden.

Im Gegenzug für die Punkte geben die Kunden jede Menge Daten preis. Allein aus gespeicherten Kundeninformationen eines Ladens kann ein Experte erkennen, dass es sich anhand der gekauften Gegenstände um eine alleinstehende Frau Ende 20, Anfang 30 handelt, die in der Innenstadt einer Großstadt wohnt. Was tut der Handel mit dieser Information? Der Netzaktivist "padeluun" erklärt: Häufig gekaufte Produkte werden möglichst weit voneinander entfernt im Laden platziert, damit der Kunde lange Wege laufen muss und dabei vielleicht noch das eine oder andere Produkt oder Sonderangebot entdeckt und mitnimmt.

3. Masche: Flexible Preise

Die ZDF-Tester haben den Preis eines neuen Fernsehers bei verschiedenen Anbietern über fast drei Wochen verfolgt. Das Ergebnis sieht aus wie der Kurs einer Aktie. Bei Otto ändert sich der Preis des Geräts fast täglich - mal wird’s billiger, mal teurer. Auch bei Amazon wird der Fernseher mal günstiger, dann wieder teurer. Nur bei Media Markt bleibt der Preis in der Stichprobe lange gleich und sinkt dann, ohne wieder zu steigen.

Klar wird: Den Preis des Produkts bestimmt nicht sein Wert, sondern auch die Preise der Wettbewerber - und die Preissensibilität der Kunden. Denn nicht jeder Verbraucher bekommt im Netz auch den gleichen Preis angezeigt.

Beispiel Parship: Die Online-Dating-Plattform fragt zum Beispiel das ungefähre Einkommen der liebesbedürftigen Singles ab. Das kann den Preis für den Service beeinflussen, wie das ZDF zeigt. Einer Frau aus München mit mehr als 100.000 Euro Einkommen im Jahr nimmt Parship 44,93 Euro im Monat ab. Eine Single-Frau aus Frankfurt/Oder, die weniger als 15.000 Euro verdient, darf schon für 30,02 Euro auf Partnersuche gehen. Und ein männlicher Single mit weniger als 15.000 Euro und ebenfalls aus Frankfurt/Oder kommt am günstigsten weg: Für 26,45 Euro pro Monat kann er bei Parship Mitglied sein.

Parship gibt unterschiedliche Preise je nach Region, Geschlecht oder Alter zu und spricht von "regelmäßig vergünstigten Konditionen unserer Laufzeitpakete". In Großstädten mit höherem Einkommen kann die Zahlungsbereitschaft höher sein als auf dem platten Land, erklärt ein Experte. Das wird ausgenutzt.

Gerade im Online-Handel lässt sich leider kein Muster für Preisanhebungen oder -senkungen erkennen. Kunden müssen also die Preisentwicklung über einen gewissen Zeitraum verfolgen, um feststellen zu können, wann das gesuchte Produkt wirklich günstig angeboten wird.

Fazit: Wenn es darum geht, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen, wird nichts dem Zufall überlassen. Das sollten die Verbraucher wissen und sich ebenfalls so gut wie möglich professionalisieren, damit wenigstens wieder einigermaßen Waffengleichheit herrscht.

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