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Ivanka Trump: Lebenstipps einer Präsidententochter

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Ivanka Trump  

Frauenratgeber: Lebenstipps einer Präsidententochter

05.05.2017, 17:33 Uhr | Annemarie Munimus, t-online.de

Ivanka Trump: Lebenstipps einer Präsidententochter. Für ihr Buch “Women Who Work: Rewriting the Rules for Success” erntet Ivanka Trump nicht nur Lob (Quelle: AP/dpa/AP Photo/Andrew Harnik)

Für ihr Buch “Women Who Work: Rewriting the Rules for Success” erntet Ivanka Trump nicht nur Lob (Quelle: AP Photo/Andrew Harnik/AP/dpa)

Ivanka Trump, First Daughter und Assistentin des US-Präsidenten hat ihr zweites Buch veröffentlicht. In "Women Who Work" erklärt das Ex-Model und ehemalige Managerin im Immobilienimperium, wie der Spagat zwischen Karriere und Privatleben gelingt.

Altbekanntes unglaubwürdig verpackt

"Finde deine Passion und folge ihr", das ist eine zentrale Aussage des Buches. Man könne viel mehr und Besseres leisten, wenn man glücklich ist. Jeder solle den Anspruch haben, zur besten Version seiner selbst werden.

Der Weg dorthin? Ganz einfach: Die Klassiker der Selbstfindungstipps nochmals fein säuberlich zusammengetragen. Man könne sich jeden Abend drei positive Dinge notieren, die einem widerfahren sind. Weiter solle man viele Jahre in die Zukunft zu denken: "Auf welche deiner Taten wirst du stolz sein?". Sie gibt Tipps, wie man seine Leidenschaften entdecken und entwickeln kann.

Eine perfekte Instagram-Welt zum Nachlesen

Das Buch liest sich ein wenig wie der Text unter einem Instagram-Post. "Das erste, was ich tue, wenn ich morgens im Büro ankomme – mal abgesehen vom Inhalieren einer riesigen Tasse Kaffee – ich schreibe meine drei bis fünf Prioritäten des Tages auf“. Das Bild, dass sie zeichnet, wirkt dabei sehr idealtypisch, denn sowohl beruflich als auch privat passiert normalen Frauen Unvorhersehbares – To-Do-Liste hin oder her. Oft muss die Liste einfach länger sein als drei oder fünf Punkte, besonders dann, wenn es keinen Hofstaat an Assistenten gibt, oder frau gar selbst die Assistentin ist.

150 Prozent geben bei weniger Schlaf

Die Autorin und Assistentin des US-Präsidenten räumt ein, dass es nicht einfach ist, Familie und Job unter einen Hut zu bringen. Man müsse täglich 150 Prozent geben. Sie persönlich stehe früher auf und gehe später ins Bett seit sie Kinder habe. 

Zudem nehme sie in Kauf, dass Arbeit und Familienleben ineinander übergehen. Für die Zeit, wenn die Kinder schon schlafen, hebe sie sich die E-Mails auf, die während des Tages nicht sofort beantwortet werden müssen. Das bleibe nicht aus, wenn man seiner Passion folge. 

Darüber, dass sie für die profanen Dinge im Leben – Putzen, Wäschewaschen, Einkaufen, Kochen – Menschen beschäftigt, die ihr und ihrem Mann diese Aufgaben abnehmen, verliert sie kaum ein Wort. Zur Erinnerung: Ivanka Trump gehört laut "Time Magazine" zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Ivanka mit ihrem Baby auf dem Schoß und perfektem Make-Up bei der Arbeit. Wie realistisch ist das Bild, das Ivanka Trump mit solchen Posts zeichnet? Kind und Arbeit im selben Moment perfekt gerecht werden und dabei aussehen, wie aus einem Modemagazin entsprungen – das verstärkt den Druck auf Frauen, verringert ihn nicht.

Vorbild nehmen an den Besten

Die Autorin spickt ihr Buch mit Zitaten von inspirierenden Leuten; sie zitiert den Dalai Lama, Sheryl Sandberg oder Oprah Winfrey. Auch von ihrer Mutter und ihrem Vater habe sie viel gelernt. 

Natürlich habe auch ihr Mann einen großen Einfluss auf sie. Dieser bleibe stets lösungsorientiert, während sie selbst dazu neige, zu emotional zu reagieren. Die Reproduktion eines Rollenbildes, bei dem sich einem die Zehennägel hochrollen.

Don't we all fortunately, Friday is here! #WomenWhoWork

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Ihre Botschaft: Frauen sind produktiv und sollen Einfluss nehmen.

Die Probleme bei der Wurzel packen – Fehlanzeige

Wir sollen herausfinden, was unsere eigene Passion ist, was uns morgens aus dem Bett treibt, so Ivanka Trump. Doch die Frage, wie wir unseren grundlegenden Bedürfnisse und denen unserer Familie gerecht werden können, werden nicht einmal angerissen. 

Dabei ist es begrüßenswert, dass Ivanka Trump ihre Bekanntheit und ihren Einfluss dazu nutzt, um den gesellschaftlichen Diskurs auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Sicht der Frauen zu lenken. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie auch tatsächlichen Einfluss auf die politische Agenda ihres Vaters nimmt. Diese müsste nämlich unbedingt geändert werden, um die realen Bedingungen für arbeitende Frauen und Mütter zu verbessern – in den USA sogar noch mehr als bei uns. Donald Trumps im Wahlkampf verkündeter Plan, bezahlten Mutterschutz einzuführen, liegt auf Eis. Zudem sitzen in seinem Kabinett gerade einmal vier Frauen.

Familie und Karriere – wie geht es denn nun wirklich?

Klar ist, die rechtlichen und realen Voraussetzungen für Mütter, die auch Karriere machen möchten, sind alles andere als ideal: Es müssen mehr flexible und individuelle Arbeitsmodelle geschaffen werden. Das geht nicht, anders als Ivanka Trump uns glauben machen will, allein durch Leidenschaft und eine positive Lebenshaltung.

Einige zentrale Fragen sollten Frauen für sich selbst klären: Wie viel Fremdbetreuung möchte ich für mein Kind? Wie viel will ich arbeiten, um meiner beruflichen Selbsterfüllung gerecht zu werden? Dabei sollten Frauen die Möglichkeit haben, diese für sich selbst definieren zu können, ohne sich dabei Karrierepfade abzuschneiden oder Aufstiegsmöglichkeiten zu verbauen. 

Doppelt Gutes tun

Immerhin sieht Ivanka Trump davon ab, auf Lesereise zu gehen – aus Rücksicht auf ihre Aufgaben im Weißen Haus. Mit dem Buch möchte Trumps Älteste kein Geld verdienen. Die Gewinne werden an Organisationen gespendet, die sich um die Förderung von Mädchen und jungen Frauen kümmern.

Fazit – Wenig Neues fürs Frauenbild

"Women Who Work" bietet wenig konkrete Hilfestellung für berufstätige Frauen. Vielmehr trägt es zum Feinschliff von Ivankas Image bei und positioniert sie als erfolgreiche und gebildete Frau, die auch ihrer Familie in liebevoller Weise gerecht wird. Weder sind die Ratschläge neu, noch erhalten wir Einblicke hinter die Kulissen der Macht. Man findet im Buch keine Peinlichkeiten, doch es poliert munter an einem Frauenbild, das niemand mit der Realität verwechseln sollte.


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