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Freundschaft  

Warum Freundschaft vor Untreue schützt

16.08.2010, 13:37 Uhr | ag

Freundschaft schützt vor Untreue . Menschen, die Freundschaften pflegen, sind liebesfähiger. (Foto: imago)

Menschen, die Freundschaften pflegen, sind liebesfähiger. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Freundschaften sind wichtig für die Liebe, schreibt der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger in seinem Buch "Wie man Freunde fürs Leben gewinnt" (Herder). Durch Freunde wird man glücklicher und lebt im Durchschnitt 18 Jahre länger. Doch nicht nur das: Freundschaften schützen auch vor Untreue. Warum das so ist, und warum jeder Mensch nur maximal drei echte Freunde haben kann, verrät der Experte im Interview. Fünf Pflege-Tipps für die Freundschaft.

Sie behaupten, dass Liebe nur durch intensive Freundschaften gelingt. Was heißt das?

Krüger: Zunächst sind Freundschaften beim Beginn der Liebe wichtig. Ich bin sozial genügend stabilisiert und kann mir selbstbewusster einen Partner aussuchen. Außerdem entlasten Freundschaften eine Liebesbeziehung von zu großen Ansprüchen. Der Partner muss mir nicht alles bieten. Gute Freundschaften sind der beste Schutz, dem Partner gegenüber untreu zu werden. Außerdem kann ich durch Freundschaften den Partner auch einmal in Ruhe lassen. Und wenn ich gute Freunde habe, bin ich eher wieder in der Lage, auf ihn zuzugehen. Dieser Tanz von Nähe und Distanz ist der Kern der Liebe. Zudem wir sind offener für soziale Beziehungen,  wenn wir gute Freundschaften pflegen. Freundschaftsfähige Menschen sind unkomplizierter im Bereich der Liebe und vor allem leidenschaftlicher. Durch Freundschaften entsteht ein soziales Netz, so dass man nicht zu sehr vom Partner abhängig ist. Und das ist natürlich besonders bei Trennungen wichtig.

Wie definieren Sie die Freundschaft?

Krüger: Eine Freundschaft ist eine intensive, leidenschaftliche Beziehung, in der man auch über seine Ängste und Schwächen sprechen kann.

Was macht einen "besten Freund" aus?

Krüger: Dass ich mich absolut auf ihn verlassen kann. Das ist das Hauptmerkmal einer wirklich guten Freundschaft. Darüber hinaus ist eine tiefe Innigkeit vorhanden. Dem besten Freund kann ich alles erzählen, auch Probleme und peinliche Situationen. Mit einem guten Freund kann man auch schweigen. Man versteht sich und muss nicht immer aktiv sein.  

Was unterscheidet denn gute Bekannte von einem Freund?

Krüger: Es gibt Freizeitfreundschaften, es gibt Vitamin-B-Beziehungen. Das sind meist gute Bekannte. Ihnen erzählt man nicht, wo der Schuh drückt. Es bleibt immer etwas Distanz, man wahrt die Fassade. Man würde einem Bekannten nicht erzählen, wenn es Eheprobleme gibt. Man würde ihm nicht erzählen, dass man ein Verhältnis mit einer anderen Frau hat. Oder dass man Lampenfieber hat, einen Vortrag zu halten. Und auf einen Bekannten kann ich mich nicht verlassen. Ein guter Freund dagegen ist wie ein Fels im Strudel des Lebens. Ein guter Freund von mir ist vor vielen Jahren Zeit schwer erkrankt. Ich habe ihm gesagt: Mein Handy liegt nachts neben mir, du kannst mich Tag und Nacht anrufen.

Bei Facebook, Studi-VZ und Co. geben viele Menschen oft über 100 "Freunde" an. Was halten sie davon?

Krüger: Das Internet erleichtert heutzutage das Kennenlernen. Das ist eine große Chance. Doch Freundschaften sind etwas sehr Altmodisches. Man muss sich kennenlernen, sich wirklich nahe kommen.

Wie viele richtige Freunde kann jemand überhaupt haben?

Krüger: Mehr als drei intensive Freundschaften sind für uns üblicherweise nicht zu bewältigen. Das hat eine umfassende Recherche mit 100 von mir interviewten Personen ergeben. Intensive Freundschaften setzen voraus, dass man auch über Ängste, Probleme und peinliche Situationen sprechen kann. Alles andere sind die üblichen Alltagsfreundschaften.

Warum braucht der Mensch Freunde?

Krüger: Wir brauchen zahlreiche Beziehungen, damit wir uns sicher und aufgehoben fühlen. Wir brauchen Menschen, mit denen wir uns eng verbunden fühlen. Das ist so, als ob uns innere Seile verbinden. Liebesbeziehungen reichen dazu nicht aus. Wir überfordern die Liebe, wenn wir keine Freundschaften haben. Wenn der Ehemann nicht in den Liebesfilm mitgeht, dann gehen wir eben mit einer guten Freundin hin. Wenn wir nur eine Liebesbeziehung haben, rächt sich das irgendwann. Denn was mache ich, wenn diese zerbricht? Männer fallen dann häufig ins Leere – weil sie oft keine Freundschaften haben. Die Selbstmordrate von Männern nach Trennungen ist daher viermal so hoch wie bei Frauen.

Warum hebt es die Lebenserwartung um bis zu 22 Prozent, wenn ein Mensch Freunde hat?

Krüger: Das Immunsystem ist besser. Wir sind entspannter, leider weniger unter Stress. Wir haben weniger Ängste. Ärzte wissen, dass Patienten nach einer Operation schneller gesund werden, wenn sie ein gutes Sozialsystem haben. Und wir sind glücklicher, wollen lange leben und kümmern uns mehr um die Gesundheit. Dann machen wir mehr Sport, rauchen weniger, ernähren uns besser. Das bestätigt eine Studie der Flinders University im australischen Adelaide, die im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlicht wurde.

Sie sagen, dass nur jeder dritte Mann wirkliche Freunde hat. Woran liegt das?

Krüger: Ich habe Männer gefragt, ob sie ihren Freunden auch von Ängsten und peinlichen Situationen erzählen würden. Nur ein Drittel von ihnen war dazu in der Lage. Männer sind Platzhirsche. Sie erzählen gern, was sie gut können und haben eine Rivalitätsproblematik. Jeder will der Erste und Größte sein. Und wenn Männer befreundet sind, dann zu 70 Prozent mit einer Frau. Aber das ist nicht immer unproblematisch. Denn es liegt Erotik in der Luft.

Warum können das Frauen besser?

Krüger: Frauen können besser über sich reden. Sie können Ängste und Schwächen zugeben und sie können wirklich Nähe herstellen. Und 85 Prozent der Frauen meinten, sie könnten besser mit ihrer besten Freundin reden als mit dem Ehemann. 

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