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Dick-Chic - Krisenzeichen oder Modelaune?

| dpa

Beauty: In Sachen Figur geht der Trend zur Rubensfigur, wie Sängerin Beth Ditto beweist. (Foto: dpa)Die Rubensfigur von Sängerin Beth Ditto ist wieder in. (Foto: dpa) Die Rubens-Figur steht vor einem Revival: Mollig und selbstbewusst statt dürr und wenig widerstandsfähig ist angesagt - der Hype um die füllige US-Sängerin Beth Ditto oder auch der Kult um die Theaterform New Burlesque sind Anhaltspunkte dafür. Die berühmteste Vertreterin dieser Tanzgattung, die kurvige Amerikanerin Dita von Teese, unterstützt am kommenden Wochenende sogar den deutschen Beitrag beim Eurovision Song Contest.

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Speckrollen sind Zeichen von Wohlstand

Der Regensburger Psychologe Dr. Martin Gründl erklärt auf der Internetseite beautycheck.de, dass in reichen Ländern Schlankheit bevorzugt werde. Das ergab eine weltweite Studie. Denn wenn es allen gut geht, verliert Fett seinen Informationswert als Zeichen von Wohlstand. "In armen Ländern hingegen gelten tendenziell dickere Frauen als schön", sagt Gründl. Sind wir nun angesichts der Wirtschaftskrise schon so weit, dass auch in den Industrienationen Übergewicht attraktiver als Untergewicht wird?

"Schüttel Deinen Speck"

Das Comeback der Burlesque, das zurzeit in Deutschland gefeiert wird, könnte diese Theorie untermauern. Bei der Burlesque ziehen sich oft vollschlanke, gut gepolsterte Frauen erotisch aus. In Hamburg gibt es bereits einen Club, der sich dem humorvollen Strip widmet: die Bar "Queen Calavera". Auch der Pop lobt das Moppelige: Hier ist das Verhältnis zu Rundungen entspannter geworden. Auf seinem Erfolgsalbum "Stadtaffe" singt Peter Fox begeistert von beleibten Frauen. Sein "Schüttel Deinen Speck" ist weniger aggressiv als Westernhagens Song "Dicke" aus den Wohlstands-70ern.

XXL-Sängerin zeigt Dick-Chic

Den neuen Dick-Chic verkörpert die 28-Jährige Frontfrau der Punk-Band The Gossip: Beth Ditto. Sie saß schon bei Modeschauen des dünnen Modeschöpfers Karl Lagerfeld oder bei Stella McCartney und Jean Paul Gaultier in der ersten Reihe. Bei Fashionshows wurde sie für ihre offene Art gelobt, die ein Bekenntnis zu mangelnder Körperhygiene und lesbischer Liebe einschließt. Die selbstbewusste XXL-Sängerin zieht sich bei Konzerten gerne aus und zeigt stolz ihren Schwabbelbauch.

Perfektion ist out

Auch der Condé-Nast-Verlag, der die "Vogue" herausbringt, hat den Trend zu Rubensfigur erkannt: Der Verlag nahm Ditto auf das Titelblatt des neuen britischen Magazins "Love". Als Begründung gab Chefredakteurin Katie Grand an: "Wer will in Zeiten, die nicht perfekt sind, noch mit der Vorstellung von Perfektion aus den guten Tagen behelligt werden?". Doch auch andere Menschen feiern mit ihrer Rundungen Erfolge. So siegte der Amateur-Tenor Paul Potts in einer britischen Casting-Show, dieses Jahr wurde dort die mollige Schottin Susan Boyle gefeiert.

Rubensfigur nur ein Hype?

Doch gibt es in der Modebranche tatsächlich eine dauerhafte Abkehr von der Magersucht? Einige Experten glauben das nicht. Die Modejournalistin Anke Schipp sieht eher einen vorübergehenden Hype: "Mehr als um eine neue Wahrnehmung des Körpers dürfte es sich bei dem Phänomen um eine Modeerscheinung in einer gelangweilten Branche handeln, die alles ausgereizt und derzeit eine Menge zu verlieren hat - also auf sich aufmerksam machen muss."

Keine Chance für Magermodels

Trotzdem: Size-Zero-Models bekommen immer weniger Aufträge. Seit der Verbannung von Magermodels bei Modeschauen in Madrid 2006 setzt sich eine Abkehr von zu dünnen Mannequins durch. Auf den Laufstegen führen wieder öfter Frauen mit Normalmaßen die Designerstücke vor. Und selbst wenn sich nicht alle Veranstalter zu einem Magermodel-Verbot durchringen konnten: Verharmloser wie Karl Lagerfeld, der einst behauptete "Natürlich gibt es Mädchen, die sehr dünn sind, aber man darf nicht vergessen, dass sich der Knochenbau geändert hat", scheinen die Definitionshoheit verloren zu haben.

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