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Brioni sieht stürmischen Zeiten entgegen

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Brioni sieht stürmischen Zeiten entgegen

08.11.2011, 14:11 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Brioni sieht stürmischen Zeiten entgegen. Edelmarke Brioni steht vor dem Verkauf (Quelle: AFP)

Edelmarke Brioni steht vor dem Verkauf (Quelle: AFP)

Gestatten: Bond. James Bond. Natürlich gekleidet in Brioni. Sartoria Brioni. Ähnlich turbulent wie die Abenteuer des Agenten verlief jüngst das Geschäft bei dem wohl angesagtesten Herren-Schneider aus Bella Italia.

Der schmuddelige Sommer 2011 hätte für das feine römische Traditionshaus Brioni kaum heißer verlaufen können: Ende Juli kursierten Gerüchte, wonach der französische PPR-Konzern Brioni kaufen will. Der Gigant Pinault-Printemps-Redoute biete den Brioni-Eigentümerfamilien Fonticoli und Savini 350 Millionen Euro.

Die Großen greifen nach Brioni Ein verlockendes Angebot: Dies wäre das Zwölffache des für 2011 erwarteten Gewinns vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) plus der Übernahme der aktuellen Schulden von etwa 90 Millionen Euro. Zu PPR gehören schon die Weltmarken wie Gucci und Bottega Veneta. Im November 2011 gelang die Übernahme des römischen Traditionshauses durch PPR. Der Luxusgüterkonzern äußerte sich nicht über die Summe der Übernahme von Brioni. Das Geschäft soll im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden. Brioni ist in der Finanzkrise zu klein

Dass tatsächlich etwas im Busch ist, wurde Ende August klar: Brioni will seine Damen-Linie einstampfen und feuerte Kreativdirektor Alessandro Dell'Acqua. Eine Manufaktur wird nun eingemottet.

Die Modenschau auf der Mailänder Modewoche am 25. September wurde abgesagt. Das legendäre Modehaus hat schlecht gewirtschaftet und steckt offenbar in einer Kreditklemme. Das Geschäftsjahr 2010 schloss Brioni mit einem Umsatz von 171 Millionen Euro ab.

Nur 70 Läden weltweit

Für 2011 wird ein Geschäftsvolumen von 190 Millionen Euro erwartet. Aktuell betreibt die Luxusmarke weltweit 74 Brioni-Stores, davon neun in Italien. Damit ist Brioni zu klein, um gegen die Großen im Markt anzukämpfen – vor allem, da die Banken in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise die Kreditlinien herunter fahren.

Und vielleicht passt auch der überbordende Luxus nicht mehr in den von Krisen geprägten Zeitgeist. Die vergangenen Jahre waren von Chefwechseln und Streitigkeiten zwischen den Eignerfamilien geprägt. >>

Der neue Firmenchef Francesco Pesci kündigte im Frühjahr einen Börsengang für die kommenden vier bis fünf Jahre an, was auf einen finanziellen Engpass hindeutet. Vor rund fünf Jahren hatte der langjährige Firmenchef Umberto Angeloni im Streit über die Firmenstrategie das Handtuch geworfen. Im vergangenen Jahr zog sich dann überraschend sein Nachfolger Andrea Perrone zurück.

Brioni ist eine Legende Dabei verfügt die Modemarke über einen sagenhaften Ruf. Brioni wurde 1945 von dem Schneider Nazareno Fonticoli und dem ModedesignerGaetano Savini in Rom gegründet. Die Firma stand für Wirtschaftswunder und Bella Figura – sie erkannte, dass die Leute den Zweiten Weltkrieg schnell abhaken wollten und benannte sich daher nach dem kroatischen Luxus-Ferienort Brijuni. Auf der Insel hatte sich in den Goldenen Zwanzigern der europäische Jet-Set bei Polo und Golf entspannt. Entsprechend traf Brioni den Nerv der Nachkriegszeit: Nach dem Einzug des proletarischen Kommunismus in Jugoslawien schwelte die Sehnsucht der Schönen und Reichen nach der guten, alten Zeit. Typisch für Brioni ist der figurbetonte Schnitt, die Taille ist stets enger geschnitten, die Schultern weiter. Im Überschwang des Aufschwungs verwendete das Modehaus sogar eher feminine Stoffe wie Seide und Cashmere für Männer. Brioni revolutionierte im Jahr 1952 mit der ersten Modenschau für Herren den Markt. 1956 wurde erstmals auch eine Damenmode-Kollektion präsentiert. Vor allem in Hollywood stand Brioni schnell für typisch italienischen Chic: Zu den Kunden gehörten Kirk Douglas, Henry Fonda, Clark Gable, Al Pacino, Anthony Quinn und John Wayne. Aber auch Donald Trump, Nelson Mandela, Luciano Pavarotti, George W. Bush, Wladimir Putin und nicht zuletzt Ex-Kanzler Gerhard Schröder trugen Brioni. Das Haus stattete von GoldenEye an bis Casino Royale die Titelfigur James Bond aus. Kleines Gimmick für Bond-Fans: Zu Casino Royale brachte Brioni für rund 3.000 Euro ein Dinner-Jacket auf den Markt, das innen mit dem Schriftzug "James Bond" versehen war. Über-Luxus für 40.000 Euro

Die Qualität ist legendär: Jeder Anzug wird in mindestens 185 Schritten gefertigt. Bei Brioni müssen die Schneiderinnen zwei Jahre lernen, bevor sie per Hand die Knopflöcher nähen dürfen. Insgesamt kann der Kunde aus 5000 Stoffen wählen, selbst die Innenfutter sind aus Cashmere oder Baby-Alpaca. Dazu wird ein lebenslanger Service garantiert. Zuletzt fertigten rund 1100 Mitarbeiter knapp 100.000 Herrenanzüge jährlich. Der größte Teil der Kollektion sind Anzüge von der Stange, die rund 2000 Euro kosten.

Maßanfertigungen sind etwa für das Doppelte zu haben. Brioni bietet aber auch den ganz speziellen Über-Luxus. Für bekannte Persönlichkeiten fertigt das Unternehmen Super-Maßanzüge, welche um die 40.000 Euro kosten. Während andere Schneider bei Maßanfertigung "nur" Stücke anbieten, die aus vorgefertigten Teilen bestehen die dann zurechtgeschnitten werden, liefert Brioni auch die Top-Klasse "bespoke".

Sonderanfertigungen nach den Wünschen des Kunden

Dieser unübersetzbare Begriff englischer Schneidermeister leitet sich daraus ab, dass die besonderen Stoffe nur den besten Kunden versprochen waren. Bespoke heißt heute, dass der Anzug von Anfang an nach den Maßen des Käufers gewebt wird. Es bedeutet auch, dass der Kunde jeden Extrawunsch erfüllt bekommt und dass der Anzug auf seine Silhouette und den Charakter abgestimmt wird. So erfüllten die Schneider in Rom einst einem Pariser Geschäftsmann den Wunsch nach einer geheimen Innentasche für "etwas Schweres". Fragen wurden keine gestellt - wahrscheinlich sollte ein Revolver versteckt werden.

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