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Traumberuf Uhrmacher

06.05.2013, 16:59 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Traumberuf Uhrmacher. Die Kunst des Uhrenhandwerks. (Quelle: imago)

Die Kunst des Uhrenhandwerks. (Quelle: imago)

Eine ruhige Hand, volle Konzentrationsfähigkeit und die Liebe zur Technik – das alles zeichnet einen Uhrmacher aus. Der Beruf hat in den vergangenen Jahren dank der Renaissance der mechanischen Zeitmesser einen wahren Boom erlebt. Und er bietet Individualisten und Künstlern Raum zur Entfaltung. wanted.de hat sich mit Matthias Stotz, einem der Retter der Traditionsmarke Junghans, über die Chancen des Handwerks unterhalten.

Das Wunder von Schramberg trägt einen Namen: Junghans. Am 15. April 1861 gründete Erhard Junghans gemeinsam mit seinem Schwager Jakob Zeller-Tobler die Firma "Junghans und Tobler". Die Marke war schnell überall in der Welt bekannt. In den Siebzigern begann der Abstieg wegen der billigen Quarzuhren aus Fernost. Die Insolvenz im Sommer 2008 besiegelte das Aus.

Wunder aus dem Schwarzwald

Ein Unternehmer im Ruhestand leitete die Rettung ein: Hans-Jochem Steim erhielt eine Anfrage vom Bürgermeister und kaufte die insolvente Firma gemeinsam mit seinem Sohn Hannes aus privatem Engagement. Steims Firmengruppe Kern-Liebers ist eine der unbekannten Champions im deutschen Mittelstand. Der Konzern stellt Platinen für die Textilindustrie und Rückholfedern für Sicherheitsgurte her. Mit Junghans schloss sich für Steim ein historischer Kreis:

Schon sein Urgroßvater hatte die Manufaktur einst beliefert. Junghans-Geschäftsführer und Uhrmachermeister Matthias Stotz arbeitete am Turnaround mit.

Der gelernte Uhrmachermeister Stotz verriet wanted.de, worauf es im Job ankommt.
"Natürlich sind Fingerfertigkeit und Geschick, aber auch räumliches Vorstellungsvermögen gefragt. Dazu kommen die technische Analysefähigkeit und sehr gutes Sehen, sonst findet man die Fehler nicht. Geduld ist wichtig, denn mitunter gleicht die Arbeit am Uhrwerk einer detektivischen Suche."

Der übliche Einstieg ist als Lehrling bei einem Hersteller oder im Handwerk, die Ausbildung in Deutschland dauert je nach Lehrort dreieinhalb Jahre. Alleine in Baden-Württemberg gibt es drei Schulen in Pforzheim, Furtwangen und in Villingen-Schwenningen die drei Jahre im Vollzeit-Untericht anbieten. Renommierte Institute sind auch in Hamburg und in Glashütte angesiedelt. >>

Ein Uhrmacher verdient laut Stotz am Anfang ab 2000 Euro brutto, im Schnitt sind es später rund 4000 Euro brutto - in der Schweiz wird meist mehr gezahlt. "Doch der Beruf bietet einige Entwicklungsmöglichkeiten – das Einkommen ist nach oben offen." So könne ein Uhrmacher auch in der Medizintechnik arbeiten, hier seien - je nach Tätigkeit - die Fähigkeiten unter anderem in der Mikro-Chirurgie bei der Herstellung von Endoskopen gefragt. Wer gerne verkauft, geht in den Vertrieb.

"Die Nachfrage nach Uhrmachern ist zurzeit enorm hoch – der asiatische Markt boomt und überall auf der Welt müssen Reparatur-Werkstätten aufgebaut werden, denn der internationale Wartungsbedarf steigt". In Großbritannien beispielsweise gebe es nur eine Schule von Rang in Manchester – "die bildet sechs Leute im Jahr aus – für dieses Land ist das zu wenig". Um den internationalen Wartungsbedarf abdecken zu können, werden unter dem Stichwort Wostep (Watchmakers of Switzerland Training and Educational Program) zurzeit rund um den Globus Schulen aufgebaut.

AHCI: Der Olymp der Uhren-Superstars Und wer sich erfolgreich selbständig macht und eigene Konstruktionen entwickelt, der darf darauf hoffen, in den Olymp der Uhrenbranche aufgenommen zu werden: In der 1985 gegründeten Académie Horlogère des Créateurs Indépendants (AHCI) sind laut Junghans-Chef Stotz die Stars von heute und morgen organisiert. Wer hier auf Vorschlag von zwei Paten und nach einer Wartezeit von zwei Jahren einstimmig von den gut drei Dutzend Mitgliedern aufgenommen wird, der hat es geschafft. Enfant Terrible der Schweizer Szene

Auch wer Uhren dieser Individualisten besitzt, der darf sich glücklich schätzen, denn die Modelle der Meister erzielen enorme Wertsteigerungen. So fertigt das Enfant Terrible der Schweizer Szene, Franck Muller, heute barocke Uhren, die mitunter auf Standard-Werken basieren und dennoch die oberen Zehntausend der Welt begeistern.

"Und hätte ich in den Achtzigern eine F.P. Journe gekauft, dann hätte ich jetzt einen Schatz im Tresor", fährt Stotz fort. François-Paul Journe entwirft komplett eigene Uhrwerke. "Einer der aktuellen Nachwuchsstars der AHCI ist Thomas Prescher", erläutert der Junghans-Chef weiter. Prescher schaffte bei der IWC in Schaffhausen nach einer verkürzten Lehrzeit 1994 seinen Abschluss als Jahrgangsbester Uhrmacher-Mikroelektroniker. Zudem wurde er von der Prüfungskommission für Gewerbliche und Handwerkliche Berufe des Kantons Schaffhausen und dem Verband Deutschschweizer Uhrenfabrikanten für besondere Leistungen ausgezeichnet. Als Lehrabschlussstück baute er sein erstes fliegendes Tourbillon, seit 2002 ist er selbständig.

"Spektakuläre und extrem experimentelle Uhren"

Und noch einen Geheimtipp hat der Junghans-Chef parat: "Greubel und Forsay bauen spektakuläre und extrem experimentelle Uhren". Beide gehören zur Avantgarde: Uhrmacher Robert Greubel ist Jahrgang 1960 und Stephen Forsey wurde 1967geboren, Kenner zählen die junge Marke zu den Top-Anbietern und schwärmen sowohl von der Erfindungsgabe wie auch von der perfekten Verarbeitung der Produkte. Für den Junghans-Chef ist die Sache klar: "Für mich ist der Uhrmacher ein Traumberuf: Der Job bietet viele Entfaltungsmöglichkeiten, eine lange Historie und enorme Chancen – vom Montageuhrmacher bis hin zum Geschäftsführer oder -inhaber. Welcher Beruf bietet schon so viele Entwicklungsmöglichkeiten?"  Holen Sie sich einen Eindruck des traditionsreichen Handwerks der Uhrmacherei in unserer Foto-Show.

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