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Django Unchained: Interview mit Quentin Tarantino

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Tarantino: "Der Film ist definitiv ein Epos"

18.01.2013, 09:28 Uhr | Das Interview führte Joe Utichi, wanted.de

Django Unchained: Interview mit Quentin Tarantino. Quentin Tarantino bei der Deutschlandpremiere von "Django Unchained" in Berlin. (Quelle: Reuters)

Quentin Tarantino bei der Deutschlandpremiere von "Django Unchained" in Berlin. (Quelle: Reuters)

"Django Unchained" - Quentin Tarantinos neues Meisterwerk ist in den deutschen Kinos gestartet. Im Interview verrät der Kult- Regisseur von Pulp Fiction und Inglourious Basterds, warum er jetzt einen Western gedreht hat, darin ein deutscher Cowboy auftaucht und warum Jamie Foxx der perfekte "Django" ist.

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Sie haben schon lange davon gesprochen, einmal einen Western drehen zu wollen. Allerdings hat es mit diesem Vorhaben erst jetzt geklappt. Geht für Sie damit ein Traum in Erfüllung?

Ich wollte schon immer einen Western drehen. Im Grunde ist für mich allein die Möglichkeit, überhaupt Filme machen zu können, ein wahr gewordener Traum; egal, um welches Genre es geht. Mit Reservoir Dogs zum Beispiel wurde mein Traum wahr, einen Gangster-Film zu drehen. Es gefällt mir eben, mich an verschiedenen Genres zu versuchen – ein Kriegsfilm, Gangster, ein Martial-Arts-Film und jetzt ein Western. Ich habe Western schon immer gemocht und Elemente daraus fanden sich auch in meinen anderen Filmen.

Nachdem ich das Thema einige Male zuvor sozusagen „verkleidet“ hatte – insbesondere im Fall von Kill Bill Vol. 2 und Inglourious Basterd – ist es schön, nun endlich einen richtigen Western umsetzen zu können. Und selbst jetzt ist es kein „richtiger“ Western, denn die Handlung spielt ja im Süden. Ich bin das Ganze also eher unkonventionell angegangen.

Und es gibt bei Ihnen einen deutschen Cowboy.

Richtig, das Interessante ist ja, dass Franco Nero als Italiener den Django im ersten Film spielte. Und dann gab es noch einen mit Terrence Hill: „Django und die Bande der Gehenkten“, in der dieser offensichtlich dieselbe Figur verkörpert. Aber daneben gibt es noch 39 andere „Django“-Filme, die mit dem echten Django überhaupt nichts zu tun haben – manchmal findet sich darin noch nicht mal jemand, der überhaupt Django heißt. Aus meiner Sicht stehen wir den vielen inoffiziellen „Django“-Sequels, in denen es auch keinen „Franco Nero“-Charakter gibt, in nichts nach.

Dafür machen wir aus ihm einen befreiten Sklaven, was ziemlich cool ist. Und dann kommt noch dieser Deutsche als Kopfgeldjäger-Zahnarzt dazu. Das ist schon ziemlich speziell! [lacht]

Wie haben Sie Jamie Foxx gecastet? Wir hatten ein Treffen und da war er einfach grandios. Er verstand die Story, deren Kontext und die historische Bedeutung des Films. Jamie spielt diese Rolle für mich, für die große Leinwand, für sich selbst, aber auch für seine Vorfahren. Er kann heute die Sachen machen, die seinen Vorfahren verwehrt blieben. Für ihn und seine Leute ist das eine sehr wichtige Geschichte; für alle Amerikaner, für alle Menschen. Und das hat er sofort kapiert, zu 100 Prozent. Er ist ein toller Schauspieler und passt einfach perfekt in diese Rolle. Auch weil er diese gewisse Cowboy-Art an sich hat. Als ich ihn traf, dachte ich an die Schwarzen, die in den 60ern als Stars von Western-Serien gecastet wurden, und konnte mir Jamie gut in seiner eigenen Serie vorstellen. Er macht auf dem Pferd und in diesem Outfit eine tolle Figur. Nach Jackie Brown geht es auch in diesem Film wieder um das Thema der Hautfarbe. Haben sie manchmal Bedenken, wenn sie solche Themen anpacken?

Absolut nicht. Mir ist immer bewusst, dass einige Leute sich irgendwie dazu äußern werden, aber das geht vorüber und der Film bleibt als solcher bestehen. Und überhaupt: Nichts von all dem, was irgendjemand vielleicht zu sagen hat, wird mich jemals von irgendetwas abhalten. Das alles macht mir also nichts aus. Immer, wenn jemand bei diesem Thema ein Fass aufmachen will, sage ich einfach: „Ja, stimmt schon, aber gleichzeitig ist es auch einfach ein cooler Western“.

Welche Herausforderungen waren damit verbunden, einen Western zu drehen? Das Wetter! [lacht] Das Wetter war das größte Problem. Also etwas, über das man keinen Gedanken verschwendet, wenn man sich einen Western nur ansieht. Mal regnet es, mal ändert sich das Licht komplett – morgens hatten wir völlig andere Lichtverhältnisse als später am Tag. Das war wirklich das größte Problem, weil du nach einer Veränderung des Lichts plötzlich deine Szene nicht mehr abschließen konntest. Daran konnte auch mein dreifach Oscar-prämierter Kameramann nichts ändern. Diese Sache war also die größte Herausforderung, alles andere war einfach traumhaft. Im Gegensatz zu Ihren letzten Filmen gibt es dieses Mal eine oder zwei Figuren, die etwas stärker im Mittelpunkt stehen. Könnte man sagen, dass dieser Film sich etwas geerdeter anfühlt?

Nein, der Film ist definitiv ein Epos. Spaghetti-Western sind für mich keine „Exploitation“-Filme. Sie haben die gleiche Daseinsberechtigung wie die US-Western – und in der Tat mag ich Spaghetti-Western etwas lieber. Ich versuche bewusst, mich von der „Exploitation“-Schiene fernzuhalten. Denn ich habe es hier mit einem sehr „exploitativen“ Thema zu tun. Niemand soll den Eindruck haben, dass die Frauen oder die Sklaven im Film reißerisch dargestellt werden. Ich stelle diese Figuren nämlich ganz und gar nicht reißerisch dar, sondern bezeuge lediglich, wie genau das damals mit ihnen gemacht wurde.

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