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Paul Bocuse: der "Jahrhundertkoch" feiert Geburtstag

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Paul Bocuse - der "Jahrhundertkoch" wird 90 Jahre alt

11.02.2016, 10:26 Uhr | AFP, dpa

Paul Bocuse: der "Jahrhundertkoch" feiert Geburtstag. Kulinarik-Held: Paul Bocuse. (Quelle: dpa)

Kulinarik-Held: Paul Bocuse. (Quelle: dpa)

Wohl kaum ein Koch hat auf die Welt der feinen Genüsse so einen Einfluss wie Paul Bocuse. Der Franzose gilt zurecht als der "Jahrhundert-Koch" und feiert nun seien 90. Geburtstag. wanted.de huldigt der lebenden Legende.

Foto-Serie mit 8 Bildern

Das Kochen überlässt Paul Bocuse schon lange anderen. Nicht nur, dass der Küchenmeister, der am 11. Februar 1926 das Licht der Welt erblickte, zunehmend gebrechlich ist und unter Parkinson leidet. Vor allem aber hat der Franzose es als gefeierter "Küchenpapst" schon lange nicht mehr nötig, selbst den Kochlöffel zu schwingen. Paul Bocuse ist längst zum Inbegriff französischer Kochkunst geworden.

Seit 1965 mit drei Sternen

Gefeiert wird diese Kochkunst - ebenso wie Bocuse selbst - in seinem nahe Lyon gelegenen Restaurant "Auberge du Pont de Collonges". Seit 1965 hat der Gourmettempel in Bocuses Geburtsort Collonges-au-Mont d'Or ununterbrochen drei Michelin-Sterne, ein Rekord. Und auch wenn Kritiker der Meinung sind, die drei Sterne spiegelten heute nicht mehr die Qualität der Küche, sondern seien eher eine Huldigung des alten Meisters: Das Restaurant mit der grün-rosa Fassade, in dem ein auf die Außenwand gemalter Bocuse die Gäste begrüßt, zieht unvermindert Feinschmecker aus aller Welt an.

Auf der Speisekarte stehen bis heute berühmte Bocuse-Gerichte wie die Trüffelsuppe "VGE", die der Starkoch 1975 für den damaligen Staatschef Valéry Giscard d'Estaing entwarf, als dieser ihn in die französische Ehrenlegion aufnahm, oder Bressehuhn mit Morchelsoße.

Bocuse stammt aus Koch-Dynastie

Die Liebe zum Kochen wurde Bocuse in die Wiege gelegt. Seine Vorfahren hatten schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine Gaststätte, seine Eltern betrieben in Collonges-au-Mont-d'Or die "Auberge du Pont". Der junge Bocuse lernte unter anderem bei der legendären Drei-Sterne-Köchin Eugénie Brazier in Lyon, bevor er das Restaurant der Eltern übernahm. 1958 verlieh ihm der "Guide Michelin" seinen ersten Stern, der zweite folgte nur zwei Jahre später, bevor Bocuse 1965 den dritten Stern erhielt und damit die höchsten Küchenweihen.

Berühmt wurde Bocuse als einer der Wegbereiter der "Nouvelle Cuisine": Mitte der 70-er-Jahre erschien in Deutschland und anderen Ländern sein Buch "Die neue Küche" - eine Küche, die auf erstklassige, frische Zutaten und beste Zubereitung setzte, während die Hausfrauen gerade Konserven und Tiefkühlkost für sich entdeckt hatten. Als "Revolution" wollte Bocuse die "Nouvelle Cuisine" aber nicht sehen. Sich selbst beschrieb Bocuse einmal als "Anhänger der traditionellen Küche", der "Butter, Sahne und Wein" liebe.

Sinn fürs Geld

Die Auswüchse der Neuen Küche, in der neben guten Zutaten auch die aufwendige Präsentation eine wichtige Rolle spielt, nahm er einmal selbst aufs Korn: "Die 'Nouvelle Cuisine', das war: nichts auf dem Teller und viel auf der Rechnung." Einen Sinn für Geld hatte der vor Energie strotzende und geschäftstüchtige "Monsieur Paul" schon früh: Als wahrer kulinarischer Globetrotter tourte er um die Welt, eröffnete zahlreiche Gourmettempel, verkaufte Champagner und Stopfleber unter seinem Namen ins Ausland und baute sich so ein wahres Küchenimperium auf. Sein Name und sein von einer hohen Kochmütze gekröntes Haupt wurden zur weltberühmten Marke. Zu seinem Imperium gehören mehr als 20 Restaurants, eins davon in Walt Disney World in Florida und mehrere in Japan. Keineswegs nur Tempel der Haute Cuisine, zum Konzern gehören zahlreiche Brasserien, und bei "Ouest Express" gibt es auch Burger "made by Bocuse". Sein Sinn fürs Geld hat seiner Kochkunst indes nicht geschadet. Für viele Spitzenköche in aller Welt ist Bocuse bis heute ein Vorbild. Auch hierzulande genießt Bocuse einen Ruf wie Donnerhall. "Paul Bocuse ist in den letzten 50 Jahren sicherlich in der Welt DAS Aushängeschild für Küchenkultur, für Hochküche und für Kulturprägung in der Küche", lobt der deutsche Sterne- und Fernsehkoch Frank Rosin den Franzosen.

Um seine Fertigkeiten als Koch an die Jüngeren weiterzugeben, gründete er 1990 in Ecully in der Nähe von Lyon seine eigene Hotel- und Kochschule. Bereits drei Jahre zuvor hatte er den Nachwuchswettbewerb "Goldener Bocuse" ins Leben gerufen. Dass der Starkoch es mit traditionellen Familienwerten nicht so genau nimmt, wurde ihm sogar im katholischen Frankreich verziehen.

Konflikt mit traditionellen Familienwerten

Zu seinem 80. Geburtstag machte er öffentlich, dass er seit Jahrzehnten mit drei Frauen zusammenlebte. Ehefrau Raymonde musste sich mit zwei Nebenfrauen des Kochs abfinden. "Ich liebe Frauen", sagte der Genussmensch einmal dazu. "Und heutezutage leben wir zu lange, um ein ganzes Leben mit einer Einzigen zu verbringen." Bilder von Paul Bocuse finden Sie in unserer Fotoshow.

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