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So überleben Sie einen Wildschweinangriff

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Nacht und Dämmerung meiden  

Einen Wildschweinangriff überleben

10.11.2016, 12:35 Uhr | Uwe Kauss

So überleben Sie einen Wildschweinangriff. So einem Wildschwein-Keiler will niemand im Wald begegnen – doch das Risiko ist sehr gering: Normalerweise meiden sie Menschen sehr weiträumig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

So einem Wildschwein-Keiler will niemand im Wald begegnen – doch das Risiko ist sehr gering: Normalerweise meiden sie Menschen sehr weiträumig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Ehepaar wandert in Franken mit den Hunden durch den Wald. Plötzlich taucht ein Wildschwein auf, den Kopf gesenkt, die Borsten aufgestellt. Es sprintet auf die Wanderin zu, rammt sie, reißt ihr eine Wunde ins Bein, rennt auch den Ehemann um und verschwindet. Der Jäger und Förster Manfred Eckhardt erklärt, wie man solche Angriffe unbeschadet übersteht – und wie man sie überhaupt erst vermeidet.

Der Angriff ereignete sich im März 2016 im Landkreis Würzburg. Die Hauer des Wildschweins rissen der Wanderin eine 30 Zentimeter lange Wunde ins Bein, auch ihr Hund wurde verletzt. Solche Meldungen finden sich immer wieder – vor allem im Winter, wenn die Keiler auf Paarungssuche sind und im Frühjahr, wenn die Bachen – so heißen weibliche Wildschweine – ihren Nachwuchs, die Frischlinge, geboren haben. Der berühmte Tierfilmer Andreas Kieling, der gerne Grizzlys filmt, schon mit Krokodilen schwamm und von einer Anakonda gewürgt würde, berichtete in einem Interview, dass es ein Keiler war, der ihn am gefährlichsten verletzte. 

150 Kilo, 20-Zentimeter-Hauer

Die Tiere sind für Spaziergänger und Wanderer ziemlich beeindruckend: Keiler können eine Schulterhöhe von bis zu 1,10 Meter erreichen und bis zu 150 Kilogramm schwer werden, Bachen wiegen meist nur die Hälfte. Riesige schwarze Augen, dicke Borsten, scharfe, bis zu 20 Zentimeter lange Hauer und eine pfeilschnelles Tempo sind ziemlich angsteinflößend. Doch ohne Grund greifen Wildschweine niemals an. "Menschen passen weder in ihr Beuteschema noch sind sie Paarungs- oder Futterkonkurrenten. Daher ist das Risiko eines Angriffs draußen im Wald sehr, sehr gering", beruhigt der Förster und Jäger Manfred Eckhardt aus der Leitung des Landesbetriebs Hessenforst in Kassel, der die Verantwortung für 335.000 Hektar Wald trägt.

Wann die Gefahr am größten ist

"Wildschweine haben eine natürliche Scheu vor Menschen. Daher sind Begegnungen sehr, sehr selten. Hören oder riechen sie uns von weitem, werden sie Abstand suchen", erklärt er. Daher sei das Wandern auf beschilderten Wanderwegen meist völlig ungefährlich, denn dort riecht es für die Tiere intensiv nach Menschen – und diese Areale meiden sie. Doch es gebe Ausnahmen: "Ab Februar werfen die Bachen ihre Frischlinge. In den ersten Tagen nach der Geburt sind sie noch nicht zur Flucht fähig. Wer so eine Rotte beim Querfeldein-Wandern aufscheucht, muss sehr aufpassen", warnt Förster Manfred Eckhardt. Denn eine Bache verteidigt ihre Jungen in dieser Phase mit dem Leben – und wer ihnen zu nahe kommt, ist eine ernste Bedrohung. So reagiert die Wildsau auch: Mit Drohgebärden und Fauchen will sie imponieren.

Auch Keiler, die verletzt sind, von einem Auto angefahren wurden oder in Todesangst vor einer Jagdgesellschaft geflohen sind, können sich ähnlich verhalten. "Sehr oft machen sie zuerst aus fünf bis 15 Metern Abstand einen ungefährlichen Scheinangriff, nur, um ihre Stärke demonstrieren", weiß Eckhardt.

Das richtige Verhalten im Ernstfall

Und was nun? Ruhig bleiben, empfiehlt der Förster. Dem Tier keinesfalls näher kommen, keinen Versuch machen, es zu verscheuchen – das könnte es als Angriffsgeste deuten. Ohne Hektik den Rückwärtsgang antreten, keine schnellen Bewegungen machen, keine Ausweichmanöver, nur kein Wegrennen – aber zügig Distanz herstellen, um dem Tier den sicheren Rückzug möglich zu machen.

Wer einen Hund dabei hat: Ihn sofort zurückrufen, anleinen und bei sich halten. Wenn möglich, ihn beruhigen. Wenn das nicht klappt, ihn schnell mit Futter zurück locken. "Der Hund ist für das Wildschwein nun der primäre Angreifer, nicht der Mensch", warnt Eckhardt, "das kann etwa für Jagdhunde gefährlich werden." Doch sie hätten einen entscheidenden Vorteil: Hunde können den sehr schnell heran sprintenden Wildschweinen gut ausweichen – denn Wildsauen könnten weder Haken schlagen noch enge Kurven ziehen. Sehr wichtig sei zudem, den Tieren in so einer Situation keine Fluchtwege zu versperren, etwa entlang von Gattern, Zäunen und Schluchten. "Oft werden Menschen nur deswegen umgerannt, weil sie dem Tier auf der Flucht im Weg stehen. Dann geht es das Risiko ein und wagt die Konfrontation, um weg zu kommen."

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Füttern von Wildschweinen macht Angriffe wahrscheinlicher

Denn die Tiere seien – allen Meldungen der Boulevard-Medien zum Trotz – extrem friedlich: "Jedes Wildschwein wird alles tun, um eine Auseinandersetzung zu vermeiden, denn es will sich niemals in Gefahr bringen, sich zu verletzen. Das kann lebensgefährlich sein, und daher ist die Flucht der Regelfall", erklärt Eckhardt. Konflikte mit der Folge eines Angriffs gebe es meist nur dort, wo die Tiere an Menschen gewöhnt seien, wo sie gefüttert werden. So verringere sich die natürliche, weite Distanz zwischen Menschen und Wildschweinen. Kann in so einer Situation das Tier nicht fliehen, wird es drohen und angreifen.

Bei dem Unfall Anfang März bei Würzburg etwa lebte das Wildschwein in einer Betonröhre nahe des Wegs und wurde von den Mitgliedern einer Religionsgemeinschaft gefüttert, die in der Nähe ein Haus führt. Es wollte sein Futter verteidigen und hatte wenig Rückzugsmöglichkeiten – und so kam es zur schweren Verletzung der Wanderin.

Nacht und Dämmerung meiden

Am meisten gefährdet sei, wer alleine und still in der Dämmerung oder nachts weit ab vom Weg durch den Wald läuft. Dort haben Wildschweine ihre Schlaf- und Wohnstätten – und dort rechnen sie am wenigsten mit Menschen. Überrascht man sie, kann ihre Panik einen Angriff verursachen. Doch meist würden sie schon in großer Entfernung die Flucht ergreifen, weiß der Förster. Wildschweinrotten würden meist von erfahrenen Bachen angeführt, die jeder Art von Konflikten vorausschauend aus dem Weg gehen. Doch Manfred Eckhardt warnt, einen so süß dreinschauenden Frischling zu berühren, wen man ihn entdecken sollte: "Ein Quieken genügt, und die Mutter schießt zur Verteidigung heran."

Wer sein Risiko minimieren will, bleibt daher beim Wandern am besten auf den beschilderten Wegen und unterhält sich gut hörbar. Dann verziehen sich die Tiere so frühzeitig, dass kein Mensch sie jemals bemerkt. Ohnehin ist für Manfred Eckhardt die Zahl der Angriffe insgesamt sehr überschaubar: "Wir haben in Deutschland einen Bestand von mehreren Millionen Tieren. Allein in der Saison 2014/15 sind in Deutschland 520.000 Wildschweine geschossen worden. Setzt man dies mit der Zahl der Angriffe in Relation, dann sieht man: Das Risiko ist extrem gering. Wildschweine wollen niemanden fressen."

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