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Eine Lawine überleben: Jede Sekunde zählt

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Eine Lawine überleben: Jede Sekunde zählt

31.01.2017, 11:29 Uhr | Uwe Kauss, wanted.de

Eine Lawine überleben: Jede Sekunde zählt. Eine solche Lawine bewegt tausende Tonnen Schnee, komprimiert ihn zu Beton und reisst alles mit, was sich auf seinem Weg befindet.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine solche Lawine bewegt tausende Tonnen Schnee, komprimiert ihn zu Beton und reisst alles mit, was sich auf seinem Weg befindet. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer beim Skifahren in eine Lawine gerät, befindet sich in höchster Gefahr. Zwar kann das richtige Equipment die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöhen, aber das sei keinensfalls eine Garantie, warnt Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein. Er hat WANTED.DE erklärt, worauf es wirklich ankommt.

Die Abfahrt ist ein Traum. Sonne und Schnee pur, kein Mensch am steilen Hang zu sehen, weit weg der überfüllten Skipisten. Doch plötzlich ein lauter Knall, dann noch einer. In langen Rissen teilt sich die Schneedecke unter den Skiern, riesige Blöcke rutschen mit Urgewalt ab, beschleunigen immer schneller nach unten, reißen Bäume mit. Der ganze Hang gerät in Bewegung, Schneewolken nehmen jede Orientierung. "Jede Lawine ist eine Katastrophe, es besteht auch mit bester Ausrüstung akute Lebensgefahr", warnt Thomas Bucher, Sprecher des Deutschen Alpenvereins in München, mit Nachdruck.

Für das Jahr 2015 registrierte die Unfallstatistik seiner Organisation 20 Lawinenunfälle mit sieben Toten unter den knapp 1,2 Millionen Mitgliedern. In Österreich kamen in der Saison 2015/16 insgesamt 13 Menschen durch Lawinen ums Leben, im Vorjahr waren es sogar 27. In Südtirol starben im März 2016 sechs Skifahrer bei einem einzigen Unglück. Nur mit Glück, Intuition und der richtigen Ausrüstung könne ein Skifahrer so eine Situation überleben, fügt Bucher hinzu. Doch selbst erfahrene Bergretter und Bergführer seien schon durch Lawinen zu Tode gekommen.

Eine ausgewiesene Piste ist sicher

Lawinengefahr besteht für Freerider und Skitourenfahrer dort, wo sie sich eigene Strecken suchen. "Eine ausgewiesene Skipiste ist definitiv sicher", erklärt Bucher. Wer aber seine eigene Spur zieht, hat bei einem Lawinenabgang nur eine Chance, wenn er nicht allein fährt und das nötige Equipment dabei hat. Jeder Freerider benötigt im Rucksack eine Lawinenschaufel, eine Sonde sowie ein LVS (Lawinenverschüttetensuchgerät).

Im Fall einer Verschüttung zählt jede Sekunde, weiß Bucher: "Die Überlebenschance sinkt nach 15 Minuten rapide ab. Wer länger unter der Schneedecke liegt, droht zu ersticken." In einer Lawine sei der Schnee oft extrem stark komprimiert. "Als Verschütteter kann man sich keinen Millimeter mehr bewegen, nicht gut atmen. Selbst wer nur einen halben Meter unter der Schneedecke liegt, hat ohne schnell agierende Retter keine Chance", sagt der Experte und fügt hinzu: "Wer allein draußen fährt, wird in der Regel nicht schnell genug gefunden." Für die Mitfahrer einer Gruppe gibt’s deshalb nur eine Regel: Sofort mit der Suche beginnen. Die Alarmierung der Bergrettung per Handy sei erst im zweiten Schritt wichtig: "Innerhalb von 15 Minuten wird der Helikopter nur selten vor Ort sein können", weiß Bucher. "Es kommt also zum Überleben auf die Kameradenrettung an!"

Nur eine winzig kleine Chance

Wer beim Skifahren unter sich die Katastrophe spürt, hat nur eine winzig kleine Chance, um zu entkommen: Versuchen, blitzschnell seitlich aus dem schnellen Strom der Schneemassen herauszukommen. Doch das wird nur erfahrenen, sehr gut trainierten und sicheren Skifahrern mit viel Glück gelingen. Wer aber schon unkontrolliert hinab gezogen wird: Raus aus der Skibindung, weg mit den Skiern und den Stöcken, um Verletzungen zu vermeiden.

In vielen Ratgebern wird empfohlen, in solchen Situationen die Arme wie beim Schwimmen zu bewegen, um sich Auftrieb zu geben und oben zu bleiben. Bucher ist da aber skeptisch: "Man macht reflexhaft diese Bewegung, aber kontrolliert bekommt das in dieser Extremsituation niemand mehr hin. Man muss einfach versuchen, irgendwie oben zu bleiben. Mehr geht nicht." Oft wird auch empfohlen, mit den Händen Mund und Nase zu schützen. Das sei aber erst kurz vor dem Stillstand der Lawine wichtig, um eine Atemhöhle zu bewahren, sagt der Alpenvereins-Experte. Den richtigen Moment zu erwischen, sei dabei allerdings extrem schwierig.

Keine Rettung ohne LVS

Daher ist ein LVS-Gerät – wie es beispielsweise der Hersteller Ortovox je nach Ausstattung für etwa 170 bis 240 Euro anbietet – für die Lebensrettung entscheidend. Im Standardmodus sendet es permanent Signale, im Notfall können andere Skifahrer ihr Gerät sofort in den Empfangsmodus schalten und den akustischen Signalen und Display-Anzeigen folgen. Doch wer von seinem Gerät nur die Hülle kennt, wird seinen Kameraden damit nicht retten. "Es ist wichtig, den Umgang damit zu üben, die Signale zu verstehen, damit man in solch einer Stress-Situation das Richtige tut", betont Thomas Bucher. Damit kennt man den engen Umkreis, in dem sich der Verschüttete befindet – mehr aber nicht. Die Ortung der exakten Position zum Graben geschieht anschließend mit der Lawinensonde. Der letzte Schritt ist das Ausschaufeln. Je nach Verschüttungstiefe und Schneekomprimierung kann das allerdings auch die längste Phase der Kameradenrettung sein.

Bucher empfiehlt Freeridern zudem das Mitführen eines Rucksacks mit Lawinenairbag, der ab etwa 400 bis 500 Euro zu haben ist. Der sei "ein sinnvolles Zusatzgerät, das die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht". Im Notfall löst ein Zug am Griff an der Vorderseite das sofortige Aufblasen von einem oder zwei signalfarbenen Airbags aus. Die Luftkissen halten den Skifahrer mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit an der Oberfläche der Lawine und reduzieren damit das Risiko, verschüttet zu werden. Ebenfalls sinnvoll sei das "Avalung"-System, das Atemluft aus dem Schnee extrahiert und so ein längeres Überleben unter der Schneedecke möglich macht. Doch dazu müsse der Skifahrer "das Mundstück fest im Mund behalten, wenn er in eine Lawine gerät".

Respekt vor der Natur und den Gefahren

Viel wichtiger als diese Helfer sei aber die Tourenvorbereitung, betont Bucher: "Den aktuellen Wetterbericht lesen. Den Lawinenlagebericht lesen. Die richtige Tour aussuchen", zählt er die drei entscheidenden Faktoren auf und fügt hinzu: "Immer in der Gruppe unterwegs sein. Niemals allein. Und die Abfahrt strategisch planen. Das bedeutet: Man teilt die Strecke in Etappen ein und fährt nacheinander von einem sicheren Punkt zum nächsten, sammelt sich und verabredet die nächste Etappe." So könne bei einem Lawinenabgang nur einer in Gefahr geraten. Diese Fahrweise bedeute für ihn auch: "Hoher Respekt vor der Natur und ihren Gefahren." Denn eine Lawine zu überleben, sei auch mit dem besten Equipment und sofort heran eilenden Rettern nur eins: "Pures Glück."

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