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Urlaub Bayern: Bayrischzell will größte Seilrutsche der Welt

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Adrenalinkick  

Bayrischzell will größte Seilrutsche der Welt

24.08.2009, 17:52 Uhr | dpa

"Skyglyder" am Achensee: Der geplante "Flying Fox" in Bayerischzell soll deutlich größer werden (Foto: TVB Aschensee)"Skyglyder" am Achensee: Der geplante "Flying Fox" in Bayerischzell soll deutlich größer werden (Foto: TVB Aschensee)

Vom Gipfel mit weit über 100 Sachen an einem Seil ins Tal rauschen - "Flying Fox" heißt der neueste Adrenalin- Kick. Mit dem Bau der größten Seilrutsche der Welt will der Ferienort Bayrischzell gegen schwindende Gästezahlen kämpfen. Auch in Garmisch- Partenkirchen gibt es Pläne zu einem "Fliegenden Fuchs". Naturschützer und Bergsteiger sehen einen Ausverkauf der Berge und ein Zeichen von Dekadenz. Sie warnen, das Kreischen der begeisterten Fahrgäste könne Ruhe suchende Wanderer vertreiben - der "Flying Fox" sei ein Fahrgeschäft und gehöre eher aufs Oktoberfest.


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"Skyglider" in Österreich

Doch der Wettbewerb unter den Alpen-Orten ist hart. Im nahen Österreich ist es schon soweit: Im Rofangebirge am Achensee schwingen sich an schönen Tagen an die 200 Wagemutige juchzend vom 2038 Meter hohen Gschöllkopf mit dem adlerartigen "Skyglider" zu Tal. Zuerst geht es rückwärts 200 Höhenmeter nach oben, dann mit 80 Stundenkilometern hinunter. "Geil" finden die Kinder die Fahrt, und auch für den französischen Urlauber Thierry Marion, der mit Frau und zwei Töchtern in Österreich urlaubt, ist die Abfahrt auf der Seilrutsche "eindrucksvoll". "Wir haben so etwas noch nie gesehen."

Bayrischzell will Weltrekord

Der "Skyglider" ist freilich nichts gegen das, was etwa 60 Kilometer entfernt in Bayrischzell vielleicht entstehen wird. Dort könnte es, wenn die ehrgeizigen Pläne des einheimischen Unternehmers Dirk Schwarzer Wirklichkeit werden, von der Bergstation des 1838 Meter hohen Wendelstein über 1000 Höhenmeter ins Tal gehen - ein neuer Weltrekord. "Wenn wir etwas Neues schaffen möchten, dürfen wir keine ausgetretenen Pfade gehen", wirbt Schwarzer im Flyer seiner Event-Firma. Auch Garmisch-Partenkirchen rüstet auf. Dort sollen über dem Abgrund schwebende Aussichtplattformen einen spektakulären Blick ins Höllental bieten. Und der Wegbereiter des Bungee-Springens, Jochen Schweizer, will an der Alpspitze einen "Flying Fox" bauen.

Risiko oder Chance für den Tourismus?

"Die Aufrüstung der Alpen zum Abenteuerspielplatz schadet der Natur und gaukelt eine Scheinwelt vor", kritisiert der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz in Bayern (BN), Richard Mergner, die "Flying Fox"-Pläne. "Deswegen lehnen wir derartige technische Einrichtungen in den Bergen ab - sie gehören eher auf einen Rummelplatz als in die Bergwelt." Bayrischzells Tourismusmanager Harald Gmeiner sieht hingegen eine Chance für den kränkelnden Fremdenverkehr. "Junge Leute sind für uns die Zukunft", sagte er bei einer Diskussion des Deutschen Alpenvereins (DAV). "Wir können uns leider nicht mehr leisten, eine bestimmte Zielgruppe auszuklammern." Mit dem Klimawandel sei der Wintersport keine sichere Sache mehr. Viele Betriebe seien schon jetzt am Existenzminimum, sagt Gmeiner. "Wir als Touristiker sind gezwungen, mitzuhalten."

Bislang starke Ablehnung

Heute umstrittene Sensation - morgen oft Normalität: Vor fünf Jahren sahen manche Umweltschützer noch "mit Argwohn" die Downhill- Parks, in denen Freaks in Vollvisierhelm und Schutzkleidung mit Fahrrädern ins Tal brettern. Mittlerweile sind einige für solche Parks, wenn keine neuen Flächen zerstört werden. Auch bei Klettersteigen hat sich die Haltung gewandelt: Der DAV setzt inzwischen auf Mitgestalten statt Ablehnen - ähnlich wie bei der Olympiabewerbung Münchens, die der BN scharf kritisiert. In der harschen Ablehnung des "Flying Fox" sind allerdings alle einig. "So funktioniert Naturerlebnis nicht", sagt DAV-Präsident Heinz Röhle. "Wenn wir soweit verarmen, dass wir dafür so ein Vehikel brauchen, sind wir wirklich dekadent geworden." Der Bergfotograf und frühere Extrem-Bergsteiger Jürgen Winkler sagt: "Wenn ich das alles so höre, packt mich das nackte Grausen. Wir leben in einer Zeit der Gier und der Maßlosigkeit." Einen geheimen Verbündeten sieht Winkler in der Wirtschaftskrise. "Vielleicht wird es sich ganz von alleine geben - wenn die Menschen nicht mehr soviel Geld haben."

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