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Thomas Cook in der Schweiz auf der Spur

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In der Schweiz auf den Spuren von Thomas Cook

30.09.2013, 11:57 Uhr | Simone F. Lucas, srt

Thomas Cook in der Schweiz auf der Spur. Leukerbad, Daubensee auf dem Gemmi-Pass. (Quelle: SRT /Simone F. Lukas)

Die Überquerung des Gemmi-Passes war schon für die erste Thomas-Cook-Gruppe in der Schweiz eine Herausforderung. (Quelle: Simone F. Lukas/SRT )

Als Thomas Cook im Jahr 1863 eine Tour in die Schweiz ankündigte, lag die erste von ihm organisierte Gruppenreise bereits 22 Jahre zurück. Während damals zum Preis von einem Schilling weit über 500 Menschen an der Zugfahrt bei Sandwich und Tee teilgenommen hatten, nahmen von den 130 Bewerbern am Ende nur sieben Teilnehmer die Strapazen der Reise in die Schweiz auf. Von Genf ging es nach Chamonix - per Bahn, auf Maultieren, in der Kutsche und zu Fuß. Einen ausgiebigen Eindruck davon, wie es heute ist, auf der Via Cook auf den Spuren des Pioniers der Pauschalreise zu wandern, erhalten Sie in unserer Foto-Show.

Thomas Cook hat das Rhone-Tal reich gemacht

Eine der Teilnehmerinnen der Reise in die Schweiz, die der gelernte Tischler und glühende Abstinenzler Thomas Cook organisierte, war die 29-jährige Jemima Morell. Ihre Eindrücke schrieb sie in einem Tagebuch nieder. 150 Jahre später folgen wir ihren Spuren von Salgesch nach Kandersteg. Damals waren es vier Frauen und drei Männer. Wir sind drei Frauen und drei Männer, und ich nehme Jemimas Tagebuch mit auf die Tour.

Dass Salgesch heute der bekannteste Weinort der Schweiz ist, wo 40 Kellereien um den besten Pinot der Eidgenossenschaft wetteifern, hätte die Cook-Reisenden wohl kaum interessiert. Sie tranken Wasser statt Wein. Uns begegnen auch nicht "viele jämmerlich arme Gestalten". Der internationale Tourismus, den Thomas Cook ins Rhone-Tal brachte, hat die Gegend reich gemacht.

Leuk: moderne Architektur und eine uralte Weinrebe

Wir blicken hinunter auf die hier ganz ungezähmt dahin fließende Rhone, denken uns die Straße weg und stellen uns eine Kutsche vor, die durchs mittelalterliche Befestigungstor nach Leuk fährt. Natürlich müssen wir auch die 30 Satellitenschüsseln ausblenden und jeden Gedanken an die Abhöranlagen des NSA beiseite schieben.

Da folgt unser Blick doch lieber dem Turmfalken, der sich vom Rathaus aus in den blauen Himmel schwingt. Das Schloss mit dem teuren gläsernen Helm, den Stararchitekt Mario Botta dem Turm aufgesetzt hat, schiebt sich ins Blickfeld: schön, wenn auch nicht unbedingt authentisch. Vielleicht haben unsere Reisenden ja die Stefanskirche besichtigt und das hinreißende Fresko vom Jüngsten Gericht. Die alte Rebe, knorrig wie eine Holzskulptur, rankte schon zur Zeit der Reisegruppe am Haus hinter der Kirche. 1798 wurde sie gepflanzt und hat den alten Wein überleben lassen, den wuchtigen Cornalin oder Walliser Landroten. Wir genießen ihn am Abend zum Ausklang der ersten Wanderung in einem Weingut an der Rhone.

Albinen: bis 1956 nur über Leitern erreichbar

Auch am nächsten Morgen haben wir Sonne - wie die Engländer vor 150 Jahren. Der Himmel ist blau und weit, die Berge stehen mächtig gegen den Horizont. So hat sie schon Goethe gesehen, als er gen Inden ausschritt - und von der Kutsche aus auch Jemima Morell: "Der Aufstieg nach Leukerbad ist eine endlose Folge von Haarnadel-Kurven, Felswände auf der einen Seite, Abgründe auf der anderen, ein Weg von unvergleichlicher Schönheit."

Wir verlassen die Cook-Pfade, wollen hinauf nach Albinen - ein Dorf wie aus dem Bilderbuch mit den geduckten Häusern aus Lärchenholz, wäre da nicht die Kirche, die wie ein Raumschiff mitten im Ort gelandet ist. Die Cook-Gruppe kam nicht bis hierher. Sie hätte über die Albinen-Leitern klettern müssen - bis 1956 war das Dorf nur so erreichbar. Doch für die Ladies mit ihren langen Röcken wäre dies zu beschwerlich gewesen. Auch für uns sind die acht hölzernen Leitern, die schräg in der steilen Wand lehnen, eine Herausforderung. Oben dann Erleichterung pur. Und das siebengängige Thomas-Cook-Menü in Jemimas "Sommerstadt" Leukerbad haben wir uns redlich verdient.

Gemmi-Pass: 4000er-Panorama lohnt die Mühe

Am nächsten Tag steht uns die Meisterprüfung bevor: die Überquerung des Gemmi-Passes. Und am frühen Morgen, als das Gras noch feucht ist vom Tau, geht es uns wie Jemima und ihren Begleitern: "Wir konnten nicht begreifen, wie wir diese Felsmauer bewältigen sollten". Schon 1546 hatte Sebastian Münster einen Pfad über die Gemmi beschrieben und von "erschröcklichen Felsen" und "viel Schrunden und engen Kluften" berichtet. 1739 dann wurde der jetzige Weg in den Felsen gesprengt.

Bis heute windet sich der Pfad in Serpentinen die Steilwand entlang, manchmal unter überhängenden Felsen. Atemberaubend im doppelten Wortsinn. Der Schnee ist fast überall geschmolzen, sattgrün sind die Matten, blau gesprenkelt von Enzian. Oben dann wird's kalt. Schneefelder liegen in der Landschaft wie ausrangierte Flokati-Teppiche.

"Die Stadt Leukerbad sah von hier oben aus wie eine Pilzwucherung, aus der Ferne schauten die Gipfel des Monte Rosa, des Weisshorns, des Matterhorns und des Dent Blanche zu uns herüber," schreibt die Chronistin. Auch wir können uns kaum satt sehen an dem grandiosen Alpenpanorama.

Kandersteg: Rückkehr in die Zivilisation

Doch wir wollen noch nach Kandersteg - zu Fuß, nicht mit Maultieren wie die Engländer. Unter uns liegt in einer felsigen Senke eisgrau der Daubensee. Von weitem schon lockt das Wirtshaus Schwarenbach, das seit 1742 hier steht und das Guy de Maupassant in der Novelle "L'Auberge" beschrieb. Für den Dichter ein Schauplatz "grässlicher Verlorenheit". Für Jemima das "erste Anzeichen menschlicher Zivilisation". Für uns ein idyllisches Plätzchen, wo wir uns die Älpler Makronen schmecken lassen, ehe wir weiter wandern gen Kandersteg, dem Ziel unserer Reise.

Bei der Ankunft im Tal schüttet der Himmel kübelweise Regen über uns aus. Kandersteg im Trüben. Wir flüchten ins Belle-Epoque-Hotel Viktoria Ritter. Das gab es auch vor 150 Jahren. Doch die Gruppe nächtigte wohl im Gasthaus Bären, das abgebrannt ist. So lassen wir uns im Ritter das improvisierte Menü auftischen, mit dem der Bärenwirt vor 150 Jahren die unerwarteten Gäste abspeiste. Unsere Variante ist allerdings deutlich schmackhafter als all das, was Jemima im Wallis beschrieben hatte: "Die Suppe war entschieden wässrig, dafür hatte die Forelle das Element gewechselt und schwamm im Öl, Huhn und Reis waren biblischen Alters." Da hat sich doch einiges geändert in den 150 Jahren, die seit Thomas Cooks Pionierreise vergangen sind!

Weitere Informationen:

Thomas-Cook-Route: Zwölf Hauptrouten bilden die Kulturwege Schweiz, die als geschichtsträchtige Wanderwege das Land erschließen. Eine davon ist die Via Cook, die der Route der ersten Thomas-Cook-Gruppe folgt. Informationen dazu über www.kulturwege-schweiz.ch und www.myswitzerland.com/de/viacook.html
Die beschriebene Tour wurde von Leukerbad Tourismus organisiert: www.leukerbad.ch

Anreisen: Am umweltfreundlichsten, aber auch nicht ganz unkompliziert ist das mit der Bahn. Der Swisspass ermöglicht zudem freie Fahrten mit Schiffen und Bergbahnen: www.swisspass.ch

Übernachten: Das Schlosshotel Leuk bietet nicht nur günstige Zimmer mit ordentlichem Frühstück, sondern auch Arbeitsplätze für behinderte Menschen.
Im Hotel Grichting & Badnerhof in Leukerbad hat auch die Thomas-Cook-Gruppe übernachtet. Das neu interpretierte Sieben-Gänge-Menü gefällt auch Feinschmeckern: www.grichtinghotels.ch
Im alten Teil des Belle-Epoque-Hotels Viktoria Ritter, dem Ritter, kann man sich wie zur Zeit der Reisegruppe fühlen, wenn es damals schon ein Bad mit WC gegeben hätte: www.hotelvictoria.ch

Literaturtipp: Das Buch "Einen schweren Schuh hatte ich gewählt - Lesen und Wandern in Leukerbad" (Verlag Dörlemann, 271 S., 24,90 Euro) versammelt kurze literarische Geschichten bekannter Autoren.

Was es in Leukerbad noch alles zu entdecken gibt, erfahren Sie auch auf t-online Reisen.

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