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Helgoland: Großer Wurf oder schneller Niedergang

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Helgoland  

Großer Wurf oder schneller Niedergang

13.02.2009, 11:21 Uhr | dpa

Durch die künstliche Verbindung (großes Bild) von Helgolands Hauptinsel mit der Düne könnte laut Konzept die Zukunft der Inselgemeinde gesichert werden. (Foto: dpa)Durch die künstliche Verbindung (großes Bild) von Helgolands Hauptinsel mit der Düne könnte laut Konzept die Zukunft der Inselgemeinde gesichert werden. (Foto: dpa)Für die deutsche Hochseeinsel Helgoland geht es offenbar um alles oder nichts: Entweder man investiert bis zu einer Milliarde Euro für Landgewinnung und touristische Infrastruktur, oder der Inselgemeinde droht der Niedergang. Diesen Schluss zieht ein neues Entwicklungskonzept, das in diesen Tagen auf den Schreibtischen der Verantwortlichen liegt. "Helgoland braucht eine zweite Phase des Wiederaufbaus", heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Durchwursteln hat demnach keine Zukunft, die Helgoländer stehen vor der vielleicht wichtigsten Entscheidung seit der Wiederbesiedlung im Jahr 1952.

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Nur künstliche Landgewinnung würde Inselgemeinde wieder überlebensfähig machen

Nur die Verbindung von Hauptinsel und Düne mit neu aufgespültem Land, der Wiederaufbau der Südspitze und der Bau von Hotels, Häusern und Wohnungen im großen Stil kann demnach die Voraussetzungen schaffen, damit die heute rund 1500 Einwohner umfassende Gemeinde auf Deutschlands einziger Hochseeinsel wieder auf eine überlebensfähige Größe kommt. Der Plan für den Lückenschluss zwischen der Felseninsel und der Düne stammt vom Hamburger Unternehmer Arne Weber, der seine familiären Wurzeln auf Helgoland hat und dort seit 1999 das Design- Hotel "Atoll" betreibt. Auf dem neu gewonnenen Gelände von rund einem Quadratkilometer Größe könnte ein neuer Südstrand entstehen, der von Hotels gerahmt wird. In der Mitte des Geländes wäre ein neues Dorf mit zentralem Platz und Grünanlagen denkbar. Zum nördlichen Dünengürtel hin können sich die Planer eine aufgelockerte Bebauung mit einzelnen Häusern vorstellen.

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Hotels und Pensionen von höherem Standard

Die Autoren gehen von einem Bedarf von 860 neuen Wohnungen für gut 1800 zusätzliche Einwohner und 4700 weitere Gästebetten aus. Heute stehen den Touristen rund 2400 Betten in Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels zur Verfügung - häufig von geringem Standard. "Wenn die Insulaner sich für diesen Weg entscheiden, ist die Insel allerdings der chancenreichste touristische Investitionsstandort Europas", sagen die Autoren vorher. "Ich möchte, dass ein Ruck durch die Gemeinde geht und sich alle an einen Tisch setzen", sagt Stadtplanerin Kerstin Langmaack, eine der Autorinnen des "Gesamträumlichen Entwicklungskonzepts Insel Helgoland".

Zeit läuft Helgoländern davon

Die Alternative wäre dramatisch: "Ohne den Beginn einer umfassenden Neuorientierung noch zur Saison 2009 ist bis Ende 2010 ein weiterer Abbau von circa 200 Arbeitsplätzen zu erwarten. In diesem Fall ist endgültig die kritische Schwelle zum Überleben als eigenständige Gemeinde unterschritten." Helgoland könnte dann nach Einschätzung der Gutachter als "Kombination aus Ferienressort mit Freilichtmuseum ohne lebendige Gemeinschaft der Einwohner" weiterbestehen. "Was mich am meisten erschreckt, ist, dass wir keine Zeit mehr haben", sagt Langmaack.

Bürgermeister: "Weiteres Verfahren ergebnisoffen"

Auch Bürgermeister Frank Botter betont, das Papier sei auf Grundlage mehrerer Workshops mit interessierten Insulanern entstanden. "Konzepte haben wir genug." Der alte Flächennutzungsplan ist 40 Jahre alt. "Das entspricht nicht mehr dem Zeitgeist", sagt Botter. "Das Konzept hat aber keinen vorentscheidenden Charakter", schränkt der Bürgermeister ein. Jetzt solle das rund 100 Seiten umfassende Werk erstmal gründlich studiert werden. Das weitere Verfahren sei ergebnisoffen.

Gutachter empfehlen Bau einer inseleigenen Reederei

Nach dramatischen Einschränkungen beim Schiffsverkehr vom Festland nach Helgoland in den vergangenen Jahren empfehlen die Gutachter die Gründung einer inseleigenen Reederei und den Bau eines Schiffes der sogenannten Swath-Technologie, bei dem zwei Tauchkörper in Torpedoform mehrere Meter unter Wasseroberfläche schwimmen und das Überwasserschiff tragen. Schiffe dieser Bauart sind wesentlich weniger anfällig für Seegang als Katamarane oder klassische Seebäderschiffe. Die Gutachter rechnen mit einem Bedarf für 165 000 Übernachtungs- und 250 000 Tagesgäste pro Jahr. Dazu kommen die reisenden Insulaner und der Frachttransport.

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