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Ab in die Zwischenwelt

08.08.2006, 10:49 Uhr | spiegel-online, Spiegel Online, t-online.de

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Für die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind die unterirdischen Anlagen "Zeitkapseln" wie Reiner Janick sagt, denn hier wurde Geschichte konserviert. Unter den Füßen donnert es. Ein Luftzug zieht durch den Bunker. Wieder ist eine U-Bahn eine Etage unter dem Bunker durchgedonnert und hat Luft aus dem U-Bahnschacht nach oben in die Schutzräume gepresst. Eigentlich befindet sich der Luftschutzbunker gar nicht in der Unterwelt, wie der Vereinsname suggeriert, sondern nur in einer Zwischenwelt - denn oft wurden Bunker in den Räumen zwischen U-Bahnschacht und Oberfläche gebaut. Acht Meter über uns tobt der Straßenverkehr, unter uns die Untergrundbahn.

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Foto-Serie Berlins Bunker
Foto-Serie Die grünen Seiten Berlins

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"Geisterbahnhöfe"
Ein guter Moment für Janick, um von "Geisterbahnhöfen" zu erzählen. Während des Kalten Krieges waren das U- und S-Bahnsteige im Osten Berlins, an denen kein Zug der westdeutschen Stadtbahnen mehr hielt. Als Fünfjähriger ist Reiner Janick darum immer "Geisterbahn" gefahren, wenn er von Kreuzberg nach Wedding unter dem DDR-Stadtteil Mitte durchwollte. 17 Stationen im Osten der Stadt waren nicht in Betrieb, darunter heute so edle Adressen wie "Unter den Linden", "Friedrichstraße" und "Potsdamer Platz". Damals zählte Janick die grimmig-schauenden Wachsoldaten der DDR auf den Geisterbahnhöfen, während drinnen in der Bahn die Gespräche für Minuten verstummten.

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Fliegende Südfrüchte
Andere Berliner schmissen Südfrüchte und "Playboy"-Hefte auf die Bahnsteige - subversive Westpropaganda, die im DDR-Giftschrank verschwand. Andere zeithistorische Dokumente hingegen entdeckten die Unterwelter noch 1990 bei ihren ersten Erkundungen. Auf einem Bahnhof schien die Zeit seit 1961 stehen geblieben zu sein: Quittungen lagen noch auf den Tischen eines unterirdischen Restaurants, die Schuhe des Imbissverkäufers standen noch unter der Theke und darauf geöffnete braune Bierflaschen. Fast 30 Jahre DDR wurden unter Tage konserviert.

Schutzbettliegen und vandalensichere Toiletten
"Sperrgebiet" steht auf einem weißen Metallschild an der Wand. Daneben weist phosphoreszierende Farbe den Weg zum nächsten Ausgang. In den vierziger Jahren, als die Räumlichkeiten gebaut wurden, war das die beste Möglichkeit in der Dunkelheit den Weg anzuzeigen. Die Farbe leuchtet bis heute und führt raus aus den Bunker auf den U-Bahnhof "Gesundbrunnen". "Das ist nicht einfach nur ein Bahnhof, sondern ein Denkmal", sagt Reiner Janick. Die längste Rolltreppe Berlins, der tiefste U-Bahnhof, Janick kann unter der Erde wahrscheinlich jedem Ort etwas abgewinnen. Mit der U-Bahn geht es zum letzten Höhepunkt, einem "Luxusbunker", wie Janick ihn bezeichnet.

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